Stand: 10.01.2019 15:35 Uhr

Hannover 96: Neues Jahr, neues Glück?

von Fabian Wittke, NDR Hörfunk
Lernen in Marbella: 96-Coach André Breitenreiter mit seinen Spielern an der Taktiktafel.

Hannover 96 verbreitet nach dem Ende seines Trainingslagers Optimismus. Doch vor dem Bundesliga-Rückrundenstart hat der Tabellenvorletzte noch eine Menge Probleme zu lösen.

"Die Bedingungen waren erstklassig, hier können wir gerne in der nächsten Bundesliga-Saison zurückkehren", zog 96-Coach André Breitenreiter ein insgesamt positives Fazit. Ein Zeichen dafür, dass Breitenreiter an den Klassenerhalt des Tabellenvorletzten glaubt. Doch viele Argumente hat Hannover 96 nicht geliefert, Breitenreiters Ansichten nicht nur als Zweck-Optimismus auszulegen.  

Verteidiger Akpoguma ist eine Verstärkung

Hoffnung macht die Verpflichtung von Verteidiger Kevin Akpoguma, der sowohl in den Trainingseinheiten als auch in den Testspielen eine enorme Präsenz und Zweikampfstärke ausstrahlte. Vieles deutet darauf hin, dass Kapitän Waldemar Anton ins defensive Mittelfeld befördert wird. "Man sieht, dass das unserem Spiel gut tut", so Breitenreiter. Die größte Sorge des Trainers aber ist die Offensive. Zum Teil erschütternd waren die Auftritte von US-Stürmer Bobby Wood, der Selbstvertrauen und Torgefahr vermissen ließ. Flügelflitzer Ihlas Bebou verletzte sich bei seinem Comeback erneut am rechten Oberschenkel und droht für den Rückrundenstart gegen Werder Bremen auszufallen.

Den besten Eindruck im Sturm hinterließ wieder einmal Hendrik Weydandt. Doch ihm traut Breitenreiter keine tragende Rolle zu. "'Henne' wird uns nicht zum Klassenerhalt schießen. Mit Sicherheit nicht." Warum eigentlich nicht? Weydandt ist schnell, treffsicher, strotzt nur so vor Selbstvertrauen und erzielte in der Hinrunde immerhin drei Tore.  

Breitenreiters Hilferufe werden nicht erhört

Vielleicht möchte Breitenreiter aber auch erneut auf fehlende Qualität im Kader hinweisen. "Ich kann nach der ersten Trainingseinheit schon sagen, dass wir noch Handlungsbedarf haben. Wir brauchen neue Spieler", konterte der Coach die zuvor von 96-Präsident Martin Kind angeordnete Transferpause. Ein zweifelsohne starker Akpoguma und Nicolai Müller (aus Frankfurt ausgeliehen) reichen Breitenreiter nicht, um den Klassenerhalt zu schaffen. "Ich spreche nur Empfehlungen aus und dann müssen wir mit den Konsequenzen leben, wenn es so ist." Kind, so hört man, hätte diese Diskussion gerne lieber intern geführt. Zwar tummelten sich am steinigen Hang, an dem Hannover 96 täglich seine Einheiten abspulte, von Tag zu Tag mehr und mehr Spielerberater, doch die gewünschten Verstärkungen waren in ihren Designer-Herrenhandtaschen nicht dabei.

Es war wirklich auffällig wie oft Breitenreiter immer wieder seinen personellen Engpass betonte. Mit dem Blick auf die Ausfallliste (u.a. Niclas Füllkrug, Bebou, Takuma Asano, Noah Joel Sarenren Bazee, Genki Haraguchi) kann man den Coach ("Das ist in der Bundesliga nicht konkurrenzfähig") auch ein bisschen verstehen.

96 war stets bemüht

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Hängengeblieben von den Tagen in Marbella ist der immer und immer wieder betonte "Reset-Knopf", den man bei den Niedersachsen gedrückt haben will. Frei nach dem Motto: neues Jahr, neues Glück. Ob das zuletzt nicht mehr als Einheit aufgetretene Team tatsächlich wieder enger zusammengewachsen ist, ist schwer zu beurteilen. Die Auftritte von Hannover in den beiden Testspielen erinnerten stark an die Hinrunde. Nach dem 0:0 gegen den Zwölften der zweiten niederländischen Liga, NEC Nijmegen, hatte ein Profi des Gegners ernsthaft gefragt, ob das die zweite Mannschaft von Hannover gewesen sei. Das 3:3 nach 0:3 gegen den belgischen Erstligisten Waregem war zwar ein Unentschieden für die Moral, doch die Schwächen der Niedersachsen blieben allgegenwärtig. Der King of Rock 'n' Roll, Elvis Presley, hätte in diesen Tagen Geburtstag gehabt und sagte einst: "Die Wahrheit ist wie die Sonne. Du kannst sie zwar für eine Weile ausblenden, aber deshalb ist sie noch lange nicht weg."

Das erinnert ein bisschen an die Situation bei Hannover 96 nach der schwächsten Hinrunde der Vereinsgeschichte und nach dem Trainingslager an der Costa del Sol. Doch Coach Breitenreiter ist der Meinung: Elvis, Verzeihung: Hannover 96 lebt!

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 10.01.2019 | 16:25 Uhr

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