Hansa Rostock: Aufstehen und lernen

Stand: 25.07.2021 12:07 Uhr

Der Auftakt verlief nicht wie erhofft. Beim 1:3 gegen den Karlsruher SC hat Zweitliga-Aufsteiger Hansa Rostock Lehrgeld gezahlt - und machte erstmals Bekanntschaft mit dem Videobeweis.

Nach neunjähriger Zweitliga-Abstinenz hatte Hansa gegen den KSC zu Beginn ein ordentliches Debüt gegeben. Der Neuling gewann mehr Zweikämpfe, spielte couragiert nach vorn und erarbeitete sich Chancen. Und dann erzielte Hansa-Stürmer John Verhoek sogar das 1:0. Dachten alle. Jubel durchflutete das Stadion, Bierbecher flogen über die Sitzreihen. Aber dann passierte etwas, was weder die Zuschauer im Stadion noch die Rostocker Mannschaft und ihr Trainer in den Jahren zuvor in der Dritten Liga erlebt hatten.

Härtel: "Nicht gegebenes Tor hat uns runtergezogen"

Der Videoassistent im fernen Kölner Keller meldete sich zu Wort und Schiedsrichter Christof Günsch aus Berlin entschied nach dessen Hinweis, dass Streli Mamba im strafbaren Abseits gestanden hatte. "Es ist wirklich schade, wenn du das erste Tor erzielst, jubelst und dann fünf Minuten warten musst, bis eine Entscheidung fällt", war Verhoek fassungslos.

Auch Trainer Jens Härtel äußerte Bedenken am Umgang mit dem Videobeweis. "Wir sind zum ersten Mal damit konfrontiert worden. Das nicht gegebene Tor hat uns ein Stück weit runtergezogen. Der Videobeweis macht das Spiel gerechter, passt aber nicht zum Charakter des Fußballs. Die Emotionen gehen verloren", kritisierte der 52-Jährige die Eigenheit des VAR.

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KSC-Doppelschlag als Knackpunkt

So blieb von der Anfangs-Euphorie am Ende nur Enttäuschung. "Ein bitteres Ergebnis. Bis zum Gegentor war es von uns ein sehr guter Auftritt. Wir gerieten mit der ersten Chance des Gegners in Rückstand und kassierten kurz darauf das 0:2. Danach wurde es für den Kopf schwer", beschrieb Abwehrmann Thomas Meißner im Doppelschlag des KSC kurz vor der Pause einen weiteren Knackpunkt der Partie: Binnen zwei Minuten traf erst Christoph Kobald nach einer Ecke aus Nahdistanz zur Führung, dann nutzte Philipp Hofmann einen Abwehrfehler der Rostocker eiskalt zum 2:0.

Hansa wird lernen, auch derartige Rüschläge schnell zu verdauen und nicht zu sehr an sich heranzulassen. Trotz des verwehrten Treffers und Rückstands zur Pause gab sich der Gastgeber in der zweiten Halbzeit nicht auf. Trainer Härtel lobte im NDR daher die Mentalität seiner Mannschaft: "Sie hat die Nackenschläge gut weggesteckt und bis zum Ende alles versucht. Die Leute können uns nicht den Vorwurf machen, nicht alles rausgehauen zu haben."

Härtel: "Wir haben Lehrgeld gezahlt"

Der Aufsteiger verkürzte nach einem Freistoß von Rhein durch Verhoek auf 1:2, ließ aber danach die letzte Durchschlagskraft vermissen. Karlsruhe war abgeklärter, lauerte auf Fehler des Gegners und nutzte eine Konterchance zum entscheidenden 3:1. "Wir haben aus vier Chancen ein Tor erzielt, der KSC machte aus vier Chancen drei Treffer. An dieser Effizienz müssen wir arbeiten", meinte Verhoek nach der Lehrvorführung an Effektivität.

Auch Härtel trauerte den verpassten Möglichkeiten hinterher und ärgerte sich über individuelle Fehler. "Wir haben Lehrgeld gezahlt. Ich hoffe, es kommt nicht mehr so viel dazu", sagte der Rostocker Trainer, der mit Hansa am kommenden Sonnabend bei Hannover 96 antritt. "Ich hoffe, dort machen wir es besser."

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