Stand: 10.03.2019 16:37 Uhr

HSV deklassiert St. Pauli - Fans sorgen für Eklat

von Hanno Bode, NDR.de

Der HSV hat das 101. Hamburger Stadtderby klar für sich entschieden. Der Bundesliga-Absteiger siegte am Sonntagnachmittag beim FC St. Pauli mit 4:0 (1:0). Der Fußball geriet allerdings durch das Fehlverhalten von einigen Fans beider Clubs in den Hintergrund. Mehrfach brannten sie massiv Pyrotechnik ab. In der 82. Minute unterbrach Referee Felix Brych die Begegnung deshalb. "Irgendwann war es zuviel des Guten. Ich hatte mit beiden Trainern gesprochen, dass wir quasi als letzte Warnung in die Kabine gehen. Das Zeichen hat gewirkt", so der Referee. Die Mannschaften sowie das Schiedsrichter-Gespann verschwanden kurz in den Katakomben. Zu diesem Zeitpunkt hatten Pierre Michel-Lasogga (32., 61.) und Khaled Narey (53.) sportlich bereits für klare Verhältnisse gesorgt. Kurz vor Schluss traf Douglas Santos zum Endstand (88.).

Hamburgs Pierre-Michel Lasogga bejubelt einen Treffer. © Witters Foto: ValeriaWitters

HSV klarer Sieger im Derby bei St. Pauli

Der HSV hat mit 4:0 beim FC St. Pauli gewonnen und den Lokalrivalen damit im Aufstiegskampf distanziert. Für die Fans ging es vor allem um eine Frage: Wer ist die Nummer eins in Hamburg?

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Lasogga kritisiert "Pyro-Wahnsinn"

"Der HSV war besser. Das muss man einfach anerkennen - der Sieg ist absolut verdient", sagte St. Paulis Stürmer Alexander Meier NDR 90,3. Doppel-Torschütze Lasogga ärgerte sich bei NDR 2 über die Begleitumstände: "Dass mal Pyro dabei ist, gehört irgendwie zu so Spielen dazu. Aber dass man immer kurz vor dem Abbruch steht, ist einfach unsinnig. Wir sind alle hier, um Fußball zu gucken und Fußball zu spielen. Das sollte im Vordergrund stehen, und nicht immer dieser Pyro-Wahnsinn."

"Ich möchte mich bei allen Stadiongängern entschuldigen für das, was passiert ist. Es war nicht nur eine Niederlage auf dem Feld, sondern auch drumherum." St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich

Kiezclub passiv und mutlos

St. Pauli überließ dem HSV wie bereits im trostlosen Hinrunden-Duell (0:0) die Spielgestaltung. Der Kiezclub wartete in der eigenen Hälfte auf den Kontrahenten und versuchte, bei Ballgewinnen überfallartig zu kontern. Die Taktik ging jedoch nicht auf. Zum einen, weil die Hausherren in der Vorwärtsbewegung zu hastig und unpräzise agierten. Zum anderen leisteten sich die Gäste nur wenige leichte Ballverluste. Die einzige nennenswerte Chance des Kiezclubs vor dem Seitenwechsel resultierte dann auch nicht aus einem Tempogegenstoß, sondern war ein Weitschuss von Meier. Der Angreifer bugsierte eine verunglückte Kopfballabwehr von Rick van Drongelen per Direktabnahme in Richtung Gehäuse, verfehlte dies aber um einen halben Meter (28.).

Hunt butterweich - Lasogga eiskalt

Der HSV hatte bis dato mit Ausnahme einer Hereingabe von Douglas Santos, die Keeper Robin Himmelmann zur Ecke klärte (21.) offensiv ebenfalls keine Durchschlagskraft entwickelt. Seinen Angriffen fehlte es überwiegend an Tiefe. Top-Torjäger Lasogga stand häufig mit dem Rücken zum Tor und war bis zur 31. Minute nahezu wirkungslos. Dann aber riss Innenverteidiger Justin Hoogma den 27-Jährigen an der Strafraumgrenze zu Boden. Brych hatte gute Sicht auf den Zweikampf und entschied auf Freistoß. Aaron Hunt setzte den Ball gefühlvoll an die Latte, den Abpraller verwertete Lasogga per Kopf zum 1:0.

