Stand: 21.02.2018 16:55 Uhr

Kommentar: Bremer Urteil ist richtig

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) muss sich an den Kosten für Polizeieinsätze bei sogenannten Hochrisikospielen der Bundesliga beteiligen. Das Bremer Oberverwaltungsgericht hat aus juristischen wie moralischen Gründen richtig geurteilt.

Ein Kommentar von Holger Dahl

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Polizeikosten im Fußball: DFL muss zahlen

Die Deutsche Fußball Liga muss sich grundsätzlich an Polizeikosten bei Risikospielen beteiligen. Das entschied das Oberverwaltungsgericht Bremen. Der Ligaverband will in die Revision. mehr

Reden wir über Moral. Wie auch immer die juristischen Argumente aussehen, die nun zu der Entscheidung zu Gunsten des Landes Bremen geführt haben, mein Moralempfinden sagt: Sie ist richtig! Die Bundesliga ist ein Milliardengeschäft. Sie ist Teil der Gesellschaft. Deshalb sollte die sogenannte Gewährleistung der öffentlichen Ordnung rund um normale Fußballspiele auch als ureigene Staatsaufgabe von der Allgemeinheit durch Steuergelder getragen werden. Doch es geht um die Abweichung von der Regel. Um Hochsicherheitsspiele. Mit deutlich höheren Kosten für die Polizeieinsätze.

Bremens Argumentation, jeder andere Veranstalter eines Großevents im Werder-Stadion würde an erhöhtem Kostenaufwand beteiligt, ist schlüssig. Die Begründung des Oberverwaltungsgerichts Bremen für die Zulässigkeit der Kostenbeteiligung: Fußballspiele sind auch wegen der Sicherung durch die Polizei wirtschaftlich erfolgreich. Ich sehe da keine Chance für Einwände.

Vom Normalbetrieb weit entfernt

Die Bundesliga ist kein gottgegebenes Wunder der Natur - oder ein besonders schützenswertes Kulturprodukt. Natürlich zahlen auch die Proficlubs Steuern und haben damit ein Recht, staatliche Unterstützung in Form einer Art polizeilicher Grundsicherung für den Normalbetrieb zu erhalten. Vom Normalfall sind Risikospiele wie Dortmund gegen Schalke oder Köln gegen Gladbach aber leider weit entfernt.

In Italien ist eine Polizeikostenbeteiligung der Liga übrigens fester Bestandteil. Offensichtlich ist die Fußball-Lobby in Deutschland aber so stark, dass es nur das kleine, wirtschaftlich schwache Bundesland Bremen wagt, die nachvollziehbare Argumentationskette nun auch gerichtlich durchzuspielen. Dafür gab es übrigens auch schon einen kleinen Denkzettel. Ein eigentlich zugesagtes Länderspiel der Nationalmannschaft wurde wieder entzogen. Leg dich nicht mit uns an - die klare Botschaft.

Forderungen erscheinen verkraftbar

Nun ist die DFL keine quasi staatliche Einrichtung. Deswegen hinkt zum Beispiel auch der Vergleich mit den Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel in Hamburg. Wer sollte sich auch dort an den Polizeikosten beteiligen?

Die Erstligisten machen in Deutschland übrigens jährlich einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro. In diesem Zusammenhang erscheinen die Forderungen für die erhöhten Sicherheitskosten bei besonderen Spielen verkraftbar. Also, liebe DFL-Clubs - Portemonnaie raus - aus juristischen und moralischen Gründen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentare | 21.02.2018 | 18:30 Uhr

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