Stand: 01.08.2020 12:09 Uhr

Hrubesch: HSV-Hoffnungsträger mit schwieriger Aufgabe

von Sebastian Ragoß, NDR.de

Ein fast 70-Jähriger ist der neue Hoffnungsträger für den HSV-Nachwuchs: Hört sich zunächst etwas seltsam an, entspricht im Falle von Horst Hrubesch aber der Realität. Die Rückkehr des ehemaligen Mittelstürmers zum Hamburger SV in der Rolle des Nachwuchschefs ist tatsächlich ein kleiner Coup.

Zurück aus dem Ruhestand

Schließlich plante Hrubesch nach seinem Rückzug als Interimstrainer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft, nun tatsächlich das Leben als Rentner zu genießen. Außerdem war sein Verhältnis zum Club, mit dem er als Aktiver drei Meisterschaften und den Europacup 1983 gewann, in den vergangenen Jahren - gelinde gesagt - merklich abgekühlt.

Hohes Ansehen bei jungen Spielern

Hrubesch ist fachlich und menschlich ein Gewinn für den finanziell angeschlagenen Zweitligisten. Die Spieler, die er als DFB-Nachwuchscoach trainierte, schwärmten fast alle von Hrubeschs Arbeit. Vor allem aber von dessen Charakter: seiner Redlichkeit, seinen klaren Leistungsvorgaben, seiner Integrität. Begriffe, die in jüngster Vergangenheit eher nicht mit dem HSV assoziiert wurden. Allerdings ist zu bedenken, dass Hrubesch als Nachwuchschef Neuland betritt. Beim DFB war er ausschließlich als Trainer aktiv und musste keine langfristigen Strategien entwickeln.

Denkt der HSV strategisch neu?

Wie viel Zeit und welche Kompetenzen bekommt Hrubesch? Und deckt sich die Tagespolitik des HSV mit dem vielfach propagierten "Neuanfang", den auch der ehemalige Nationalspieler repräsentieren soll? Die finanzielle Lage lässt eigentlich keinen anderen Weg zu, als junge Spieler zu holen, um sie zu entwickeln und bestenfalls gewinnbringend zu verkaufen. Bislang haben die Hamburger aber den 30-jährigen Klaus Gjasula geholt und sollen zumindest informell beim Berater des 32-jährigen Sandro Wagner angefragt haben: klingt nicht besonders innovativ.

Erfolgreicher Neuaufbau braucht Zeit

Dabei ist ein strategisches Umdenken bereits jetzt unumgänglich. Denn, und damit zurück zur ersten Frage: Eine erfolgreiche Jugendarbeit entsteht nicht in zwei oder drei Jahren. Will der HSV nicht im Zweitliga-Mittelmaß versinken, braucht er sofort eine erfolgreiche Neuausrichtung.

Der Traditionsclub hat seit der Ausgliederung der Profis 2014 auch im Nachwuchs Millionen verbrannt. Kein Spieler hat es für einen relevanten Zeitraum zum Stammspieler bei den Profis geschafft, nicht einmal in der Zweiten Liga.

Hrubesch: Harte Arbeit statt klugen Reden

Die Hamburger haben also auch in diesem Bereich gewaltig Boden auf die Konkurrenz verloren, die vielerorts strategisch besser, aber auch finanzkräftiger ist. Niemand sollte sich in dieser Hinsicht etwas vormachen: Schon beim Ringen um ein Talent in der Jugend ist ein üppiger Scheck ein größeres Argument als das lebenswerte Hamburg.

Hrubesch weiß das natürlich. Aber er geht seine Aufgabe mit seiner typischen Einstellung an: "Es geht im Fußball nicht um kluges Reden, es geht um harte Arbeit, um Fleiß, Geduld und Überzeugung. Nur damit kann man weiterkommen."

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 01.08.2020 | 19:30 Uhr

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