VIDEO: HSV-Coach Walter: "Sind nie bereit, Vierter zu werden" (2 Min)

HSV vor vierter Zweitliga-Saison: Eine Reise ins Ungewisse

Stand: 23.07.2021 08:13 Uhr

Nach drei verpassten Aufstiegen in Folge ist der HSV von einem gefühlten Fußball-Bundesligisten zu einem normalen Zweitligisten geworden. Die Rolle des Topfavoriten nehmen die Hamburger vor dieser Saison nicht mehr ein, obwohl der Kader klug verstärkte wurde.

von Hanno Bode

So lief die vergangene Saison:

Unter dem neuen Coach Daniel Thioune, der die Mannschaft nach eigener Aussage in der Saisonvorbereitung "mit Input überfrachtet" hatte, starteten die Hanseaten mit fünf Erfolgen in Serie in die neue Spielzeit. Anschließend folgten fünf sieglose Partien, bevor der HSV elf Begegnungen lang ungeschlagen blieb. Es schien, als habe die in den beiden Vorjahren launische Mannschaft unter Thioune an Stabilität gewonnen. Dann aber folgte am 22. Spieltag der Gastauftritt bei Schlusslicht Würzburger Kickers, der in einer im Zustandekommen peinlichen 2:3-Pleite mündete. Der Trainer versuchte hernach, die Niederlage des damaligen Tabellenführers als "Ausreißer nach unten" zu verkaufen. Aber sie war mehr: ein Wendepunkt zum Schlechten.

Nach der schallenden Ohrfeige im Stadion am Dallenberg gewannen die Hamburger bis zum 31. Spieltag (1:1 bei Jahn Regensburg) lediglich noch zwei Partien und rutschten auf Rang fünf ab. Der HSV hatte den Aufstieg nicht mehr in der eigenen Hand - und Thioune deshalb keinen Arbeitsplatz mehr. Vereinsikone Horst Hrubesch übernahm dessen Amt für die letzten drei Begegnungen interimsmäßig und feierte dabei zwei Siege. Zum Sprung ins Oberhaus reichten diese Erfolge nicht mehr. Der sechsmalige deutsche Meister wurde wie in den beiden Vorjahren Vierter.

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Wer kommt, wer geht:

Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel (beide seit 2019 im Amt) zeichnen durch ihre verfehlte Einkaufspolitik maßgeblich verantwortlich für die verpassten Aufstiege. Dabei steht dem Duo eine Scouting-Abteilung zur Verfügung, die in der Zweiten Liga vermutlich ihresgleichen sucht. Kreative Transfers blieben bis zu diesem Sommer aber weitgehend aus. Boldt und Mutzel setzten überwiegend auf die Verpflichtung von vermeintlich gestandenen Erst- und Zweitligaspielern. Doch diese funktionierten mit wenigen Ausnahmen beim HSV nicht so wie bei ihren vorigen Clubs. Bestes Beispiel dafür war der von Rekordchampion Bayern München geholte Keeper Sven Ulreich. Seine Patzer führten zu schmerzhaften Punktverlusten.

Der 32-Jährige kehrte den Hamburgern nach nur einer Saison wieder den Rücken und heuerte wieder beim FCB an. In Top-Torjäger Simon Terodde (24 Saisontreffer), dem früheren Kapitän Aaron Hunt sowie Gideon Jung verließen weitere Routiniers den Club. Geplant hatte der HSV ohnehin nicht mehr mit ihnen. Selbiges traf auch auf Khaled Narey und Xavier Amaechi (in seine Heimat England verliehen) zu. Der an der Elbe von Verletzungspech geplagte Verteidiger Rick van Drongelen wurde für eine kolportierte Ablösesumme von 500.000 Euro an den Bundesligisten Union Berlin abgegeben, um finanziellen Spielraum für Neuverpflichtungen zu bekommen.

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Für den 22-jährigen Niederländer, der noch viel Entwicklungspotenzial besitzt, wurde der vier Jahre ältere Sebastian Schonlau vom SC Paderborn geholt. Der Defensiv-Spezialist wusste in der Vorbereitung zu überzeugen und löste Tim Leibold als Kapitän ab. Für Terodde wurde in dem zuvor von Cardiff City an den 1. FSV Mainz 05 ausgeliehenen Robert Glatzel ein Angreifer geholt, der viel Wucht und körperliche Präsenz mitbringt. Zudem lieh der HSV als Backup für den 27-Jährigen den dänischen Junioren-Nationalspieler Mikkel Kaufmann aus.

