Stand: 14.08.2019 22:05 Uhr

Kalte Pyros: Feuer frei? Von wegen!

Die Erfindung eines dänischen Fußballfans und Pyrotechnikers hatte der festgefahrenen Debatte um Pyrotechnik in deutschen Fußballstadien neuen Schwung gegeben. Denn die sogenannte "kalte Pyrotechnik" sollte deutlich ungefährlicher sein, als die bislang illegal eingesetzten Seenotfackeln. Auch einige Bundesligaclubs zeigten sich interessiert an den mit dem CE-Zeichen zertifizierten Fackeln. Doch jetzt das Aus: Denn "kalte Pyrotechnik" ist zu heiß und der politische Wille - zumindest in Berlin - fehlt, um in der Auseinandersetzung zwischen Fans, Verbänden und Clubs eine Lösung in der Feuerwerksfrage zu finden.

Eine Fackel sollte alles ändern, "nur" 200 Grad heiß - statt wie sonst 2.500 in den Fankurven. Das war ein Versprechen, das die sogenannte "kalte Pyrotechnik" zu einem möglichen Kompromiss in der Endlos-Debatte zwischen Fans, Verbänden und Clubs machen sollte. Bundesligist Werder Bremen ließ die Fackeln testen, allerdings zog Vereins-Präsident Hubertus Hess-Grunewald anschließend ein ernüchterndes Fazit: "Wir haben eben jetzt die Erfahrung machen müssen, dass die 'kalte Pyrotechnik' in der gegenwärtigen Situation nicht in den Stadien eingesetzt werden kann, weil sie in der Tat zu gefährlich ist", sagte er dem NDR.

"Kalte Pyros" gefährlicher, als angenommen

Die Fackel sei tatsächlich bis zu 500 Grad heiß, nicht mit Wasser zu löschen und Kleidung oder Haare hätten sich im Test schnell entzündet. Zudem sei der Rauch der Fackel giftig. Doch Hess-Grunewald ist sich sicher, "dass das Potenzial, was in dieser ganzen Frage liegt um eine Lösung zu finden, noch nicht ausgeschöpft ist. Es gibt sogenannte E-Pyro, es gibt auch andere Fackeln, die sich sofort löschen, wenn man sie aus der Hand fallen lässt. Es gibt jetzt auch technische Ansätze."

Fanbeauftragter kritisiert Bundesregierung

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verweist auf die gültige Rechtslage, und vor Kurzem machte die Bundesregierung deutlich, dass sie nicht nur die "kalte Pyrotechnik" als Kompromiss ablehne, sondern ganz prinzipiell nicht an Entwicklungen wie Modellprojekten im Ausland interessiert sei. Sven Langner vom Fanprojekt auf St. Pauli, der die neue Technik ebenfalls ausprobiert hat, kann diesen Schritt nicht nachvollziehen: "Ich finde das sehr bedauerlich, dass seitens der Bundesregierung da keine Bereitschaft signalisiert wird, dass man sich da nicht wenigstens auf die Suche nach Alternativen oder Lösungsmöglichkeiten begeben will. Und ich finde, dass das ein sehr, sehr schlechtes Signal ist an die Fanszenen, die in der Vergangenheit gesprächsbereit waren."

Langner: Suche nach Kompromiss muss weitergehen

Auch für Langner darf die Suche nach einem Kompromiss nicht vorbei sein. Denn die gegenwärtige Politik der Kontrollen und hohen Strafen sei gescheitert.

"Es ist ja auch unbestreitbar, dass von Pyrotechnik eine Gefahr ausgeht. Aber die Gefahr, dass Verletzungen durch Pyrotechnik entstehen, ist im Moment sehr dadurch verstärkt, dass das Ganze stark illegalisiert ist, und im Verborgenen stattfinden muss, unter Fahnen und Vermummung."

Erfinder Cordsen möchte nicht nachbessern

Tommy Cordsen, der Mann hinter den getesteten Pyros, ist indes skeptisch, ob er seine Erfindung noch verbessern kann. "Das ist das Produkt, was ich anbieten kann“, sagte der Däne dem "Weser-Kurier". Und weiter: "Es ist Feuer, und Feuer kann gefährlich sein, wenn man damit nicht richtig umgeht."

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Sport aktuell | 14.08.2019 | 15:25 Uhr