Stand: 06.10.2019 10:27 Uhr

Jeffrey Bruma - das Wolfsburger Stehaufmännchen

Jeffrey Bruma vom VfL Wolfsburg © picture alliance/dpa
Hart im Nehmen: Wolfsburgs Innenverteidiger Jeffrey Bruma hielt gegen Saint-Etienne trotz Kopfverletzung durch.

Jeffrey Bruma stand beim VfL Wolfsburg lange auf dem Abstellgleis. Doch der Verteidiger ließ sich im Training nicht hängen und blieb stets loyal. Seine Geduld und sein tadelloses Verhalten zahlen sich nun für den 27-Jährigen aus.

Es lief am Donnerstagabend die 39. Minute des Europa-League-Duells zwischen der AS Saint-Etienne und dem VfL Wolfsburg (1:1), als Robert Beric mit unlauteren Mitteln versuchte, sich der Bewachung durch Jeffrey Bruma zu entziehen. Der bis dahin wirkungslose Angreifer der Franzosen verpasste seinem Gegenspieler einen Ellenbogenschlag, der eigentlich zwingend mit einem Platzverweis hätte sanktioniert werden müssen. Doch der Slowene sah lediglich die Gelbe Karte, obgleich Bruma mit einer blutenden Platzwunde am Kopf auf dem Boden lag. Außer Gefecht setzen konnte Beric den "Wölfe"-Verteidiger durch seinen regelwidrigen Einsatz aber nicht. Der 27-Jährige spielte mit einem Verband weiter und stellte so einmal mehr seine Nehmerqualitäten unter Beweis.

VfL-Comeback nach eineinhalb Jahren

Dass der Begriff "Aufgeben" nicht zu seinem Wortschatz gehört, hatte Bruma bereits in den vergangenen Wochen eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Denn obgleich er nach seiner Rückkehr im Sommer vom FC Schalke 04, der ihn ausgeliehen hatte, in der Anfangsphase der Saison beim VfL nicht zum Einsatz gekommen war, arbeitete der beinharte Defensivmann im Training unverdrossen wie ein Besessener weiter. Den Lohn für sein Durchhaltevermögen und sein stets loyales Verhalten erhielt der 25-malige niederländische Nationalspieler am vergangenen Sonnabend, als ihn Trainer Oliver Glasner in der Auswärtspartie beim 1. FSV Mainz 05 (1:0) überraschend in die Startelf berief. Es war der erste Einsatz von Bruma für den Werksclub nach beinahe eineinhalb Jahren. "Es ist ein geiles Gefühl. Ich habe lange, lange nicht gespielt, jetzt bin ich wieder da", sagte der 27-Jährige anschließend dem Sportclub des NDR Fernsehens.

Mit einer tadellosen Leistung gegen die Rheinhessen hatte er sich für weitere Startelf-Berufungen empfohlen. Auch gegen Saint-Etienne machte er seine Sache nun richtig gut, sodass Bruma wohl auch heute im Duell mit Union Berlin (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) von Beginn an auflaufen darf.

Bei Labbadia aufs Abstellgleis geraten

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Für den früheren HSV-Profi (von 2011 bis 2013) wäre es der erste Einsatz im Wolfsburger Stadion seit dem 17. März 2017. Damals stand der 27-Jährige bei der 0:1-Niederlage gegen Schalke über 90 Minuten auf dem Feld. Sein Trainer hieß damals noch Bruno Labbadia, und die "Wölfe" steckten tief im Tabellenkeller fest. Der Klassenerhalt gelang den Niedersachsen schließlich über die Relegation. Bruma hatte hernach aber beim Autoclub nicht mehr viel zu lachen. In der Hinrunde der vergangenen Serie blieb er ohne Bundesliga-Einsatz für den Meister von 2009. Im Winter ließ sich der Niederländer dann zu den "Knappen" ausleihen, für die er auch neun Partien bestritt. Die Kaufoption zogen die Gelsenkirchener jedoch nicht.

Also ging es für ihn zurück zum VfL, der ihn aber trotz Vertrags bis 2021 gerne abgegeben hätte. Es fand sich aber kein Abnehmer für den Mann, den Wolfsburg 2016 für kolportierte 11,5 Millionen Euro von der PSV Eindhoven transferiert hatte. Bruma schien eine Saison auf der Tribüne bevorzustehen. "Das ist ein sehr komisches und ein sehr hartes Gefühl, weil du weißt, dass du es kannst", gab der Verteidiger offen zu.

Pervan: "Er war immer ein Teamplayer"

Bruma ließ sich trotz seiner scheinbar aussichtslosen Situation im Training nicht hängen. "Als ich wieder hier war, wusste ich, wenn ich hier bleibe, muss ich mich zu 100 Prozent auf Wolfsburg fokussieren", erklärte der Defensivspezialist. Gesagt, getan. Und das machte mächtig Eindruck. "Er hat sich das absolut verdient, weil er immer ein Teamplayer war und sich immer hintenangestellt hat", lobte Keeper Pavao Pervan den Niederländer nach dessen Comeback gegen Mainz. Und Bruma selbst? Er blieb nach der Partie fast so cool wie zuvor auf dem Rasen. "Das geht einfach so im Sport. Das kann hart sein, aber es kann auch wie heute sehr geil sein", sagte der Verteidiger.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 06.10.2019 | 22:50 Uhr

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