Stand: 11.01.2019 00:42 Uhr

Hunke, Hartmann oder Jansen - wer wird HSV-Präsident?

Kandidieren für das Amt des HSV-Präsidenten: Jürgen Hunke, Ralph Hartmann und Marcell Jansen (v.l.).

Der Hamburger SV hat erneut gut gewirtschaftet. Zum dritten Mal in Folge beendete der Club das Geschäftsjahr im operativen Bereich mit einem Überschuss. Diesmal waren es 65.000 Euro. Fraglos eine frohe Kunde für die über 80.000 Mitglieder des Vereins. Doch in Anbetracht der hohen Verbindlichkeiten der HSV Fußball AG (derzeit 85 Millionen Euro), deren Hauptanteilseigner der e.V mit 76,19 Prozent ist, gerät dieses Ergebnis beinahe zur Randnotiz. Denn eine Insolvenz der 2014 ausgegliederten Profifußball-Abteilung würde vielleicht sogar das Fortbestehen des Gesamtvereins gefährden. Der Wahl zum neuen Präsidenten des e.V. am 19. Januar kommt somit eine große Bedeutung zu, ist der neue Clubboss doch gleichzeitig "geborenes Mitglied" des sechsköpfigen Aufsichtsrates der AG. Und ohne dessen Zustimmung dürfen beim finanziell schwer angeschlagenen Zweitligisten keine weitreichenden Entscheidungen getroffen werden.

"Beim HSV ist immer wenig verändert worden"

Der Hamburger Unternehmer Jürgen Hunke © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Kampf ums Präsidenten-Amt des HSV e.V.

NDR 90,3 - Treffpunkt Hamburg -

Jürgen Hunke, Ralph Hartmann und Marcell Jansen wollen Präsident des Hamburger SV e.V. werden. In der Sendung Treffpunkt Hamburg von NDR 90,3 standen sie Moderator Lars Pegelow Rede und Antwort.

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In dem früheren HSV-Präsidenten Jürgen Hunke (von 1990 bis 1993 im Amt), Ex-Schatzmeister Ralph Hartmann sowie dem ehemaligen Profi Marcell Jansen, der bereits im Aufsichtsrat sitzt, hat der Beirat des e.V. drei Kandidaten für den Posten des Vorstandsvorsitzenden ausgewählt. Am Donnerstagabend standen sie in der NDR 90,3 Sendung Treffpunkt Hamburg Moderator Lars Pegelow Rede und Antwort. Insbesondere Hunke nahm dabei kein Blatt vor den Mund. "Ein Fußballclub ist heute ein Wirtschaftsbetrieb. Und wenn es nicht läuft, muss der Vorstand eingreifen und etwas verändern. Beim HSV ist immer wenig verändert worden. Es liegt an den hauptberuflichen Leuten - die haben zu hohe Gehälter und da wurde zu wenig kontrolliert. Und es sieht ja leider jetzt wieder so aus, als wenn Kontrolle nicht gefragt ist", sagte der Geschäftsmann.

Hunke und Hoffmann: Keine besten Freunde

Der 75-Jährige nannte in diesem Zusammenhang zwar keine Namen. Doch seine Kritik dürfte sich insbesondere gegen AG-Chef Bernd Hoffmann gerichtet haben. Letzterer war im vergangenen Jahr zum Präsidenten des e.V. gewählt worden, hatte wenig später den Aufsichtsratsvorsitz übernommen und wurde bald darauf vom Kontrollgremium zum AG-Chef bestimmt (zunächst kommissarisch). Sein Präsidentenamt legte der 55-Jährige daraufhin nieder. Hoffmanns Verhältnis zu Hunke gilt als angespannt, was Letzterer bei NDR 90,3 auch gar nicht leugnete. "Wir haben oft unterschiedliche Auffassungen gehabt. Ich habe auch dazu beigetragen, dass er damals abgelöst wurde (2011 in Hoffmanns erster Amtszeit als HSV-Chef, die Redaktion). Ich glaube, dass Hoffmann auch Vorteile hat. Aber auch der Papst wird kontrolliert. Und er muss auch kontrolliert werden", sagte der 75-Jährige.

