Stand: 18.08.2019 12:07 Uhr

Hansa nach erneuter Pleite schon im Krisenmodus

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Frust bei den Hansa-Profis Adam Straith, Kai Bülow und Elsamed Ramaj (v.l.).

Mit einem gellenden Pfeifkonzert wurden die Fußballer des FC Hansa Rostock nach ihrer Drittliga-Partie am Sonnabend gegen die SG Sonnenhof Großaspach von ihren Fans in die Umkleidekabine verabschiedet. Die Geduld vieler Anhänger mit ihrem Herzensverein scheint bereits nach dem fünften Spieltag aufgebraucht. Dabei war es nicht nur die 0:1-Pleite gegen den "Dorfklub" - gleichbedeutend mit der dritten Saisonniederlage -, die vielen Fans übel aufstieß. Vielmehr erzürnte sie das Zustandekommen. Denn nach zumindest noch ordentlicher Leistung im ersten Abschnitt, wurden die Zuschauer im Ostseestadion nach der Halbzeit Zeugen einer fußballerischen Bankrotterklärung der Mecklenburger. Wie es zu diesem rapiden Leistungsabfall kommen konnte, es war ein großes Rätsel - auch für die Hansa-Profis selbst.

"Wege im Fußball sind manchmal unergründlich"

"Ich weiß es selber nicht, warum wir es nicht geschafft haben, unseren Stiefel weiter durchzuspielen und uns weiter Torchancen herauszuspielen. Manchmal sind die Wege im Fußball unergründlich. Ich habe jetzt auch keine Ahnung, warum und weshalb wir in der zweiten Halbzeit dann so gespielt haben", sagte Mittelfeldakteur Nils Butzen im Gespräch mit NDR 1 Radio MV.

Aufsichtsrat gibt Grünes Licht für Transfers

Nun, so ganz unergründlich sind besagte Wege im Falle des FC Hansa auch nicht. Denn dass die Mannschaft nach den Abgängen von Merveille Biankadi, Cebio Soukou und Marcel Hilßner sehr viel Offensiv-Qualität verloren hat, wurde bereits in den vorigen Begegnungen deutlich. Lediglich vier Treffer in fünf Spielen - davon drei in der Auftaktpartie gegen Viktoria Köln - sprechen eine deutliche Sprache. Sportvorstand Martin Pieckenhagen ist dementsprechend dabei, den Spielermarkt zu sondieren. Vom Aufsichtsrat hatte der 47-Jährige bereits vor dem Duell mit Großaspach grünes Licht erhalten, Geld für Verstärkungen in die Hand nehmen zu dürfen. Nach Informationen der "Ostsee-Zeitung" kann Pieckenhagen eine halbe Million Euro aus der Ablöse für Biankadi (Heidenheim überwies 750.000 Euro) für neues Personal investieren.

Härtel will "schnell die Kurve kriegen"

Dass es mit dem aktuellen Kader sehr schwer werden dürfte, den erträumten Aufstieg zu realisieren, müsste spätestens nach der Großaspach-Partie allen Rostocker Verantwortlichen bewusst sein. "In der zweiten Halbzeit haben wir ja fast alles vermissen lassen", stellte Coach Jens Härtel ernüchtert fest. Der 50-Jährige weiß, dass er selbst bei weiteren Negativerlebnissen schnell in die Kritik geraten wird - schließlich ist der Trainer bekanntlich stets das schwächste Glied in der Kette. Und so versuchte Härtel auch gar nicht erst, die bereits jetzt angespannte Situation beim früheren Bundesligisten schönzureden. "Wenn du so ein Spiel verlierst, guckst auf die Tabelle und hast nach fünf Spieltagen vier Punkte, dann ist das total unbefriedigend. Das weiß jeder. Und das ist dann in so einem Verein wie Hansa Rostock natürlich besonders bitter. Weil das dann natürlich Ausschläge hat. Ob das die Fans sind, die Leute, die unzufrieden sind, und natürlich die Medien. Da sollten wir schon schnell die Kurve kriegen, sonst wird es ungemütlich", sagte der Coach NDR 1 Radio MV.

Pepic wegen Sprachnachricht nicht im Kader

"Ungemütlich" war es vor dem Großaspach-Spiel auch für Mirnes Pepic geworden. Allerdings selbstverschuldet. Der Mittelfeldmann fehlte im Kader für die Partie, nachdem eine über den Instant-Messaging-Dienst "WhatsApp" verschickte Sprachnachricht öffentlich geworden war. Darin "analysierte" der 23-Jährige die 0:1-Niederlage seines Teams im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart. Unter anderem sagte Pepic: "Mit mir war ich sehr zufrieden. Aber meine Mannschaft war nicht so gut, finde ich - da bin ich ganz ehrlich." Nun, zur Wahrheit gehört auch, dass der fraglos talentierte, aber in seinen Leistungen sehr schwankende Pepic gegen die Schwaben trotz des aktuellen Rostocker Kreativ-Vakuums nicht zur Anfangsformation zählte. Grundlos dürfte Härtel einen seiner begabtesten Fußballer nicht auf die Bank gesetzt haben.

Freitag auswärts bei Spitzenreiter Ingolstadt

Nun gab es für Pepic wegen besagter Sprachnachricht gar einen Tribünenplatz. Weitere Sanktionen verhängte Hansa offenbar nicht, sodass der 23-Jährige am kommenden Freitag im Spiel bei Spitzenreiter FC Ingolstadt (19 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) wieder ins Aufgebot rücken könnte. Angreifer Pascal Breier würde es begrüßen. "Ich hoffe, dass die Sache nächste Woche wieder geklärt ist und dann wieder Ruhe einkehrt. Meiner Meinung nach ist das halb so wild. Wir brauchen den Jungen, der hat eine Riesenqualität für uns. Und dann muss man auch mal ein Stück weit über so etwas hinwegsehen", sagte der 27-Jährige.

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 18.08.2019 | 19:30 Uhr

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