Stand: 05.07.2020 15:10 Uhr

Härtel kritisiert Hansa-Profis: "Zu schnell zufrieden"

Coach Jens Härtel und Sportvorstand Martin Pieckenhagen (v.l.) vom FC Hansa Rostock © imago images / foto2press
Enttäuscht über den verpassten Aufstieg: Coach Jens Härtel (l.) und Sportvorstand Martin Pieckenhagen vom FC Hansa.

Der FC Hansa Rostock hat auch in seinem achten Drittliga-Jahr den Aufstieg verpasst. In dieser Serie war die Chance so groß wie nie zuvor. Coach Jens Härtel ist dementsprechend frustriert.

Als der FC Hansa Rostock 2011 nach seiner ersten Saison in der Drittklassigkeit wieder ins Bundesliga-Unterhaus zurückkehrte, prangte "Zurück aus dem Urlaub" auf den Aufstiegsshirts der Mecklenburger. Die Botschaft dahinter war klar: Ein Verein wie der FC Hansa - von 1995 bis 2005 ununterbrochen Mitglied der deutschen Beletage - hat in der Dritten Liga nichts zu suchen. Doch nur eine Saison später stieg der Traditionsclub erneut in die von ihm so ungeliebte Spielklasse ab und gehört nach nun inzwischen acht Jahren schon zu ihrem Inventar.

Mangel an Qualität und Mentalität

Selten war die Chance für die Mecklenburger so groß gewesen wie in dieser Serie, den Sprung nach oben zu schaffen. Dass die Hanseaten sie vergaben, sorgte bei Coach Jens Härtel für großen Frust. "In den entscheidenden Spielen waren wir nicht so da, wie wir hätten da sein können oder müssen. Was Qualität und Mentalität angeht, hatten wir uns alle erhofft, dass wir einen Schritt weiter sind. Wir schaffen es dann eben nicht, weiter bissig zu sein, weiter kritisch mit uns umzugehen, sodass wir uns weiter verbessern - das Maximum wollen. Wir sind dann eben zu schnell mit dem Erreichten zufrieden", sagte der 51-Jährige nach der 2:4-Pleite im Saisonfinale beim Absteiger Chemnitzer FC.

Viele Punktverluste gegen Absteiger

Die Niederlage bei den Sachsen war bitter, hatte jedoch keine sportliche Relevanz mehr für die Rostocker. Selbst ein Sieg hätte Hansa nicht zum Sprung auf den Relegationsplatz gereicht, weil die Konkurrenz aus Ingolstadt und Duisburg nicht patzte. Entscheidend Federn gelassen im Aufstiegskampf hatten die Mecklenburger schon zuvor. Beispielsweise beim 1:1 gegen Kaiserslautern am 35. Spieltag oder im Spiel danach bei den Würzburger Kickers (1:3). Doch selbst diese Patzer wären zu verkraften gewesen, wenn die Härtel-Mannschaft im gesamten Saisonverlauf gegen die vermeintlich "Kleinen" nicht so viele Punkte hätte liegen lassen.

Gegen Chemnitz verlor Rostock zweimal, gegen die Mitabsteiger Münster und Sonnenhof Großaspach je einmal. Und selbst beim kaum konkurrenzfähigen Tabellenletzten Carl Zeiss Jena kassierten die Hanseaten Anfang November eine peinliche 1:3-Pleite.

Schwacher Angriff, gute Abwehr

In den meisten dieser Spiele war Hansa dominant, aber nicht zielstrebig genug. "Der Torabschluss war das große Manko in diesem Jahr", resümierte Routinier Kai Bülow nach seiner letzten Partie als Fußball-Profi. Tatsächlich hatte Rostock in Pascal Breier (15 Treffer) lediglich einen zuverlässigen Torschützen in seinen Reihen, während beispielsweise bei Aufsteiger Würzburg in Luca Pfeiffer und Fabio Kaufmann (zusammen 29 Tore) zwei Stürmer regelmäßig erfolgreich waren. 54 erzielte Treffer waren am Ende einfach zu wenig, um den Zweitliga-Traum wahr werden zu lassen. Da half es auch nicht, dass Rostock mit lediglich 43 Gegentoren die drittbeste Abwehr der Liga hatte.

Neuaufbau steht bevor

Nun also muss Hansa einen neuen Anlauf in Richtung Zweite Liga nehmen. Er dürfte nicht unbedingt leichter werden. Denn neben Bülow werden Coach Härtel in der neuen Serie auch die bisher ausgeliehenen Aaron Opoku, Nikolas Nartey, Daniel Hanslik und Nico Granatowski wohl nicht zur Verfügung stehen. Hinter der Zukunft von Mirnes Pepic, Nico Rieble und Max Reinthaler stehen zudem Fragezeichen. Ihre Verträge sind ausgelaufen.

Es wartet fraglos viel Arbeit auf Härtel und Sportvorstand Martin Pieckenhagen, um den Rostocker "Drittliga-Dauerurlaub" zu beenden...

Weitere Informationen
Spielerkreis Hansa Rostock

Hansa Rostock verpasst Zweitliga-Relegation

Hansa Rostock bleibt Drittligist. Die Mecklenburger verloren ihr letztes Saisonspiel beim Chemnitzer FC. Allerdings hätte ihnen nicht einmal ein Sieg zum Sprung auf den Relegationsrang gereicht. mehr

Tabelle der 3. Fußball-Bundesliga © Panthermedia, NDR.de/Screenshot Foto: Alexander Ricci

Ergebnisse und Tabelle 3. Liga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 04.07.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

Maskottchen Donni vom Fußball-Regionalligisten VfB Oldenburg © picture alliance / nordphoto

Regionalliga Nord: VfB Oldenburg fordert Aufstiegsrunde

Der Traditionsclub möchte, dass alle Nordvereine, die eine Drittliga-Lizenz beantragt haben, gegeneinander antreten. mehr

Fußball im Netz © Mikael Damkier

NDR Fußball-Tippspiel - Jetzt mitmachen!

Das NDR Tippspiel für die Saison 2020/2021 läuft. Einsteigen, mittippen und Teams gründen: Wir suchen den Fußball-Experten im Norden. mehr