Der frühere Fußball-Profi Kevin Schindler (Foto aus dem Jahr 2014) © Witters Foto: TayDuc Lam

Kevin Schindler: Färöer, Fußball und Fisch - aber kein Corona

Stand: 04.03.2021 16:12 Uhr

Ein Delmenhorster im Nordatlantik: Kevin Schindler hat es auf die Färöer-Inseln verschlagen. Als Co-Trainer feiert der Ex-Profi mit HB Torshavn sportliche Erfolge, zieht Fisch Schaf vor und führt ein coronafreies Leben.

von Matthias Heidrich, Moritz Cassalette und Matthias Dröge

Keine Masken tragen und Lockdown-Regeln beachten müssen: Das klingt für Menschen von Flensburg bis München zurzeit unvorstellbar. Auf den Färöer-Inseln ist die Welt jedoch eine andere. "Wir sind jetzt coronafrei und haben hier ein komplett normales Leben", berichtet Kevin Schindler im NDR 2-Bundesligashow-Podcast. Der gebürtige Delmenhorster, der als Fußballprofi unter anderem für Werder Bremen, den FC St. Pauli und Hansa Rostock auflief, weiß das zu schätzen. "Ich bin darüber sehr, sehr glücklich. Wenn ich auf den Rest der Welt schaue, ist es dramatisch."

Färöer und Corona kennen sich nur sporadisch

Auf der zu Dänemark gehörenden Inselgruppe im Nordatlantik leben rund 50.000 Menschen. Laut John-Hopkins-Institut wurde dort zuletzt am 16. Februar ein Corona-Fall verzeichnet. Danach keiner mehr. Das jüngste "Neuinfektions-Hoch" datiert vom 29. Dezember des vergangenen Jahres - mit 19 Fällen. Färöer und Covid-19 kennen sich nur sporadisch. Für Schindler und den Fußball auf den Inseln zwischen Schottland, Norwegen sowie Island ist das ein Glücksfall.

Das Titelbild des NDR 2 Bundesligashow-Podcasts © istockphoto Foto: Aksonov
AUDIO: NDR 2-Bundesligashow-Podcast: Schindlers Abenteuer im Nordatlantik (59 Min)

Double-Sieger mit HB Torshavn

Anfang 2020 entschied sich der 32-Jährige für das Abenteuer im Nordatlantik, heuerte als Co-Trainer bei HB Torshavn an. Mit dem Hauptstadtclub feierte Schindler zuletzt das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg, holte zudem den Supercup. Am kommenden Wochenende startet die neue Saison - vor Zuschauern. Davon können Schindlers Ex-Clubs in Deutschland nur träumen. "Da kommen 250 bis 500 Zuschauer, bei richtig guten Derbys vielleicht auch mal 1.500", erzählt der ehemalige U21-Nationalspieler. "Die Menschen hier sind schon sehr fußballbegeistert."

Schindler: "Ich will den Fußball-Lehrer machen"

Im vergangenen Jahr schnürte der einstige Mittelfeldspieler für vier Partien sogar noch einmal selbst die Fußballschuhe, als bei Torshavn mehrere Spieler verletzungsbedingt ausfielen. Schindler, mit knapp über 30 bei Leibe kein altes Eisen, konnte schon noch mithalten. "Das Niveau hier würde ich mit unterer Dritter Liga oder Regionalliga beschreiben." Seine Zukunft sieht Schindler aber an der Seitenlinie. "Ich will den Fußball-Lehrer machen und auch selbst eine Mannschaft übernehmen. Wo das sein wird, steht in den Sternen", sagt der Ex-Profi.

Über Dortmund in den Nordatlantik

Kevin Schindler im Trikot von Werder Bremen (Foto aus dem Jahr 2011) © imago images / Moritz Müller Foto: Moritz Müller
Bei Werder Bremen schaffte es Kevin Schindler von der Jugend zu den Profis.

Als sich das Engagement auf den Färöer Ende 2019 anbahnte, war Schindler bereits vom Platz in die Coaching-Zone gewechselt. Auf der Suche nach einem neuen Club war der Delmenhorster nicht fündig geworden, hospitierte dann bei Borussia Dortmund und Mike Tullberg. Mit dem damaligen U23-Coach des BVB war Schindler auf dem Weg mit dem Auto in die Niederlande zu einer Spielerbeobachtung, als Tullbergs dänischer Landsmann Berthel Askou, damaliger Trainer von HB Torshavn, anrief. "Durch die Blume hat er nach mir gefragt und ob ich mir nicht vorstellen könnte, auf die Färöer-Inseln zu kommen." Konnte er - nach einer kurzen Stippvisite im Nordatlantik.

Schindler: "Schaf schmeckt nicht schlecht"

Ein kleiner Kulturschock war es schon für Schindler, doch mittlerweile fühlt sich der Norddeutsche noch viel weiter nördlich sehr wohl. "Wer abschalten und die Seele baumeln lassen möchte, dem kann ich nur empfehlen: Komm auf die Färöer-Inseln", schwärmt Schindler. "Es ist eine einzigartige Natur, die man hier vorfindet." Mit speziellen kulinarischen Spezialitäten. "Schaf schmeckt nicht schlecht, sehr intensiv", erzählt der 32-Jährige, hält es aber eher mit dem fangfrischen Fisch.

Einzig das Färöisch geht ihm noch nicht wirklich leicht über die Lippen. "Die Einheimischen sagen, dass die Sprache viel vom Deutschen abhängt", so Schindler. "Ich weiß nicht, wo die das hernehmen." Mit Englisch käme er ganz gut durch.

"Im Bernabéu wird man uns glaube ich nicht sehen"

Der Gang zurück auf den Kontinent ist zurzeit kein Thema. "Natürlich hält man immer Ohren offen und führt Gespräche", sagt Schindler. Allerdings darf er mit Torshavn als färöischer Meister auf der ganz große Bühne seine Visitenkarte abgeben. "Wir haben die Spieler so rangebracht, dass wir uns gute Chancen ausrechnen, in der Champions-League-Qualifikation mehr als eine Runde weiterzukommen." Das wäre bereits ein Riesenerfolg für ein Team mit fast ausschließlich Teilzeitprofis. "Im Bernabéu wird man uns glaube ich nicht sehen", sagt Schindler und lacht. Das Stadion von Real Madrid ist noch ganz weit weg auf den Färöer - ebenso wie zurzeit Corona.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 04.03.2021 | 06:00 Uhr

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