Stand: 07.09.2019 22:12 Uhr

Holtby und Meier: Fan-Lieblinge im Wartestand

von Christian Görtzen

Der eine spielte für den Hamburger SV, der andere für den FC St. Pauli. Bei Lewis Holtby und Alexander Meier gibt es aber abgesehen davon so einige Gemeinsamkeiten: Beide waren als Hoffnungsträger ins Kalenderjahr 2019 gegangen, beide wurden dieser Rolle nicht gerecht, für beide war nach dem Ende der vergangenen Saison nach dem verpassten Bundesliga-Aufstieg Schluss bei ihren Clubs. Seitdem sind Holtby und Meier als Profis unter folgendem Status vermerkt: arbeitssuchend. Ein Dasein im Wartestand.

Lewis Holtby (l.) in Diensten des HSV gegen Alexander Meier (als Spieler von Eintracht Frankfurt).

Ihr Name fehlte. Als die Sommer-Transferperiode im Profi-Fußball am vergangenen Montag um 18 Uhr zu Ende ging, hatten doch so einige Clubs noch kurz vor Ultimo Spieler verpflichtet, von denen sie sich eine Verstärkung für ihr Team erhoffen. Leonardo Bittencourt etwa zog es von der TSG 1899 Hoffenheim zum Bundesligisten Werder Bremen. Von Lewis Holtby, dem früheren Fan-Liebling und Großverdiener beim Zweitligisten Hamburger SV, und Alexander Meier, dem beim Lokalrivalen FC St. Pauli gar als "Fußball-Gott" gepriesenen gebürtigen Buchholzer, war bei Vollzugsmeldungen nicht die Rede. In der Wechselbörse findet sich hinter ihren Namen in Bezug auf ihr Ziel weiterhin folgender Eintrag: "unbekannt".

Diekmeier als Vorbild

Allerdings ist durch das Ende der Transferperiode auch keine definitive Entscheidung für den Zeitraum bis zur Winterpause getroffen worden.

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So unschön für die Routiniers der Zustand der Arbeitslosigkeit auch ist, einen Vorteil hat er in jedem Fall: Interessierte Vereine können vertragslose Spieler wie Holtby und Meier auch während der Hinrunde verpflichten. Dass selbst länger arbeitssuchende Profis noch einmal durchstarten können, hat ein ehemaliger HSV-Teamkollege von Holtby bewiesen: Dennis Diekmeier. Nachdem sich der Verteidiger nach dem Auslaufen seines Vertrages zum 30. Juni 2018 ein halbes Jahr mit einem Personal-Trainer fitgehalten hatte, schloss sich der 29-Jährige im Januar dieses Jahres dem Zweitligisten SV Sandhausen an. Diekmeier hat es bei dem baden-württembergischen Club, dem aktuellen Tabellendritten der Zweiten Liga, immerhin zum Kapitän gebracht.

Holtby Trainingsgast unter Titz bei RWE

Der ein Jahr jüngere Holtby begab sich Ende Juli in die Obhut eines Fußballlehrers, zu dem er eine ganz besondere Beziehung hat: Christian Titz. Der frühere HSV-Trainer und jetzige Chefcoach von Regionalligist Rot-Weiss Essen bot seinem Ziehsohn die Gelegenheit, sich beim Club von der Hafenstraße fitzuhalten. Drei Wochen lang trainierte der frühere Premier-League-Profi, der im Spätsommer 2014 für 6,5 Millionen Euro von Tottenham Hotspur zum HSV gewechselt war, als Gastspieler bei RWE mit.

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"Ich danke Rot-Weiss Essen für die Möglichkeit, hier auf sehr professionellem Niveau trainieren zu können. Da ich den Chef-Trainer kenne und bereits mit ihm zusammengearbeitet habe, sehe ich diese Zeit als sehr wertvoll an und weiß, dass ich davon profitieren werde", sagte Holtby, dessen Image im Frühjahr gelitten hatte. Nach seiner Weigerung, als Ersatzspieler zur Partie bei Union Berlin anzureisen, suspendierte ihn der damalige HSV-Trainer Hannes Wolf. Am Saisonende blieb eine Verabschiedung durch den Verein aus.

Namhafte Interessenten

Nur: Der Abschied aus Essen liegt auch schon wieder einen Monat zurück. Mit Fenerbahce Istanbul, Chicago Fire, PAOK Saloniki und Galatasaray Istanbul, also durchaus namhaften Clubs, wurde Holtby in den vergangenen Wochen und Monaten in Verbindung gebracht. Mehr ist daraus aber noch nicht entstanden. Zwei Gewissheiten dürfte es aber geben. Erstens: Hält sich Holtby nicht auf professioneller Basis fit, wird ihn kaum ein Verein verpflichten. Zweitens: Sollte er einen neuen Arbeitgeber finden, wird er beim Gehalt - er verdiente beim HSV über Jahre hinweg recht üppig -, erhebliche Abstriche machen müssen.

Meier bei St. Pauli nur zu Beginn stark

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Frust bei Alexander Meier nach dem 0:3 in Heidenheim.

Merklich entspannter sieht die Lage bei St. Paulis Ex-Profi Meier aus. Im Alter von 36 Jahren geht es für den langjährigen Bundesligaprofi von Eintracht Frankfurt (14 Spielzeiten) allenfalls noch darum, einen guten Vertrag abzuschließen. Die Hoffnung, die Karriere beim Millerntor-Club ausklingen lassen zu können, zerplatzte im Frühjahr. Nach starkem Beginn bei den Braun-Weißen blieb der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig hinter den Erwartungen zurück. Fünf seiner insgesamt sechs Zweitliga-Treffer erzielte er bei seinen ersten sechs Einsätzen.

Probetraining bei Philadelphia Union

Es deutete lange Zeit einiges darauf hin, dass es ihn zum Abschluss der Karriere noch in die amerikanische Profiliga MLS ziehen würde. Bei Philadelphia Union, wo sein früherer Eintracht-Teamkollege Oka Nikolov Assistenzcoach ist, trainierte er zehn Tage zur Probe mit. "Für mich war das Urlaub mit gutem Fußballtraining", sagte Meier der "Frankfurter Rundschau".

"Ich bin total entspannt"

Inzwischen ist Meier wieder in Hamburg. Ob er noch einmal in die USA fliegt, wisse er noch nicht, sagte er. Meier verfolgt nach eigener Aussage einen - vom ehemaligen Eintracht-Konditionscoach Klaus Luisser ausgearbeiteten - Fitnessplan. Zwei- bis dreimal pro Woche trainiert er beim Oberligisten TSV Buchholz 08 mit. Geht es noch einmal zurück in den Profifußball? "Wenn noch etwas kommt, ist es schön, wenn nicht, ist es auch okay", sagte er. "Ich bin total entspannt. Aber Lust auf Kicken habe ich auf jeden Fall noch." Im Wartestand, das weiß er wie auch Holtby, ist eben Geduld gefragt.

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Sportreport | 08.09.2019 | 18:05 Uhr

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