Weitere Anteilsverkäufe nicht angedacht

Hunke selbst hat laut eigener Aussage übrigens kein Interesse daran, den "hoffmannschen Weg" zu gehen. Er kandidiere ausschließlich für den e.V., strebe weder den Vorsitz des Aufsichtsrats noch die Übernahme des Postens des AG-Chefs an, erklärte der Unternehmer. Sein großes Anliegen: "Ich muss dafür sorgen, dass das unsere Tochtergesellschaft nie wieder mehr Geld ausgibt als sie einnimmt." Er wolle dafür sorgen, dass die "Big Points" geklärt werden. "Mir geht es darum, über den Vertrag der Ausgliederung zu verhandeln", sagte Hunke. Weitere Anteile an der AG zu verkaufen, käme für den 75-Jährigen nur im absoluten Notfall infrage: "Ich würde so lange wie möglich darum kämpfen, unabhängig zu bleiben."

Jansen bemängelt fehlende HSV-"DNA"

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Ex-Profi Marcell Jansen sitzt seit dem vergangenen Jahr im HSV-Aufsichtsrat.

In dieselbe Kerbe schlug auch Mitbewerber Jansen. "Ich denke, ein Anteilsverkauf, in der Position, in der wir uns befinden, kann kein großes Interesse sein. Die Ausgangsposition ist derzeit schlecht. Von daher müssen wir andere Strategien herausarbeiten. Das geht am schnellsten über den Sport und gutes Teamwork", erklärte der frühere Nationalspieler. Der 33-Jährige kritisierte, dass es dem Verein an HSV-"DNA" mangele. Er möchte verdiente Spieler in die Arbeit beim Zweitligisten einbinden. "Ich habe in den vergangenen zehn Jahren gelernt, hanseatisch zu sein. Davon habe ich extrem wenig gesehen beim HSV. Man muss Charaktere in den Verein bringen, die ein ganz anderes Selbstverständnis haben", forderte der Ex-Profi.

Ex-Nationalspieler lobt Vorstands-Trio

Angesprochen auf seine Rolle als möglicher neuer Präsident des e.V. verdeutlichte Jansen, das Tagesgeschäft der AG nicht nur kontrollieren, sondern durchaus auch "mitgestalten" zu wollen. "Ich glaube aus den vergangenen elf Jahren zu wissen, woran es krankt", sagte der Ex-Profi, der 2008 vom FC Bayern München zum HSV gewechselt war und 2015 seine Profi-Laufbahn beendete. Vier Jahre später strebt der Geschäftsmann den Vorsitz des Gesamtvereins an, um die Entwicklung noch mehr als bisher als Aufsichtsratsmitglied vorantreiben zu können. "Die Zusammenarbeit sehe ich dabei nicht nur mit Bernd Hoffmann, sondern auch mit Ralf Becker (Sportvorstand, die Redaktion) und Frank Wettstein (Finanzvorstand). Das sind drei kompetente Leute, die gerade den richtigen Weg eingeleitet haben. Das, was wir ausgearbeitet haben, will ich positiv begleiten. Meine Schnittmengen sind dabei deutlich mehr im sportlichen Bereich", erklärte Jansen.

Hartmann will sich aus sportlichem Bereich raushalten

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Finanzexperte und Unternehmer: Ex-HSV-Schatzmeister Ralph Hartmann.

Der dritte Präsidentschafts-Kandidat, Ex-Schatzmeister Hartmann, kündigte derweil an, sich im Falles eines Sieges auf seine Kernkompetenz zu beschränken: "Fußballer sollten sich auf Sport konzentrieren, Finanzleute auf Bilanzen." Der 54 Jahre alte Unternehmer stellte seine Standpunkte insgesamt vergleichsweise nüchtern dar, während Hunke und Jansen teils sehr emotional Wahlkampf betrieben. Minder interessant waren Hartmanns Ausführungen allerdings nicht. So wies er darauf hin, dass der Verkauf von weiteren Anteilen derzeit formalrechtlich noch möglich sei, wenn auch vom Gros der Beitragszahler wohl nicht gewollt. "Im Zuge der Ausgliederung war es der Wunsch der Mitglieder, maximal 24,9 Prozent zu verkaufen. Stand heute wäre es möglich, 33,3 Prozent zu veräußern. Derzeit gibt es einen Antrag auf Satzungsänderung, dass es verbindlich auf 24,9 Prozent festgeschrieben wird", erklärte Hartmann.

"Werden mit Kühne und anderen Investoren sprechen"

Doch selbst wenn der Antrag scheitern und der HSV weitere Anteile verkaufen würde, wäre die Finanznot des Zweitliga-Tabellenführers vermutlich weiter groß. Und so wollte Hartmann dann auch nicht ausschließen, erneut beim umstrittenen Anteilseigener Klaus-Michael Kühne vorstellig zu werden. "Wir werden Gespräche mit Kühne und anderen Investoren führen - das ist ganz normales Geschäftsgebaren."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Treffpunkt Hamburg | 10.01.2019 | 20:00 Uhr

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