Stand: 30.10.2017 16:03 Uhr

Kiels Coach Anfang: Der Spieler-Flüsterer

Coach Markus Anfang (l.) führte Kiel zurück in Liga zwei und darf nun vom Bundesliga-Aufstieg träumen.

Zweitliga-Aufsteiger Holstein Kiel steht nach zwölf Spieltagen sensationell auf dem zweiten Tabellenplatz. Architekt des Erfolges ist Trainer Markus Anfang, der vor seinem Engagement an der Förde im Herrenbereich lediglich Erfahrungen bei einem Dorfverein gesammelt hatte.

Der Mann durfte getrost als "Wandervogel" bezeichnet werden. Zehn Mal wechselte Markus Anfang in seiner Zeit als Profi-Fußballer den Verein. Mal gewollt, mal, weil er nicht mehr gewollt war. Sein Weg führte ihn von Fortuna Düsseldorf aus unter anderem nach Tirol, Kaiserslautern, Cottbus und Trier. Viele Stationen, viele Trainer. "Von jedem konnte ich ein bisschen etwas mitnehmen", erzählte der 43-Jährige im Sportclub des NDR Fernsehens. So richtig geprägt für seine Karriere als Coach habe ihn aber keiner seiner unzähligen Übungsleiter, gab der frühere Mittelfeldmann zu verstehen. "Ich habe hauptsächlich davon gelernt, wie ich es selbst als Spieler empfunden habe. Da habe ich mir halt gesagt: 'Wie willst du eigentlich behandelt werden als Spieler?' Und das habe ich mitgenommen und hoffe, dass ich den Jungs da ein wenig unter die Arme greifen kann", erklärte der Vater zweier Töchter.

"Wahnsinnskerl" beginnt Trainerlaufbahn bei Sechstligisten

Anfang, der "Spieler-Flüsterer"? Offenbar ja. "Er ist einer meiner besten Trainer und einer der Gründe, warum mich der Trainerjob so fasziniert. Ein Wahnsinnskerl", erklärte Oliver Seibert der "Neuss Grevenbroicher Zeitung". Der 33-Jährige hat als Torwart beim SC Kapellen-Erft unter Anfang gearbeitet und ist nun selbst Coach des Landesligisten, bei dem die Trainer-Laufbahn Anfangs 2010 begann. Den Dorfverein führte der heutige KSV-Übungsleiter zum Aufstieg und an die Spitze der Oberliga, bevor er zu Bayer Leverkusen in die Jugendabteilung wechselte. Beim Werksclub wurde der 43-Jährige mit den B-Junioren deutscher Meister und im vergangenen Jahr dann im wahrsten Sinne des Wortes weggelobt. "Bayer-Manager Jonas Boldt hat einen Anruf von Holstein bekommen und zu mir gesagt: 'Markus, du hast die Qualität, das dort als Trainer zu machen'. Ich habe mich mit den Holstein-Verantwortlichen unterhalten. Danach dachte ich: Probiere es einfach mal", erklärte Anfang dem Portal "Der Westen". Der Rest ist bis dato eine riesige Erfolgsgeschichte.

Erfolgscoach bewahrt trotz Höhenflugs Bodenhaftung

Groß Aufhebens machen will der Mann, der Kiel zunächst in die Zweite Liga und nun auf Rang zwei des Bundesliga-Unterhauses führte, um seine Person nicht. Auffällig oft sagt er im Gespräch mit Sportclub-Moderator Martin Roschitz das Wort "wir", wenn es um die Gründe für den Höhenflug der "Störche" geht. Anfang ist ein angenehm uneitler Vertreter seiner Zunft. Stets unprätentiös, freundlich und sachlich, aber eben auch mit der Fähigkeit zu begeistern und Inhalte zu vermitteln. "Der Trainer hat einen ganz klaren Plan, wie er spielen möchte gegen verschiedene Systeme. Er bereitet uns dann immer auf jeden Gegner perfekt vor, sodass wir genau wissen, in welchen Räumen wir uns bewegen müssen", lobte Offensivmann Dominick Drexler seinen Coach.

"Haben viele Spieler, die das gleiche Schicksal teilen"

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Dominik Drexler (r.) ist unter Coach Anfang in Kiel aufgeblüht.

Der 27-Jährige ist einer von mehreren Kieler Kickern, die unter Anfang aufgeblüht sind und nun ihr Potenzial vielleicht zum ersten Mal in ihrer Laufbahn ganz abrufen können. Drexler beispielsweise hatte im Trikot der SpVgg Greuther Fürth (2013 bis 2014) vergeblich auf seinen Durchbruch in Liga zwei gewartet. Er wechselte zu Drittligist Aalen und dann im vergangenen Jahr an die Förde. Auch Steven Lewerenz, Marvin Duksch oder Alexander Mühling haben unter dem Nachfolger von Karsten Neitzel einen großen Leistungssprung gemacht. Hinzu kommen junge Spieler wie Kingsley Schindler oder Amara Condé, denen bei ihren Ex-Clubs nur bedingt Vertrauen geschenkt wurde. Bei der KSV spüren sie nun die Rückendeckung ihres Trainers. "Wir haben viele Spieler, die das gleiche Schicksal teilen. Einige richtig talentierte, die vielleicht noch nicht direkt den Durchbruch geschafft haben. Und einige, die vielleicht nicht das aus ihrer Karriere gemacht haben, was sie vielleicht hätten machen können. Dieses Schicksal verbindet sie vielleicht. Und sie nutzen gerade die Situation", sagte Anfang.

"Schicksalsgemeinschaft" reif für den großen Sprung?

Dass diese "Schicksalsgemeinschaft" eine klare fußballerische Handschrift trägt, durch taktische Flexibilität überzeugt und stets geschlossen auftritt, ist fraglos sein Verdienst. Seine "Jungs", wie Anfang das kickende Personal liebevoll nennt, setzen die Vorgaben nahezu perfekt um. 26 Zähler aus zwölf Partien sind für einen Aufsteiger, der vor Saisonbeginn eher im Tabellenkeller erwartet wurde, eine herausragende Ausbeute. Zum Träumen verleiten sie den Coach, der bis dato so eine traumhafte Trainerlaufbahn hingelegt hat, aber noch lange nicht. "Wir machen uns nur Gedanken darüber, wie wir gute Spiele machen, nicht über die Erste Liga", sagte der 43-Jährige. Dass aber so mancher Bundesliga-Manager den Namen Markus Anfang für den Fall der Fälle schon in seinem Notizblock hat, dürfte sicher sein. Und so müssen die Kieler bei anhaltendem Erfolg wohl irgendwann den Abgang ihres noch bis 2019 an den Verein gebundenen Trainers befürchten. Ein Aufstieg wäre gewiss das beste Argument, ihn von einem langfristigen Verbleib an der Förde zu überzeugen...

Dieses Thema im Programm:

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