Stand: 25.02.2018 17:42 Uhr

Kieler Avevor köpft St. Pauli ins Glück

von Christian Görtzen, NDR.de
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St. Paulis Christopher Avevor (3. v. r.) wird für sein Siegtor gegen Kiel gefeiert.

Der gebürtige Kieler Christopher Avevor hat dem Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli am Sonntag im Nordduell einen späten Sieg gegen den Aufstiegskandidaten Holstein Kiel beschert. In der 89. Minute erzielte der Abwehrspieler per Kopfball den Siegtreffer zum 3:2 (1:2). Die "Störche", die bis weit in die zweite Hälfte geführt hatten, setzten somit ihre Sieglos-Serie fort. Trotz des elften Spiels nacheinander ohne Dreier steht das Team von Trainer Markus Anfang aber mit seinen 37 Punkten in der Tabelle auf Rang drei. Die Kiezkicker haben dank ihres dritten Heimsieges der Saison mit jetzt 34 Zählern Kontakt zur erweiterten Spitzengruppe. "Wir haben gut angefangen, haben dann aber total den Faden verloren. Das war nervig. Wir mussten zumindest in den Kampf kommen. Das haben wir geschafft, und dann wurden wir belohnt", sagte St. Paulis Trainer Mark Kauczinski NDR 2.

Das Nordduell war als Hochrisikospiel eingestuft worden. Dies lag vor allem an Vorkommnissen im Hinspiel, das St. Pauli mit 1:0 gewonnen hatte. Im vergangenen September hatten vor dem Anpfiff rund 30 Holstein-Anhänger den Platz gestürmt und versucht, aus dem Gästeblock Fahnen zu entwenden. Im Vorfeld des Rückspiels war die Sorge um die Sicherheit in dem mit 29.546 Zuschauern restlos ausverkauften Millerntor-Stadion groß. Der FC St. Pauli erlaubte den Kielern nur auf der Haupttribüne und im Gästeblock das Tragen von Fan-Bekleidung und -Utensilien. Vor der Partie zogen rund 1.500 Kieler in einem Fanmarsch von der Reeperbahn zum Stadion. Bis zum Abpfiff blieb es ruhig.

Neudecker steht richtig und trifft für Kiezkicker

Kauczinski hatte wieder jenen elf Spielern vertraut, die auch schon eine Woche zuvor beim 1:0 in Ingolstadt begonnen hatten. Anfang nahm im Vergleich zum vergangenen Heimspiel gegen den FC Erzgebirge Aue (2:2) drei Veränderungen an der Startelf vor: Anstelle von Sebastian Heidinger, Alexander Mühling und Steven Lewerenz begannen Patrick Herrmann, Dominic Peitz und Aaron Seydel. Den fröstelnden Zuschauern wurde bei leichtem Schneefall von den Teams schnell einiges geboten. St. Pauli machte den Anfang. Nach Zuspiel von Waldemar Sobota zog Aziz Bouhaddouz von der Strafraumgrenze flach ab. Der Ball traf den Pfosten, doch von dort sprang er Richard Neudecker vor die Füße. Der Mittelfeldspieler schoss zum 1:0 (11.) ein. Die Freude der braun-weißen Anhänger war riesig - sie hielt aber nicht lange an.

"Störche" drehen schnell das Spiel

In der 13. Minute brachte der Hamburger Innenverteidiger Lasse Sobiech seinen Kieler Gegenspieler David Kinsombi knapp innerhalb des Strafraums zu Fall. Den fälligen Foulelfmeter verwandelte Kingsley Schindler souverän zum 1:1 (14.). Er schickte Robin Himmelmann in die falsche Ecke. War St. Paulis Schlussmann in der Szene machtlos, so sah dies bald darauf ganz anders aus. Nachdem Sobiech einen hohen Ball nicht kontrolliert hatte, setzte sich Marvin Ducksch gegen den unentschlossenen Avevor durch. Die Leihgabe der Braun-Weißen schoss den Ball aus spitzem Winkel ohne allzu viel Druck auf das Tor, doch Himmelmann ließ das Spielgerät passieren - 2:1 (19.) für die "Störche".

Für Ducksch war es bereits der 13. Saisontreffer. Beinahe hätte er auch einige Zeit später Nummer 14 folgen lassen. Nach einem weiteren Patzer von Sobiech zog Ducksch volley ab - dieses Mal parierte Himmelmann mit einem Reflex glänzend (33.). Die Kieler waren die bessere Mannschaft, sie hätten mit einer höheren Führung als einem 2:1 in die Pause gehen können.

Avevor wird für St. Pauli zum Matchwinner

An den Kräfteverhältnissen auf dem Rasen änderte sich auch im zweiten Durchgang nichts. Kiel blieb bestimmend und kam zu guten Gelegenheiten. Herrmann zwang Himmelmann mit einem Vollspann-Schuss zu einer weiteren guten Parade (50.). Im weiteren Verlauf gingen die Gäste gar verschwenderisch mit ihren Möglichkeiten um. Seydel vertändelte in guter Position (62.), Schindlers Schuss wurde gerade noch von Avevor geblockt (71.). Die Inkonsequenz rächte sich: Nach Fehlern von Peitz und Herrmann legte Bouhaddouz per Lupfer für Neudecker auf - und der Offensivspieler jagte den Ball aus halblinker Strafraumposition per Volleyschuss zum 2:2 in den linken Torwinkel (74.). Und es kam sogar noch besser für die Gastgeber: In der 89. Minute sprang Avevor bei einem Eckball am höchsten und köpfte den Ball zum 3:2-Siegtor ein. St. Pauli feierte. Die Kieler konnten es nicht fassen, dass sie mit leeren Händen dastehen. "Wir waren die klar bessere Mannschaft, aber das bringt uns am Ende nichts, wenn wir nicht die drei Punkte holen", sagte Anfang NDR2.

Dieses Thema im Programm:

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