Fußball-Bundestrainer Joachim Löw bei einer Pressekonferenz. © dpa picture alliance Foto: Sven Hoppe

Kommentar: Löw bleibt - aber der DFB braucht einen Plan B

Stand: 01.12.2020 10:06 Uhr

Der DFB hält an Bundestrainer Joachim Löw fest. Die Entscheidung ist derzeit alternativlos, muss aber bei einem möglichen frühen EM-Aus überdacht werden.

Ein Kommentar von Jörg Tegelhütter

Der Deutsche Fußball-Bund überrascht. Und zwar mit einem Tempo, das selbst der Nationalmannschaft zuletzt beim 0:6 in Spanien ziemlich abging. Statt eine Woche lang rumzueiern und Spekulationen anzuheizen, geht der DFB in die Offensive, berät sich in Rekordzeit und stärkt Joachim Löw - wie es heißt, einvernehmlich - den Rücken. Der Bundestrainer macht also weiter, bis zur EM im kommenden Jahr - mindestens.

Jörg Tegelhütter © NDR Foto: Christian Spielmann
Zurzeit gibt es keine Alternative zu Joachim Löw, meint Jörg Tegelhütter.

Das war es dann aber auch mit den Überraschungen, denn dass Löw selbst nicht zurücktreten würde, lag auf der Hand. Der 60-Jährige liebt und lebt seinen Job. Das Training mit der Mannschaft genauso wie die damit verbundene Öffentlichkeit. Löw gefällt sich gleichermaßen als Taktiker am Spielfeldrand und als Werbebotschafter für Hautcremes. Beides übrigens verbunden mit Millionen-Gagen.

Und der DFB? War vor dem Treffen des Präsidiums in keiner guten Position. Einerseits musste die erregte Öffentlichkeit nach der peinlichen Pleite von Sevilla beruhigt werden, auf der anderen Seite hatte der Verband den Zeitpunkt für eine sinnvolle Trennung längst verpasst. Der wäre nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM 2018 gewesen.

Zum jetzigen Zeitpunkt aber, ein halbes Jahr vor dem Beginn der Europameisterschaft, macht ein Trainerwechsel keinen Sinn. Abgesehen davon stehen praktisch alle geeigneten Nachfolger derzeit bei internationalen Topclubs unter Vertrag.

So gab es einen, wie es in der Pressemitteilung heißt, "offenen und intensiven Austausch" mit der Erkenntnis, dass das Spanien-Spiel enttäuschend gewesen sei. Das stimmt. Zur Wahrheit gehört deshalb auch, dass diese Mannschaft bei der Europameisterschaft allerhöchsten Ansprüchen wohl nicht genügen wird.

Der DFB und sein Präsident Fritz Keller sollten deshalb das selbstgesteckte Minimalziel Halbfinale korrigieren und mit Blick auf den Job des Bundestrainers einen Plan B vorbereiten - für den Fall, dass Deutschland erneut in der Vorrunde scheitert, an Weltmeister Frankreich und an Titelverteidiger Portugal. Denn auch das wäre keine große Überraschung.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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Bundestrainer Joachim Löw bei einem Länderspiel an der Seitenlinie. © dpa picture alliance Foto: Ina Fassbender

Joachim Löw bleibt Bundestrainer

Der DFB will mit dem Coach ins EM-Jahr 2021 gehen. Mehr Infos bei sportschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 01.12.2020 | 09:25 Uhr

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