Interimscoach Horst Hrubesch vom Fußball-Zweitligisten Hamburger SV © Witters Foto: Tim Groothuis

Horst Hrubesch - die letzte Aufstiegs-Hoffnung des HSV

Stand: 05.05.2021 10:10 Uhr

Der HSV hat den Aufstieg nicht mehr in den eigenen Händen. Vielleicht auch, weil die Vereinsführung zu lange mit dem Trainerwechsel gewartet hat. Coach Daniel Thioune wurde entlassen und durch Vereins-Legende Horst Hrubesch ersetzt. NDR Vereinsreporter Michael Maske mit vier Gründen, warum ausgerechnet der 70-Jährige die Hamburger noch in die Bundesliga führen kann.

Grund 1: Klare Kante

Es geht jetzt für den HSV nicht mehr um taktische Spielchen, Dreier- oder Viererkette. Er benötigt dringend einen Stimmungswechsel, die Spieler brauchen klare Ansagen. "Die Köpfe frei machen" und "alles daran setzen, den Mist, den wir verbockt haben, wieder geradezurücken" - das waren die ersten Worte von Hrubesch nach seiner Amtsübernahme. Sportvorstand Jonas Boldt erhofft sich im Schlussspurt der Zweitliga-Saison vor allem eins von seinem etatmäßigen Nachwuchskoordinator: "Klar und locker die Richtung vorgeben. Nicht viel nachdenken, sondern einfach machen."

Schnörkellos und konsequent, dadurch hat sich das ehemalige "Kopfballungeheuer" schon früher auf dem Spielfeld ausgezeichnet. Hrubesch wird nun schnell sortieren und entscheiden, auf wen er in den letzten drei, bestenfalls fünf Partien setzen kann, um zu retten, was noch zu retten ist.

Weitere Informationen
Die Zweitliga-Meisterschale © Witters Foto: Valeria Witters

Das Restprogramm im Zweitliga-Aufstiegskampf mit Holstein Kiel

Wer schafft den Sprung in die Bundesliga? Das Restprogramm der Zweitliga-Spitzenteams auf einen Blick. mehr

Grund 2: Kumpeltyp und Menschenfänger

Über Hrubeschs menschliche Qualitäten gibt es keine zwei Meinungen. Durch seine verbindliche und bodenständige Art, immer geradeaus, hat der Menschenfänger und Kumpeltyp als Juniorentrainer seine Teams bei Europameisterschaften und Olympia zu Erfolgen geführt. Ins kalte Wasser geworfen bei der Frauen-Nationalmannschaft, führte er das Team aus der Krise. In seinem ersten HSV-Training war bereits klar zu erkennen, wie Hrubesch seine Aufgabe versteht. Fast jeden Spieler nahm er in den Arm. Ein Schulterklopfen hier und ein Gespräch da. Keine Zeit für eine große Kennenlernphase. Dafür ist er jetzt genau der richtige Mann am richtigen Ort.

Weitere Informationen
Horst Hrubesch köpft 1978 den Ball, links Kevin Keegan. © Imago Images

Horst Hrubesch: HSV-Idol, Europameister, Erfolgscoach

Das "Kopfball-Ungeheuer" prägte die erfolgreichste Zeit des HSV. Ein Rückblick auf seine außergewöhnliche Karriere in einer Multimedia-Doku. mehr

Grund 3: Mentalität

Ein Psychologe ist Hrubesch natürlich nicht. Aber als HSVer mit der Raute im Herzen kann er es schaffen, das zweifelsohne vorhandene Potenzial des Teams wieder herauszukitzeln. Mehrfach in dieser Saison haben die Spieler bewiesen, dass sie technisch und spielerisch in der Lage sind, den Gegner zu dominieren. Mitunter haben allerdings Einzelne zu wenig investiert und waren mental anfällig.

Hrubesch kann mit seiner positiven und direkten Ansprache der Mannschaft nach den zuletzt trostlosen Leistungen wieder Selbstvertrauen einflößen. Mit seiner Erfahrung und Lockerheit könnte er den Spaß und dann möglicherweise auch den Erfolg noch einmal zurückbringen. 

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Welcher Nordclub steigt in die Fußball-Bundesliga auf?

Grund 4: Nichts zu verlieren

Hrubesch muss niemandem mehr etwas beweisen. Er war Nationalspieler, Europameister und als HSV-Profi an den großen Erfolgen des Traditionsclubs maßgeblich beteiligt. Auch als Trainer beim DFB hat er sich einen Namen gemacht und viel Anerkennung in der Fußball-Landschaft erworben. Hrubesch ist allein deswegen eingesprungen, weil er keine andere Möglichkeit sah, seinem HSV in dieser misslichen Lage zu helfen. Auch wenn es wieder nicht mit dem Aufstieg klappen, die "Mission impossible" nicht gelingen sollte, bleibt sein Denkmal in Hamburg unbeschädigt.

Doch sollte die Club-Legende das scheinbar Unmögliche noch schaffen, sollten sie beim HSV neben dem Uwe-Seeler-Fuß einen Horst-Hrubesch-Kopf aufstellen. Zurück in die Bundesliga mit dem "Langen" - es wäre ein märchenhaftes Ende der Hamburger Zweitliga-Historie, die bis dato ein Horror-Roman ist...

Weitere Informationen
Coach Daniel Thioune vom Hamburger SV © Witters Foto: Tim Groothuis

Kommentar zum Thioune-Aus: Zu viel "All in", zu wenig Konzept

Der HSV hat Daniel Thioune beurlaubt. Der Trainer scheiterte an der Mentalität der Mannschaft. Und auch an sich selbst. mehr

Horst Hrubesch (l.) spricht auf dem Trainingsplatz mit Daniel Thioune. © IMAGO / Philipp Szyza

HSV trennt sich von Trainer Thioune - Hrubesch übernimmt

Nach fünf sieglosen Spielen in Folge soll die Clublegende das Ruder bei den Hanseaten herumreißen und den Aufstieg in die Bundesliga schaffen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 05.05.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

Amine Harit (l.) vom FC Schalke 04 im Duell mit Jeremy Dudziak vom Hamburger SV © Witters Foto: Valeria Witters

Zweite Liga: Zwei Nordduelle zum Auftakt, HSV auf Schalke

Die Hamburger bestreiten das Auftaktspiel beim Absteiger. Werder trifft auf 96, St. Pauli empfängt Kiel und Hansa duelliert sich mit Karlsruhe. mehr

Fußball im Netz © Mikael Damkier

NDR Fußball-Tippspiel wird eingestellt

Das NDR Tippspiel wird nach der Saison 2020/2021 nicht fortgesetzt. Vielen Dank fürs Mittippen und die jahrelange Treue! mehr