Yannick Gerhardt vom Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg © IMAGO / regios24

Halbzeit-Aussprache: Wolfsburg motzt sich in die Champions League

Stand: 04.04.2021 12:24 Uhr

Der VfL Wolfsburg hat durch den 1:0-Sieg gegen den 1. FC Köln einen weiteren Riesenschritt in Richtung Champions-League-Teilnahme gemacht. Die Leistung des Werksclubs gegen den Abstiegskandidaten war 45 Minuten lang aber irritierend - auch für die Spieler selbst.

In der Halbzeit des Duells zwischen dem Tabellendritten und dem 16. des Klassements wurde es im Bauch des Wolfsburger Fußball-Tempels laut. Der Lärm kam aus der Kabine des VfL, in der nach einem alles andere als "Königsklassen"-reifen Auftritt im ersten Abschnitt Tacheles geredet wurde. "Wir haben in der Halbzeit sehr deutliche Worte gefunden für das, was wir in der ersten Halbzeit angeboten haben. Wir haben schon gemerkt, dass wir so nicht weiter Fußball spielen können", erklärte Mittelfeldakteur Maximilian Arnold.

Arnold über erste Hälfte: "Bodenlos schlecht"

"Bodenlos schlecht" sei die Wolfsburger Vorstellung vor der Pause gewesen, gab der 26-Jährige offen zu. Der "Meinungsaustausch" zur Halbzeit, an dem sich auch Coach Oliver Glasner rege beteiligte, weckte die bis dahin müden "Wölfe" auf. Nach dem Seitenwechsel wussten sich die VfL-"Motzkis" etwas zu steigern, siegten am Ende knapp und können sich nun - in ruhigerer Tonlage als in der Pause - über die Champions-League-Partien in der kommenden Serie unterhalten.

Wolfsburg feiert achten Zu-null-Heimsieg

Denn bei nun bereits elf Punkten Vorsprung auf Platz fünf müssten die Niedersachsen im Saison-Endspurt schon sehr viele Minusleistungen wie die im ersten Abschnitt gegen Köln zeigen, um die "Königsklassen"-Teilnahme noch zu verspielen. Und ein Formtief des Meisters von 2009 erscheint mit Blick auf den bisherigen Verlauf der Spielzeit doch sehr unwahrscheinlich. Gegen den "Effzeh" feierte der VfL bereits seinen achten Zu-null-Heimsieg in dieser Serie und stellte damit den Vereinsrekord aus der Saison 2002/2003 ein. Die stabile Verteidigung um den herausragenden Keeper Koen Casteels ist die Basis für den Wolfsburger Höhenflug.

Und auch fußballerisch ist der Autoclub im zweiten Jahr unter Trainer Glasner gereift. Dass gegen die "Geißböcke" vieles Stückwerk blieb, führte der Österreicher auf die Länderspiel-Pause zurück. "Ich habe das schon gemerkt, dass es nicht so einfach ist, die Spieler wieder alle in unser System einzufangen. Das hat man auch gemerkt beim Attackieren, das war nicht so synchron, wie wir das können", erklärte der 46-Jährige.

Leistungsträger bei anderen Clubs im Gespräch

Die siebte Saison-Vorlage von Top-Torjäger Wout Weghorst - übrigens mit dem Zeh - sowie der vierte Treffer von Josip Brekalo sorgten letztlich dafür, dass der VfL einen "richtig dreckigen Sieg" (Arnold) feierte. Die hohe individuelle Klasse in der Mannschaft war am Ende ausschlaggebend. Und die Qualität im Wolfsburger Kader ist natürlich auch vielen zahlungskräftigen Clubs im In- und Ausland nicht verborgen geblieben. So soll Casteels Gerüchten zufolge bei Borussia Dortmund ein Thema sein. Weghorst wird immer wieder mit Vereinen aus der englischen Premier League in Verbindung gebracht und "Wölfe"-Urgestein Arnold gab nach der Köln-Partie im "Sky"-Interview offen zu, "nach wie vor" Kontakt zum FC Bayern München zu haben.

Der Rekordmeister hatte sich, wie nun herauskam, in der Vergangenheit um eine Verpflichtung des 26-Jährigen bemüht. "Wenn der FC Bayern Kontakt aufnimmt, ist das natürlich eine andere Hausnummer. Aber es muss alles passen", sagte Arnold, dessen Kontrakt beim VfL noch bis 2026 datiert ist.

Arnold: "Müssen noch ein bisschen arbeiten"

Es könnte also ein spannender Sommer am Mittellandkanal werden, sollte der eine oder andere Leistungsträger ernsthafte Abwanderungsgedanken haben. Die Champions-League-Teilnahme wäre für die Wolfsburger Verantwortlichen dementsprechend ein Pfund, mit dem sie in Verhandlungen mit Spielern des aktuellen Kaders und potenziellen Zugängen wuchern könnten. Noch aber will trotz des großen Vorsprungs auf Rang fünf niemand beim Autoclub ein Häkchen hinter die "Königsklassen"-Qualifikation machen.

"Jetzt haben wir noch sieben Spiele vor der Brust, es sind noch 21 Punkte zu vergeben, das Polster reicht noch nicht ganz. Deswegen müssen wir noch ein bisschen arbeiten", sagte Arnold.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 04.04.2021 | 23:05 Uhr

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