Stand: 18.02.2020 10:50 Uhr

Das erstaunliche Comeback des Alexander Nouri

von Christian Görtzen, NDR.de
Alexander Nouri darf sich bei Hertha BSC in den kommenden Wochen beweisen.

Von der Schnelllebigkeit des Profigeschäfts wird gerne gesprochen, auch davon, dass der Fußball manchmal schon reichlich verrückt sei. Trainer Alexander Nouri wird beides sicherlich bestätigen können. Er kann ja einen Beitrag dazu leisten - mit sich in der Hauptrolle. Gut sah für den gebürtigen Buxtehuder die Perspektive Ende November 2018 nicht aus, als ihn der damalige Zweitligist FC Ingolstadt 04 nach acht Pflichtspielen ohne Sieg beurlaubte. Nach seinem Cheftrainerposten beim Bundesligisten Werder Bremen (September 2016 bis 30. Oktober 2017) und dem 64-Tage-Engagement in Ingolstadt deutete einiges darauf hin, dass er bald als Übungsleiter von Clubs wie dem SC Verl, Würzburger Kickers oder Wormatia Worms vorgestellt werden würde.

Heute, etwas mehr als zwei Jahre später, sieht die Lage ganz anders aus: Nouri ist wieder Chefcoach in der höchsten deutschen Spielklasse, bei Hertha BSC, dem selbst ernannten "Big City Club". Der Sohn einer Deutschen und eines Iraners, der einst beim TSV Buxtehude Altkloster mit dem Fußballspielen begann, ist sicherlich der größte Gewinner eines heillosen Chaos beim großdenkenden Hauptstadtclub.

Nouri: "Verantwortung gegenüber dem Verein"

Das Tohuwabohu, und damit Nouris Karrieresprung, begann am Morgen des 11. Februar mit einem Posting bei Facebook.

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Nachdem Jürgen Klinsmann auf den Button "jetzt teilen" geklickt und seinen Rücktritt als Cheftrainer von Hertha BSC bekannt gegeben hatte, war bei der "Alten Dame" Hertha nichts mehr wie zuvor. Inmitten der Aufregung um Klinsmann ging es ein wenig unter, dass Nouri vom Assistenten zum neuen (vorläufigen) Chefcoach der Berliner ernannt wurde. Der 40-Jährige betonte umgehend, dass ein eigener Rücktritt für ihn wie auch für den weiteren Assistenzcoach Markus Feldhoff keine Option gewesen sei. "Für uns war klar, dass wir unsere Vertragspflichten erfüllen wollen. Wir haben eine Verantwortung gegenüber dem Verein", sagte Nouri.

Langfristige Perspektive nicht ausgeschlossen

Von der Vereinsführung gab es für so viel Loyalität im Gegenzug Rückendeckung, Vertrauen und das mündliche Versprechen, dass sich Nouri als Chef beweisen könne. Manager Michael Preetz sprach Nouri "die volle Unterstützung" aus. Auf die Frage, ob Nouri auch über den Sommer hinaus Chefcoach bleiben könnte, antwortete Preetz, der parallel auch um den Ex-Herthaner Niko Kovac wirbt: "Es ist gar nichts ausgeschlossen, wir sprechen über Fußball." Bei Werder hatte sich Nouri ja auch einst vom Interims- zum Cheftrainer hochgearbeitet.

Nouri beendet persönliche Negativserie

Nach dem ersten Spiel als Chefcoach eines Bundesligateams seit Ende November 2018 sind seine Chancen auf eine langfristige Beschäftigung in hauptverantwortlicher Position gestiegen. Der gebürtige Niedersachse feierte mit Hertha BSC ein 2:1 beim Tabellenletzten SC Paderborn. Durch den Erfolg vergrößerten die Berliner zum einen mit jetzt 26 Punkten den Vorsprung auf den Relegationsrang auf neun Zähler, zum anderen tilgte Nouri endlich einen Makel: Er war zuvor als Cheftrainer 21 Ligaspiele in Folge ohne Sieg geblieben.

Ex-Club Werder Bremen am 7. März zu Gast

Nouri betonte nach dem Erfolg in Paderborn lieber das große Ganze als seine Situation. "Ich habe mich einfach riesig gefreut für die Mannschaft, dass sie sich belohnt hat", sagte er. In den kommenden Wochen warten auf die Berliner weitere richtungsweisende Spiele gegen direkte Konkurrenten. Eine Partie wird dabei mit Sicherheit von besonderer Emotionalität für ihn sein. Am 7. März trifft Hertha BSC im Olympiastadion auf seinen Ex-Club Werder Bremen, es geht im Duell der beiden Clubs um Punkte für den Klassenerhalt. Spätestens nach der Begegnung dürfte abzusehen sein, ob Nouris Dasein als Hertha-Chefcoach von Dauer sein kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 11.02.2020 | 23:03 Uhr

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