Fürs Mittelfeld kamen in Ludovit Reis vom FC Barcelona B (zuvor an den VfL Osnabrück ausgeliehen) ein junger, hochveranlagter Akteur sowie Jonas Meffert, der seine Klasse bei Holstein Kiel beständig unter Beweis gestellt hatte. Der Schweizer Miro Muheim (Leihspieler vom FC St. Gallen) soll sich mit Leibold ein Duell um den Stammplatz als Linksverteidiger liefern. Gesucht wird noch eine neue Nummer eins. Heißer Kandidat ist übereintimmenden Medienberichten zufolge der Däne Oliver Christensen von Odense BK.

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Der Trainer:

Tim Walter ist nach Christian Titz, Hannes Wolf, Dieter Hecking, Thioune und Interimscoach Hrubesch der sechste HSV-Coach nach dem erstmaligen Abstieg des Clubs 2018. Der 45-Jährige tritt seine dritte Trainerstation in der Zweiten Liga an. Zuvor war er für Holstein Kiel und den VfB Stuttgart im Unterhaus tätig. Seit seiner Entlassung bei den Schwaben Ende 2019 war Walter vereinslos. "Der Verein hat sich dazu entschlossen, mit mir einen Trainer zu holen, der für Aufbruchsstimmung, Enthusiasmus und für etwas Neues steht. Wir wollen mit Vorfreude an die Sache rangehen", sagte der gebürtige Bruchsaler dem NDR.

Nach seinem unglücklichen Intermezzo beim VfB, das auch ob seiner zuweilen etwas forschen Art nach lediglich einem halben Jahr endete, muss sich der 45-Jährige nun in einem nicht minder schwierigen Umfeld beweisen. Denn Ruhe herrscht beim HSV traditionell eigentlich nur dann, wenn die Ergebnisse stimmen. Und in der Vergangenheit zuweilen selbst dann nicht. Möglicherweise ist es für Walter aber von Vorteil, dass die Erwartungshaltung bei den Hamburgern nach drei verpassten Aufstiegen - zumindest öffentlich - gesunken ist.

"Wir sind vor der Saison mit der Idee angetreten, junge und hungrige Spieler und damit die gesamte Mannschaft weiterentwickeln zu wollen", erklärte Boldt. Und dafür sei Walter laut dem Sportvorstand der richtige Mann.

Tim Walter, HSV-Trainer © Witters WIV_0587
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Erwartungen an die Saison:

Durch die Abstiege des Erzrivalen Werder Bremen sowie vom FC Schalke 04 geht der HSV erstmals seit seinem Sturz in die Zweitklassigkeit vor drei Jahren nicht als Aufstiegskandidat Nummer eins in die neue Saison. "Die Favoriten sind Schalke und Bremen", sagte Walter, um dann mit einem Grinsen zu ergänzen: "Auf dem Papier." Der Coach will sich keineswegs in die Außenseiterrolle flüchten, auch wenn er das Wort "Aufstieg" bis dato scheut wie der Teufel das Weihwasser. "Wir sind nie bereit, Vierter zu werden. Wir spielen nicht um den vierten Platz, sondern dafür, jedes Spiel zu gewinnen", erklärte der 45-Jährige.

Nun dürften seine glücklosen fünf Vorgänger nicht anders gedacht haben. Mit Ausnahme von Titz, der durch interne Grabenkämpfe früh öffentlich angezählt wurde und zu störrisch an seinem Spielsystem festhielt, scheiterten sie alle letztlich primär an der Mentalität der Mannschaft. Durch die Blutauffrischung und Verjüngung des Kaders könnte sich der Charakter des Teams nun vielleicht entscheidend geändert haben.

Die Voraussetzungen für eine spannende Hamburger Saison sind gegeben. "Wir wollen etwas Neues auf die Beine stellen", kündigte Walter an. Und in die Rubrik "Neues" würde im Falle des HSV ja bekanntlich auch der Aufstieg gehören. Die "Mission" Erstliga-Rückkehr beginnt für den einstigen Bundesliga-"Dino" heute mit der Partie auf Schalke (20.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de).

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 23.07.2021 | 19:30 Uhr

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