Stand: 14.01.2019 08:56 Uhr

Hannover 96: Viele Sorgen, wenig Hoffnung

von Sebastian Ragoß, NDR.de
Symbolbild für die 96-Hinrunde: Die Spieler stehen enttäuscht auf dem Platz.

Hannover 96 geht nach einem enttäuschenden Halbjahr als Tabellenvorletzter in die Bundesliga-Rückrunde. Sportlich ist die Lage äußerst prekär, zudem gibt es immer noch eine Menge Unruhe im Verein: Präsident Martin Kind hofft weiterhin auf eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel, die Opposition kämpft vehement gegen die Übernahmepläne des Präsidenten. 96 steht vor turbulenten Monaten.

So lief die Hinrunde

Hannovers sportliche Bilanz der ersten Saisonhälfte lässt sich in einem Wort zusammenfassen: katastrophal. Lediglich zwei Siege (gegen Stuttgart und gegen Wolfsburg) gelangen den "Roten". Nur elf Zähler holte die Mannschaft von André Breitenreiter insgesamt und spielte damit die schlechteste Bundesliga-Hinrunde ihrer Clubgeschichte. "Da gibt es nichts schönzureden. Das war nicht gut genug für die Bundesliga", bilanzierte Breitenreiter, der auch feststellte: "Wir waren wochenlang keine Einheit."

Diese Erkenntnis gilt in noch größerem Maße für die Situation außerhalb des Platzes. Die inzwischen jahrelange Diskussion um Kinds Übernahmepläne haben den Verein tief gespalten und zermürbt. Ob der Präsident doch noch die erhoffte Ausnahme von der 50+1-Regel erhält, entscheidet sich wohl noch in diesem Frühjahr. Beendet sein werden die Debatten dann allerdings nicht.

Wer kommt, wer geht

Breitenreiter stellte nach der Hinrunde enttäuscht fest: "Wir sind in der Bundesliga definitiv nicht konkurrenzfähig." Heißt nichts anderes als: Neue Spieler müssen kommen. Dabei hatte 96 bereits im Sommer insgesamt knapp 20 Millionen Euro in Neuzugänge investiert. Doch einzig Mittelfeldspieler Walace erwies sich als Verstärkung. Kind wollte eigentlich kein weiteres Geld ausgeben, stellte aber zunächst fest: "Absteigen ist teurer als jetzt noch einmal zu investieren." Bislang holte Hannover Verteidiger Kevin Akpoguma (Hoffenheim) und den Ex-HSVer Nicolai Müller (Frankfurt).

Breitenreiter würde gerne noch weitere Neue holen. Vor allem in der Offensive besteht dringend Handlungsbedarf, da Niclas Füllkrug (Knie) die komplette Rückrunde und Ihlas Bebou (Muskelverletzung) mindestens sechs Wochen fehlen werden. Auch einen weiteren Defensivspieler könnte der 96-Kader gut gebrauchen. Doch Kind ruderte zurück und sagte am Sonntag, er sei nur bereit zusätzliches Geld für einen Transfer zur Verfügung zu stellen, "wenn die realistische Chance auf den Klassenerhalt besteht."

Der Trainer: Breitenreiter mit dem 96-Bonus

Hannover ist in der Ära Kind nicht gerade als Wohlfühlort für Trainer bekanntgeworden. Doch Breitenreiter genießt (noch) das Vertrauen des Präsidenten - und auch der meisten Fans. "Er ist Hannoveraner, er macht einen guten Job", betonte Kind zuletzt erneut. Doch klar dürfte auch sein: Tatenlos wird der 96-Präsident nicht zuschauen, wenn die Mannschaft weiterhin keinen Erfolg hat. Nach dem Rückrundenauftakt gegen Werder Bremen reist Hannover nach Dortmund und trifft anschließend auf Leipzig und Nürnberg. Sollten dann in der Bilanz immer noch lediglich zwei mickrige Saisonsiege stehen, dürfte es für Breitenreiter eng werden.

Ausblick auf die Rückrunde

Für Hannover 96 geht es einzig und allein darum, den direkten Abstieg zu vermeiden und notfalls den Rettungsanker Relegation zu ergreifen. "Der Abstand zu Platz 16 ist nicht groß", betonte Breitenreiter. Drei Punkte Rückstand haben die Niedersachsen auf den VfB Stuttgart, vier auf den 15. FC Augsburg. Düsseldorf auf Rang 14 hat allerdings schon sieben Zähler mehr geholt.

Von einer Aufbruchsstimmung ist vor dem Rückrundenstart jedoch überhaupt nichts zu spüren. Die Personalsituation ist extrem angespannt, jüngster Rückschlag war die Verletzung Bebous. Sollten 96 in den letzten Tagen der Transferfrist nicht noch einige Glücksgriffe bei Neuverpflichtungen gelingen, wird die Qualität der Mannschaft nicht ausreichen, um den erneuten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga zu verhindern. Doch ob es überhaupt noch Verstärkungen gibt, ist nach Kinds jüngsten Aussagen sehr fraglich. Es sieht nicht gut aus für Hannover 96.

Hannovers Kader für die Saison 2018/2019

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 14.01.2019 | 15:25 Uhr

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