Viel Pyrotechnik-Einsatz in beiden Fanlagern

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Rund um das Derby zwischen St. Pauli und dem HSV ist es nach Angaben der Polizei weitgehend ruhig geblieben. Das Spiel selbst stand wegen massiven Abbrennens von Pyrotechnik kurz vor dem Abbruch. mehr

Der Jubel bei den Gästeanhängern war groß. Und bei einigen von ihnen die Versuchung zu groß, ein wenig von der ins Stadion hineingeschmuggelten Pyrotechnik abzubrennen. Bereits nach vier Minuten hatte Brych wegen eines solchen Verstoßes gegen die Hausordnung das Spiel unterbrechen müssen. Allerdings zündelten nicht nur die HSV-Fans, sondern auch einige St.-Pauli-Anhänger. Für den Geschmack von Brych irgendwann zu viel. In der 55. Minute schickte er die Kapitäne Sami Allagui und Gotoku Sakai (übernahm die Binde für den verletzt ausgewechselten Hunt) in die Kurven, um die Lage dort zu beruhigen.

Pollersbeck bewahrt HSV vor Ausgleich

25.Spieltag, 10.03.2019 13:30 Uhr

FC St. Pauli

0

Hamburger SV

4

Tore:

  • 0:1 Lasogga (32.)
  • 0:2 Narey (53.)
  • 0:3 Lasogga (61.)
  • 0:4 Douglas Santos (88.)

FC St. Pauli: Himmelmann - Kalla, Avevor, Hoogma, Buballa - Knoll (84. Flum), Buchtmann - Miyaichi, Allagui (62. Schneider), Neudecker (73. Sobota) - Meier
Hamburger SV: Pollersbeck - G. Sakai, Bates, van Drongelen, Douglas Santos - Janjicic - Narey, Hunt (45.+1 Jatta), Mangala (90.+1 G. Jung), B. Özcan (81. L. Holtby) - Lasogga
Zuschauer: 29226 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

Zu diesem Zeitpunkt hatte Narey gerade das 2:0 erzielt. Der Allrounder war per Nachschuss erfolgreich, nachdem Berkay Özcan noch an Himmelmann gescheitert war. Initiiert hatte den Angriff einmal mehr der überragende Orel Mangala. Bitter für St. Pauli, das 24 Sekunden nach Beginn der zweiten Hälfte durch Ryo Miyaichis strammen Rechtsschuss beinahe zum Ausgleich gekommen wäre. Schlussmann Julian Pollersbeck parierte prächtig. So auch beim Versuch von Allagui kurz nach dem zweiten HSV-Treffer (56.). Das Anschlusstor hätte der insgesamt viel zu mutlos auftretenden Mannschaft von Coach Markus Kauczinski vielleicht noch einmal Auftrieb geben können. So aber fehlte ihr die Initialzündung. Als Lasogga dann auch seine zweite Großchance der Partie cool verwertete, war die Moral der Kiezkicker gebrochen. Es folgten die Spielunterbrechung, nachdem dieses Mal St.-Pauli-Fans gezündelt hatten, sowie der vierte Treffer von Santos, der Himmelmann mit einem Flachschuss überwand.

10.000 HSV-Fans feiern im Volksparkstadion

Das Tor des Brasilianers wurde auch von über 10.000 HSV-Fans beim Public Viewing im Volksparkstadion gefeiert. "Oh, wie ist das schön" und "Derbysieger, Derbysieger, hey hey", sangen sie ausgelassen auf der Nordtribüne. Das Spiel am Millerntor war bereits Wochen vorher mit 29.226 Zuschauern restlos ausverkauft. Der HSV hatte seine Anhänger daher zum kostenlosen Public Viewing in die heimische Arena eingeladen.

Einzelkritik: Kalla als Schnecke - Lasogga kaltschnäuzig

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 10.03.2019 | 22:50 Uhr

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