Stand: 03.12.2018 21:23 Uhr

Hannover 96 lehnt außerordentliche Versammlung ab

Reizfigur der Opposition: Hannovers Präsident Martin Kind.

Der Streit zwischen der Vereinsführung des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 und der clubinternen Opposition geht in die nächste Runde. Der Vereinsvorstand gab am Montag bekannt, dass er trotz einer erfolgreichen Unterschriftenaktion der Opposition keine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen wird. Diese hätte fristgerecht spätestens Anfang Januar des kommenden Jahres stattfinden sollen. Die Oppositionsgruppe "IG Pro Verein 1896" sprach am Abend von "mangelndem Respekt" und warf dem Club-Vorstand vor, "zum wiederholten Male gegen die Satzung des Vereins und geltendes Recht" zu verstoßen. In Kürze will die Interessengemeinschaft rechtliche Mittel einlegen.

Reguläre Mitgliederversammlung am 23. März

Die "IG Pro Verein 1896" hatte am 1. November dem Clubvorstand eine Liste mit 1.310 Anträgen von Vereinsmitgliedern übergeben, die die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung forderten. Das erforderliche Quorum von fünf Prozent (1.145) war damit zwar erfüllt, dennoch lehnte die 96-Führung eine Versammlung ab. Der Vereinsvorstand begründete seine Entscheidung vor allem damit, dass für den 23. März 2019 ohnehin eine Mitgliederversammlung terminiert ist.

Ab- und Neuwahl von Aufsichtsratsmitgliedern geplant

Sollten - wie von der "IG Pro Verein 1896" angestrebt - noch zwei weitere Versammlungen zum Zweck der Ab- und Neuwahl von Aufsichtsratsmitgliedern hinzukommen, "müsste Hannover 96 e.V. in zweieinhalb Monaten insgesamt drei Mitgliederversammlungen abhalten. Das ist für Mitglieder weder vertretbar noch zumutbar", teilte der Bundesligist mit. Auch finanzielle Gründe sprächen dagegen. Die Entscheidung sei nach Rücksprache mit mehreren Juristen gefallen.

Streit um die Ausrichtung des Vereins

Stichwort 50+1

Durch die sogenannte 50+1-Regel wird bislang verhindert, dass Investoren mehr als 50 Prozent der Anteile an einem Fußball-Club erwerben können. In anderen Ligen - zum Beispiel in England - gibt es eine solche Regelung nicht. Besonders Hannover 96 mit Clubpräsident Martin Kind an der Spitze macht sich dafür stark, die Regel zu kippen, um die "Kapitalsituation der Clubs zu verbessern". Die Regelung wurde bisher beibehalten, steht aber permanent in der Diskussion. Befürworter der Regelung kritisieren, dass beim Wegfall der Markt für ausländische Investoren geöffnet werden könnte, die kein sportliches Interesse an einem deutschen Bundesliga-Club haben.

Die Clubführung um 96-Boss Martin Kind und die "IG Pro Verein 1896" streiten sich seit Jahren um die Ausrichtung und Struktur des Vereins. Kind möchte die Mehrheit an der ausgegliederten 96-Profigesellschaft übernehmen und dafür eine Ausnahme von der 50+1-Regel im deutschen Fußball erwirken. Die Opposition will diese Übernahme verhindern. Die Regel besagt, dass Stammvereine die Mehrheit an Profi-Gesellschaften behalten müssen. Deshalb will die "IG Pro Verein 1896" drei Aufsichtsräte abwählen und die Posten neu besetzen, um den Prozess der Mehrheitsübernahme von Kind zu stoppen. Die drei betreffenden Aufsichtsräte stehen bei der ordentlichen Mitgliederversammlung am 23. März aber ohnehin nicht mehr zur Wahl. Auch der von der IG kritisierte Kind tritt als Präsident des eingetragenen Vereins nicht mehr an. Der 96-Vorstand argumentiert deshalb: Sollte eine außerordentliche Versammlung im Januar drei Aufsichtsräte abwählen, müsste im Februar eine weitere Versammlung stattfinden, um die Posten neu zu besetzen und das Kontrollgremium wieder handlungsfähig zu machen. Über die Besetzung des Kontrollgremiums soll deshalb wie geplant am 23. März entschieden werden.

Weitere Informationen

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