Trainer Florian Kohfeldt (Bremen) schlägt sich die Hand ins Gesicht. © Fromme/Firo/Witters Foto: JuergenFromme

Kommentar: Werder Bremen wirft Rettungsanker viel zu spät

Stand: 16.05.2021 15:15 Uhr

Werder Bremen funkt SOS, trennt sich von Trainer Florian Kohfeldt. Thomas Schaaf soll retten, was über Monate verpasst wurde. Ein Zeichen von Torschlusspanik.

Ein Kommentar von Andreas Bellinger

Ratlos, hilflos - das Chaos ist perfekt. Werder Bremen taumelt nach Wochen der Untätigkeit heillos verunsichert Richtung Zweite Liga. Trotz anscheinend großen Fachverstands in der sportlichen Führung sind die Zeichen des bevorstehenden Niedergangs viel zu lange ignoriert worden. Nun funkt der Verein nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sportlich SOS.

Fatale Fehlentscheidungen

Dass sich Double-Sieger Thomas Schaaf in dieser schier ausweglosen Situation zur Verfügung stellt, ist ehrenvoll. Ein Spiel Bewährung daheim gegen Borussia Mönchengladbach und gegebenenfalls zwei in der Relegation nähren allerdings bestenfalls das Prinzip Hoffnung. Die vielfach kritisierte Entscheidung, Florian Kohfeldt nach sieben Niederlagen in Serie und drei ausstehenden Ligaspielen das Zepter im Abstiegskampf weiter zu überlassen, war ein fataler Fehler. Statt Nibelungentreue hätte die ohnehin späte Notbremse gezogen werden müssen. Werders Technischer Direktor Schaaf hätte schon vor drei Wochen eine Option sein können.

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Abstieg eines Traditionsvereins?

Damit nach Schalke 04 nicht ein weiterer Traditionsverein absteigt, wäre den Grün-Weißen sicherlich zu wünschen, dass Schaaf Werder wie einst 1999 noch retten kann. Zu erwarten ist, dass der 60-Jährige die Mannschaft im Quarantäne-Trainingslager in Barsinghausen aus der Lethargie erwecken wird. Ein neuer Impuls ist schließlich überfällig. Nun könnte es zu spät sein.

Aus Erfahrung nichts gelernt?

Wie kann es angehen, dass Sportchef Frank Baumann und Aufsichtsratschef Marco Bode die Zeichen der Zeit beharrlich ignoriert haben? Aus Erfahrung nichts gelernt? Oder haben sie ernsthaft geglaubt, dass sich ein Wunder wie im Abstiegskampf der vorigen Saison einfach wiederholen lässt? Ist ihnen nicht aufgefallen, dass sich Kohfeldt meilenweit von seinem ehrgeizigen Plan entfernt hat, jeden Spieler besser zu machen? Sind ihnen in puncto Aufstellung und Coaching keine Zweifel gekommen? Wurde das Festhalten an unbestritten veranlagten, aber seit geraumer Zeit schwächelnden Spielern nicht thematisiert? Kaum zu glauben, dass dies im Mannschaftskreis nicht kritisch beäugt wurde. Konsequenzen blieben jedoch aus.

Werder steht am Scheideweg

Natürlich kann der Trainer nichts dafür, wenn Christian Groß in Augsburg mehr als dumm die zweite Gelbe Karte kassiert. Aber warum hat er nicht schon reagiert, als beim Gegner Ruben Vargas nach 13 Minuten vom Platz geflogen ist? Hätte nicht spätestens dann mehr Kreativität auf den Platz gehört? Aber wie soll Kreativität auf dem Platz entstehen, wenn sie im Trainer-Team abhanden gekommen scheint?

Nun stehen die Grün-Weißen einmal mehr am Scheideweg. Am Montag beginnt die Zeichnungsfrist für Werders Mittelstandsanleihe, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem die Bremer "Aktien" so schlecht stehen wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Ein "Weiter so" wie vor einem Jahr darf es nicht geben. Egal, wie das Saisonfinale endet.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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Dieses Thema im Programm:

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