Stand: 24.08.2020 15:58 Uhr

Kommentar: Champions League - der Sieger ist Katar

Michael Augustin © NDR Foto: Christian Spielmann
"Schmutziges Geld" investiere Qatar Airways in den Fußball, meint Michael Augustin.

Elf Spiele, alle elf gewonnen: Der FC Bayern hat in der Champions League sportlich keine Zweifel aufkommen lassen, dass er ein würdiger Champion ist. Die Münchner feiern zurecht eine erfolgreiche Saison, die mit dem Triple zu Ende gegangen ist. Wer aber hinter die Fassade des Fußballs und seines Champions-League-Turniers in Lissabon guckt, erkennt Dinge und Entwicklungen, die einem die pure Freude am Spiel nehmen.

Ein Kommentar von Michael Augustin, NDR Info

Große Fußballspiele brauchen einen Namen, am besten noch mit einem Hashtag vorweg. So ist das eben im digitalen Zeitalter. Am Donnerstag - also drei Tage vor dem Finale in Lissabon - hatte sich der Begriff #Qlassico in den sozialen Netzwerken rasend schnell verbreitet. Qlassico mit Q wie Qatar Airways. Pfiffige Social-Media-Menschen der Fluggesellschaft aus dem Wüstenstaat haben für das Champions-League-Endspiel diesen Spitznamen erfunden. In Anlehnung an den "El Clásico“ mit C, den wir aus Spanien kennen, wenn dort Real Madrid und der FC Barcelona gegeneinander spielen. Dazu noch eine Grafik: links das Wappen der Bayern, rechts das Wappen von Paris Saint-Germain. Und in der Mitte ein mit dem Logo von Qatar Airways verzierter Fußball. Darüber thront der Satz: "Congratulations to both teams, from your proud partner."

Millionensummen aus Katar

Weg war sie - meine ohnehin nur sparsam vorhandene Vorfreude auf das Champions-League-Finale. Der Sieger stand schon vor dem Anpfiff fest - Katar. Der Wüstenstaat am Persischen Golf, der Gastarbeiter wie Sklaven behandelt und Homosexualität mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft, und der versucht, sein Image aufzupäppeln, indem er die größten Sportveranstaltungen ins Land holt - wie die WM 2022. Oder Vereine wie Paris Saint-Germain und den FC Bayern großzügig mit Öl-Millionen unterstützt. Der französische Club hängt seit 2011 an dieser Geldquelle, als er von einem katarischen Staatsfonds aufgekauft worden ist. Der FC Bayern bekommt rund zehn Millionen Euro pro Jahr aus dem Emirat überwiesen, weil er Werbung für Qatar Airways macht. Außerdem sind die Münchner im Winter Stammgast am Persischen Golf, weil das Wetter da so schön ist und man sich dort prima auf die Rückrunde vorbereiten kann.

Politische Statements unerwünscht

Vorschläge, man könne ja mal mit dem katarischen Gast- und Geldgeber über Gleichberechtigung von Frauen und Männern oder über Religionsfreiheit sprechen oder gar ein politisches Statement setzen, werden dankend abgelehnt - mit dem Hinweis, solche Gespräche gebe es nicht öffentlich, sondern im vertrauten Kreis.

Schmutziges Geld für den Erfolg

Paris und die Bayern nehmen das schmutzige Geld, und Katar darf sich in ihrem Ruhm und ihren Erfolgen sonnen. Insofern war es ja eigentlich ganz praktisch für die Beteiligten, dass dieser #Qlassico - mit Q wie Quark geschrieben - ganz ohne Zuschauer in Lissabon über die Bühne gehen konnte. Also auch ohne ablehnende Fan-Banner auf den Tribünen, ohne kreative, kritische Gesänge. Ohne nicht kalkulierbare Zwischenfälle, wie zum Beispiel einen Flitzer, der mit einem Katar-kritischen Schriftzug in der 89. Minute auf den Rasen läuft und für eine Spielunterbrechung sorgt.

Zuschauer im Stadion werden unwichtig

Dass die Stadien in Lissabon bei diesem Finalturnier leer gewesen sind, ist richtig und wichtig während einer Corona-Pandemie. Aber dass die UEFA ernsthaft überlegt, die Corona-Notlösung in Turnierform zu einer Dauerlösung zu machen, zeigt doch, wohin die Tendenz geht. Der Stadionbesucher, der den Wettbewerb mit Hin- und Rückspielen seit Jahrzehnten liebt und seine Mannschaft überallhin begleitet, wird immer unwichtiger.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 24.08.2020 | 17:20 Uhr

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