Hansa-Coach Härtel: Mit Hingabe zum Erfolg

Stand: 18.10.2021 08:45 Uhr

Seit 2019 ist Jens Härtel Trainer bei Hansa Rostock - und weiß, mit welchen Tugenden der Aufsteiger den Klassenerhalt in der zweiten Fußball-Bundesliga schaffen kann.

Das Heimspiel gegen den SV Sandhausen (1:1) am Sonntag verlangte Trainer Jens Härtel wieder einmal alles ab. Der Hansa-Coach trieb in bester Jürgen-Klopp-Manier sein Team mit weit rudernden Armen nach vorne und war schier fassungslos, als in der 81. Minute Latte und Pfosten den hoch verdienten Siegtreffer für die Gastgeber verhinderten. Zuvor war Härtel immer wieder zu sehen, wie er sich eifrig Notizen auf seinem Klemmbrett machte. Der Trainer lebte damit vor, was er von seinem Team erwartet: Mentalität und Hingabe. "Es ist mir wichtig, dass wir das auf dem Platz abbilden", sagte Härtel im NDR Sportclub.

Dass die Mannschaft "wirklich alles probiert und alles reingeschmissen" habe, sei aber auch "Pflicht" für den Aufsteiger: "Wenn man für so einen Verein wie Hansa Rostock spielt, vor 20.000 Zuschauern - dann erwarten die auch, dass man für den Verein alles gibt", fügte der 52-Jährige hinzu.

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Spielszene Hansa Rostock gegen Sandhausen mit Diekmeier und Rizzuto © Imago Images

1:1 - Hansa Rostock verpasst Sieg gegen den SV Sandhausen

Die Mecklenburger mussten im Kellerduell der Zweiten Liga einen kleinen Dämpfer hinnehmen. John Verhoek sicherte zumindest einen Punkt. mehr

Härtel: "Mentalität ist die Basis"

Die Mentalität sei die Basis, so Härtel - der aber auch weiß, dass dies alleine nicht reichen wird: "Du brauchst natürlich Leute wie John Verhoek, der gerade einen Lauf hat, oder Markus Kolke, der hinten die eine oder andere Situation für uns löst. Aber wir müssen sehen, dass wir das gerade vorne auf mehr Schultern verteilen. Da müssen wir an unserer Effektivität arbeiten."

"Wenn du die großen Dinge schaffst, dann sind viele andere Dinge auch vergessen. Dann fangen die Uhren wieder neu an zu ticken" Hansa-Coach Jens Härtel

Nur so habe der Club die Chance, die Klasse zu halten, denn: "Wir müssen auch mal die Kirche im Dorf lassen. Finanziell sind andere Vereine viel besser aufgestellt, deshalb müssen wir das über diese Schiene machen - und sind aber bislang ganz gut damit gefahren." In der Tat stehen die Mecklenburger in der Tabelle mit elf Zählern aus zehn Spielen ganz passabel da, der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt drei Punkte, auf einen direkten Abstiegsrang sind es sogar schon sechs.

Kraft durch Familie und christlichen Glauben

Mit Ruhe, Sachlichkeit, Bescheidenheit und Disziplin hat Härtel die Rostocker aus dem Tabellenkeller der Dritten Liga zum Aufstieg geführt. Und längst die Skeptiker überzeugt, die ihn bei seinem Start im Januar 2019 kritisch beäugten. Entscheidend ist dabei die Akribie, mit der der Trainer zu Werke geht: "Das Wort Freizeit wird bei ihm nicht gerade groß geschrieben", sagte Hansas Co-Trainer Ronny Thielemann, der mit Härtel seit 2016 zusammenarbeitet. "Er ist ein zurückhaltender Typ, fällt nicht gleich jedem in die Arme. Aber er ist inzwischen schon viel lockerer geworden."

Trotz allem Arbeitseifer kann (und muss) Härtel natürlich auch abschalten - bei langen Spaziergängen oder bei Restaurantbesuchen mit seiner Frau. Ohnehin sei die Familie wichtig: "Das ist meine Base und steht immer an erster Stelle." Kraft gibt ihm aber auch der Glauben: "Ich bin Christ. Das ist ein Halt für mich, ein Anker - und gibt mir Orientierung im Leben."

Härtel-Traum: Co-Trainer bei Klopp

Diese Bodenständigkeit stammt vielleicht auch daher, dass Härtel als aktiver Fußballer viermal miterlebte, wie seinem jeweiligen Club aus wirtschaftlichen Gründen die Lizenz entzogen wurde (zweimal beim FC Sachsen Leipzig, bei Union Berlin und beim SV Babelsberg). In seiner Trainerlaufbahn, die er 2005 beim Verbandsligisten Germania Schöneiche begann, scheute er 2013 auch nicht einen vermeintlichen Rückschritt vom Chefcoach in der Regionalliga in den Jugendbereich von RB Leipzig. Nach nur einem Jahr wechselte Härtel zum 1. FC Magdeburg, den er binnen vier Jahren von der Vierten in die Zweite Liga hievte.

"Ich bin jetzt seit 2005 Trainer und man macht da seine Erfahrungen und findet seine Wege. Aber man stößt auch irgendwann an seine Grenzen" Hansa-Coach Jens Härtel

In seinem vierten Jahr ist der 42-Jährige nun auch in Rostock tätig, weiß aber auch, dass dies nicht für die Ewigkeit angelegt ist. Härtels großer Traum ist es, als Co-Trainer von Jürgen Klopp beim FC Liverpool zu arbeiten: "Das ist total spannend, das würde ich gerne mal machen. Ich würde mal sehen, wie so ein großer Verein mit all den Spezialisten geführt wird. Wie ordnen die das alles ein, was haben die an Daten für sich herausgezogen? Und dann diese unheimliche Intensität mit Premier League und Champions League."

In einem Jahr läuft Härtels Vertrag bei Hansa Rostock aus, aber dass er tatsächlich von der Ostsee an den Mersey River wechselt, scheint dann doch ausgeschlossen: "Ich glaube, der Jürgen kommt ganz gut ohne mich zurecht."

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Eine Fußballtabelle vor eine Fußballmotiv © Colourbox Foto: Pressmaster

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 17.10.2021 | 22:50 Uhr

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