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Kommentar zur Steuer-Razzia beim DFB: Nichts gelernt!

Stand: 07.10.2020 16:45 Uhr

Die Vergangenheit lässt den DFB nicht zur Ruhe kommen. Wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung hat die Staatsanwaltschaft DFB-Räume und Wohnungen durchsucht. Die Freude von Präsident Fritz Keller spricht Bände.

von Hendrik Maaßen

Es ist ein kleiner Nachsatz vom DFB-Präsidenten, der aufhorchen lässt: "Eigentlich kann ich staatliche Unterstützung in den Untersuchungen nur begrüßen."

Staatliche Unterstützung? Objektive Einblicke in das Gebaren des Deutschen Fußball-Bundes? Das klingt neu und gut und gleichzeitig auch merkwürdig und hilflos aus dem Mund des DFB-Chefs.

Keller hofft auf Hilfe bei seiner "Generalinventur"

Hendrik Maaßen, NDR
Hendrik Maaßen kommentiert.

Präsident Fritz Keller sitzt am Mittag von den Ereignissen offenbar etwas überrumpelt in der Bundespressekonferenz in Berlin. Vielleicht ist ihm zu diesem Zeitpunkt die Dimension der Ermittlungen und Durchsuchungen mit 200 Beamten in der DFB-Zentrale und weiteren Wohn- und Geschäftsräumen noch nicht ganz bewusst. Immerhin ist sein Verband Ziel der Razzia und kann wohl kaum "auf staatliche Unterstützung" hoffen. Aber vielleicht erhofft sich Keller diese auch für die eigene - wie er es nennt - "Generalinventur" im Verband, die er nach seinem Amtsantritt verkündet hat. Er will aufklären, was seit 2003 an Mauscheleien im DFB gelaufen ist.

Dass er sich heute, nach nicht einmal einem Jahr, über die Steuerfahndung im eigenen Haus zu freuen scheint, spricht Bände. Wie eng und unübersichtlich müssen die Verbindungen der alten Riege der DFB-Funktionäre geknüpft sein. Wie groß vielleicht auch der Widerstand im eigenen Haus?

Nie etwas aus Sommermärchen und Co. gelernt

Fritz Keller, der Winzer aus Baden-Württemberg und Ex-Präsident beim SC Freiburg, hat keine klassische DFB-Karriere absolviert. Das hatte ihn für die Aufgabe des DFB-Präsidenten ausgezeichnet. Seine drei Vorgänger hatten nicht mal ihre regulären Amtszeiten geschafft, ehe sie aus unterschiedlichen, aber immer korruptionsbehafteten Gründen gehen mussten.

Fritz Keller am Tag seiner Wahl zum DFB-Präsidenten © dpa Foto:  Boris Roessler
DFB-Präsident Fritz Keller will Mauscheleien aufdecken.

Fritz Keller wird sich daran messen lassen müssen, alles für die Aufklärung dieser neuen DFB-Affäre zu leisten. Es kann nicht sein, dass am Abend bei steigenden Infektionszahlen ein nicht notwendiges Fußball-Spiel aus finanziellen Gründen stattfinden soll und gleichzeitig bekannt wird, dass die alte Riege des DFB nie etwas aus Sommermärchen und Co. gelernt hat: Wer wissentlich 4,7 Millionen Euro Steuern hinterzieht - und das ist der Vorwurf der Frankfurter Staatsanwaltschaft - macht sich mit dem Betteln um neue Einnahmen für den klammen DFB lächerlich.

Die alte Riege aus dem DFB werfen

Ich teile die vermutete Freude des DFB-Präsidenten über die Steuerfahndung in der DFB-Zentrale und bei sechs ehemaligen oder aktiven DFB-Funktionären: Denn nach internen Berichten und geschönten Auftrags-Untersuchungen kommt endlich eine unabhängige Instanz mit vollen Befugnissen. Vielleicht schaffen die staatlichen Ermittlungen, was Fritz Keller bislang nicht schaffte: die Machenschaften aufklären und die Überlebenden der alten Riege aus dem DFB werfen.

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Verdacht der Steuerhinterziehung: Durchsuchungen beim DFB

Einnahmen aus der Bandenwerbung bei Länderspielen sollen bewusst nicht richtig angegeben worden sein. extern

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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Kommentar | 07.10.2020 | 17:25 Uhr

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