Stand: 12.06.2019 16:59 Uhr

Hannover 96: Alles nur eine Frage der Zeit?

von Christian Görtzen, NDR.de
Martin Kind, Fußballchef bei Hannover 96 (r.), mit dem neuen Sportdirektor Jan Schlaudraff.

Zeit ist Geld - diesem Sprichwort kann Martin Kind, der machtbewusste Fußballchef beim Zweitligisten Hannover 96, derzeit nicht sonderlich viel abgewinnen. Es bedeutet ja, dass die Zeit so wertvoll wie Geld sei und deshalb umgehend genutzt werden solle. Der 75 Jahre alte Unternehmer hat nach dem Abstieg aus der Eliteklasse, diesem "Horrorszenario in sportlicher wie wirtschaftlicher Hinsicht", einen anderen Ansatz gewählt. Der geht in etwa so: Zeit bringt letztlich Qualität. Ruhe bewahren, Geduld üben - darum gehe es. Das sei in den Tagen nach dem feststehenden Absturz in die Zweitklassigkeit die Maxime gewesen. Und das gelte vor allem jetzt, bei den Aktivitäten auf dem Transfermarkt. Dort sind die "Roten" bislang so inaktiv, dass vielen Fans des Clubs angst und bange werden könnte.

Neue Philosophie des Vereins

Womöglich können sich einige Anhänger noch damit beruhigen, dass dieses Abwarten offenbar Teil einer neuen Strategie sein könnte. Kind hatte in der Pressekonferenz am 28. Mai, in welcher Mirko Slomka als neuer Trainer und Jan Schlaudraff als zukünftiger Sportdirektor präsentiert wurden, eine neue Philosophie des Vereins ausgerufen. "96, das soll attraktiver Fußball, schneller Fußball und erfolgreicher Angriffsfußball sein. Danach richten sich dann die Profile der Trainer und Spieler aus", verkündete er. "Wir brauchen einfach eine Orientierung, was wir wollen. Damit wir nicht bei jedem Wechsel eines Trainers oder eines Sportdirektors wieder bei Adam und Eva beginnen. Das geht aber nicht von heute auf morgen, das braucht Zeit." Da war es wieder, dieses Wort, das bei Hannover 96 momentan ordentlich strapaziert wird.

"Jan, wir kriegen das schon irgendwie hin"

Kind wandte es auf dem Podium auch auf Schlaudraff an, als er dessen Vorzüge hervorhob: "Er ist loyal. Er weiß auch, dass er noch Erfahrung entwickeln muss. Dies braucht eine gewisse Zeit." Das Fundament sei aber vorhanden. "Jan hat auch gute Marktkenntnisse, sodass wir hier schnell deutlich wahrgenommen werden und dass wir handlungsfähig sind." Kind, an Schlaudraff direkt gerichtet: "Also, Jan, freue mich, und ich denke, wir kriegen das schon irgendwie hin. Gucken wir mal."

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Nur: Das mit der deutlichen Wahrnehmung bei der Akquise von neuen Spielern ist da so eine Sache. Die Transferbilanz weist derzeit ein erhebliches Ungleichgewicht aus. Unter der Liste der Abgänge finden sich zwölf Namen, darunter Stürmer Niclas Füllkrug (Werder Bremen), Kevin Wimmer (Stoke City/war ausgeliehen), Pirmin Schwegler (Western Sydney) oder Ihlas Bebou (TSG Hoffenheim). Unter "Zugänge" finden sich vier Einträge. Der an Drittliga-Absteiger verliehene Torhüter Philipp Tschauner kehrt zurück, genauso wie Abwehrspieler Fabian Senninger, der für Drittligist SV Meppen gespielt hat. Und dann rücken noch die eigenen Junioren Niklas Tarnat und Justin Neiß auf. Wer möchte, könnte auch noch Edgar Prib als gefühlten Zugang werten. Der Vertrag des 29 Jahre alten Mittelfeldspielers, der wegen zweier Kreuzbandrisse fast zwei Jahre lang pausieren musste, wurde bis 30. Juni 2021 verlängert.

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Dennoch: Viel ist das noch nicht, wenige Tage vor dem Beginn der Vorbereitung (17. Juni, 16 Uhr) auf die Zweitliga-Saison, die mit dem Wiederaufstieg abgeschlossen werden soll. Der erste Spieltag der kommenden Serie findet vom 26. bis 29. Juli statt. Slomka hat offenbar das 96-Credo "Geduld" schnell recht gut verinnerlichert. "Was das angeht, bin ich entspannt. Ich weiß, dass wir gut vorbereitet sind", sagte der neue Coach dem "Sportbuzzer". "Zeitdruck ist ein schlechter Ratgeber, der nur Geld kostet. Wir müssen sehr sorgfältig damit umgehen." Damit liegt er ganz auf Kinds Linie. "Wir werden zum Trainingsstart noch nicht alle Spieler dabei haben", sagte dieser der "Sport Bild". "Aber deshalb muss sich niemand Sorgen machen. Bei den Transfers gilt: 'Qualität vor Zeit.'" Bleibt nur die Frage, ob die Fans das auch so entspannt sehen.

Michael Tarnat

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Seit 2017 ist Michael Tarnat Nachwuchschef bei Hannover 96. Der Ex-Profi hat die Hoffnung auf den Klassenerhalt noch nicht aufgegeben - und sieht gute Chancen für einen erfolgreichen Neustart mit jungen Talenten.

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