Die Kieler Fußballer Joshua Mees (l.) und Hauke Wahl geben sich die Hand. © picture alliance / augenklick Foto: Jürgen Fromme

Holstein Kiel: Mit mentaler Lockerheit ins Pokalfinale?

Stand: 01.05.2021 12:12 Uhr

Fußball-Zweitligist Holstein Kiel reist selbstbewusst zum Pokal-Halbfinale nach Dortmund. Der Vorteil der "Störche" liegt im mentalen Bereich. Der BVB steht sportlich unter Druck, Kiel vor der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte.

von Johannes Freytag

An das letzte Aufeinandertreffen der Schleswig-Holsteiner mit dem Bundesligisten kann sich KSV-Trainer Ole Werner nicht erinnern. Als die "Störche" am 7. Februar 2012 im DFB-Pokal mit 0:4 verloren, war er gerade auf Weltreise. "Ich habe das Spiel auch nicht live im Fernsehen verfolgt. Erst im Nachgang habe ich die eine oder andere Szene gesehen - insofern ist das nicht ganz an mir vorbei gegangen", sagte der 32-Jährige dem NDR. Heute Abend (20.30 Uhr, live im Ersten und bei NDR.de) ist Werner nun in entscheidender Funktion vor Ort und wird ein Spiel unter ganz anderen Voraussetzungen als damals erleben.

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BVB mit Respekt vor "eindrucksvollen" Kielern

Denn die Kieler haben in den neun Jahren gewaltig aufgeholt. Aus dem Regionalligisten ist ein ambitionierter Zweit- und möglicherweise bald Erstligist geworden. Gleichzeitig ist vom Hochgeschwindigkeitsfußball, mit dem der damalige BVB-Trainer Jürgen Klopp die Dortmunder zum Double-Gewinn führte, wenig übrig geblieben. Die Westfalen stehen derzeit unter Druck. Die sportlich wie wirtschaftlich dringend nötige Qualifikation zur Champions League steht trotz einer Aufholjagd auf der Kippe. Entsprechend groß ist beim Dortmunder Trainer Edin Terzic der Respekt vor den "eindrucksvollen" Kielern - vor allem, weil die Norddeutschen den FC Bayern aus dem Wettbewerb geworfen haben: "Das schaffen nicht allzu viele Mannschaften."

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Kiels Kapitän Wahl: "Sind der Underdog, aber..."

Wer die Bayern schlägt, ist automatisch Favorit? "Nein, wir müssen ehrlich sein. Wenn man die beiden Teams miteinander vergleicht, sind wir schon der Underdog", erklärte KSV-Verteidiger Hauke Wahl dem NDR. "Dortmund ist eine starke Mannschaft und wir müssen schon vieles richtig machen, um sie vor Probleme zu stellen." Dennoch ist der 27-Jährige weit davon entfernt, vorab die Segel zu streichen: "Wir haben auch unsere Stärken."

"Wir müssen ins Fußballspielen kommen, Spaß an unserem Spiel entwickeln - so, wie wir es gegen die Bayern gemacht haben. Dann ist immer was möglich." KSV-Kapitän Hauke Wahl

Trainer Werner hat sogar Schwächen beim Gegner ausgemacht, wenngleich er angesichts der Dortmunder Qualität nur von "Details" sprechen will: "Da ist uns durchaus das eine oder andere aufgefallen, wo es sich lohnt, den Finger in die Wunde zu legen." Das habe in der zweiten Runde gegen die Bayern geklappt, "wo wir sehr sehr viel von dem, was wir uns vorgenommen hatten, umgesetzt haben". Natürlich könne man das Spiel "nicht eins zu eins nachspielen", aber auch gegen Dortmund brauche seine Mannschaft wieder "die richtige Überzeugung und eine Top-Umsetzung", könne es aber auch "mit einer gewissen Lockerheit" angehen.

Die Kieler Fußballer Fin Bartels, Jae-sung Lee und Janni Serra (v.l.) bejubeln ein Tor. © IMAGO / Revierfoto
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KSV-Coach Werner: "Volle Pulle geben, nicht taktieren"

Schon jetzt überwiege der "Stolz", sagte Werner: "Noch in ein paar Jahren werden wir mit einer gewissen Zufriedenheit auf diese Saison zurückblicken - unabhängig vom Ausgang der Partie am Sonnabend." Die zweimalige Corona-Quarantäne habe sein Team "mental sehr gut weggesteckt" und stehe im Pokal und in der Liga besser da, "als die meisten es uns zugetraut haben". Priorisieren will Werner nicht: "Wir werden in beiden Wettbewerben volle Pulle geben und nicht taktieren. Weder haben wir vor dem Dortmund-Spiel jemanden geschont noch tun wir das hinsichtlich der Partie kommende Woche gegen Sandhausen."

Pokalfinale oder Bundesliga-Aufstieg? Kiels Geschäftsführer Wolfgang Schwenke will am liebsten beides, fügte im NDR Interview aber doch hinzu, dass er sich im Zweifel für den Aufstieg entscheiden würde: "Das wäre etwas Historisches, das nicht nur für den Moment anhält, sondern für ein ganzes Jahr." Und es würde bedeuten, dass es mindestens vier Highlight-Partien gegen die Bayern oder gegen den BVB gibt.

Mögliche Aufstellungen:

Dortmund: Hitz - Piszczek, Akanji, Hummels, Guerreiro - Delaney - Bellingham, Reus - Reyna, Sancho - Haaland
Kiel: Dähne - Dehm, Wahl, Lorenz, van den Bergh - Meffert - Hauptmann, Lee - Bartels, Serra, Reese

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Die Kieler Fußballer Fin Bartels, Jae-sung Lee und Janni Serra (v.l.) bejubeln ein Tor. © IMAGO / Revierfoto

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