Stand: 08.11.2017 16:49 Uhr

Klaus-Michael Kühne oder: Mäzene alter Schule

Mäzene haben gerade im Fußball eine lange und nicht immer gute Tradition. Der HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne ist einer dieser Geldgeber alter Schule. Alte Schule, das heißt für Kühne: "Ich bin der Verein".

Eine Glosse von Albrecht Breitschuh, NDR 2

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Klaus-Michael Kühne gibt den Takt vor: "Es gibt nur Geld, wenn der HSV über einen unabhängigen, von mir befürworteten Aufsichtsrat verfügt"

Eines muss man Klaus-Michael Kühne ja lassen. Mit seiner jüngsten Wortmeldung, die durchaus auch als Erpressung gelesen werden kann, ist es dem HSV-Investor gelungen, sich Zutritt in den Olymp altehrwürdiger Fußball-Potentaten zu verschaffen. Schlagartig wurden zumindest bei mir Erinnerungen wach an die schillernden Vereinsbosse der 70er- und 80er-Jahre.

Die kamen nicht - wie damals üblich - aus der Tiefe des Raumes, sondern überwiegend aus der Gastronomie- oder Getränkebranche. Ihre großen Auftritte hatten sie in der Halbzeitpause, wenn sie mit dicker Zigarre und Cognac-Fahne die Kabine stürmten, um Mannschaft und Trainer zur Sau zu machen.

Der ganz besondere Halbzeit-"Spaß"

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © Benicce / Fotolia

"Der Verein bin ich"

NDR Info - Auf ein Wort -

Mäzene haben im Fußball eine lange und nicht immer gute Tradition. Der HSV-Geldgeber Klaus-Michael Kühne ist der Verein. Albrecht Breitschuh bittet auf ein Wort.

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In der Regel hießen diese bekennenden Choleriker Günter: Günter Mast, Günter Siebert oder Günter Eichberg, Letzterer auch bekannt als "Sonnenkönig von Schalke".

Und genauso verhielt sich einer der wenigen Nicht-Günters dieser Riege, Fortuna Kölns Präsident Jean Löring. Der brachte es fertig, den Fortuna-Trainer Toni Schumacher in der Halbzeit eines Zweitligaspiels zu entlassen, angeblich mit den Worten: "Raus hier, Du hast hier nichts mehr zu sagen!" Später rechtfertigte sich Löring mit dem legendären, eines wahren Sonnenkönigs würdigen Satz: "Ich als Verein musste handeln."

Einer hat das Sagen - und das bin ich

Womit wir wieder bei Klaus-Michael Kühne wären. Für alle, die im Fußball-Sponsoring nicht so zu Hause sind: Gemeint ist nicht der Essig-, Senf- und Gurken-Kühne, obwohl der auch aus Hamburg kommt - und wie ich finde besser zum Verein passen würde -, sondern der Logistik-Kühne, ohne Gurke, aber mit Nagel, denn Friedrich Nagel hieß einer der beiden Unternehmensgründer.

Klaus-Michael Kühne also hat zwar gar kein Vereinsamt inne, auch darf der Trainer die Pausenansprachen halten, ansonsten aber lässt er keinen Zweifel aufkommen, dass außer ihm beim HSV nur Pfeifen arbeiten und am besten nur einer das Sagen hat - nämlich er: "Es gibt nur Geld, wenn der HSV über einen unabhängigen, von mir befürworteten Aufsichtsrat verfügt", hat er nun verkündet.

Möglicherweise ist dieser offensichtliche Widerspruch zwischen "unabhängig" und "von mir befürwortet" von ihm sogar gewollt, als ultimative Machtdemonstration: "Entweder läuft es so wie ich es will - oder es läuft gar nicht mehr!"

Irgendwann ist dann doch einmal Schluss

Dieses hemdsärmelige, alle Gremien souverän missachtende Durchgreifen war im modernen Fußball der smarten Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsräte fast ausgestorben.

"Wer bezahlt, bestimmt auch die Musik." Nostalgiker müssten eigentlich feuchte Augen bekommen, hätte die Sache nicht einen entscheidenden Haken: Niemand kann sagen, wie lange Klaus-Michael Kühne die Musik überhaupt noch hören will. Er wäre nicht der erste Mäzen, Sponsor, Investor, der sich beleidigt zurückzieht.

Sucht sich Kühne eine neue Herausforderung?

Beim Likörfabrikanten Günter Mast war Schluss, als er Eintracht Braunschweig nicht in "Jägermeister Braunschweig" umbenennen durfte. Darauf wurde die Eintracht in die unteren Ligen durchgereicht, wo sie lange Jahre ausnüchtern durften.

Ein ähnliches Schicksal sollte dem HSV erspart bleiben, es sei denn, Klaus-Michael Kühne sucht eine neue Herausforderung - in der Gastronomie- und Getränkebranche.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 08.11.2017 | 18:25 Uhr

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