Frust bei den HSV-Fußballern Khaled Narey, Stephan Ambrosius und Aaron Hunt (v.l.). © Witters

HSV: "Ich glaub, es geht schon wieder los..."

Stand: 10.04.2021 12:12 Uhr

Das darf doch wohl nicht wahr sein: Erneut scheint dem HSV im Aufstiegsrennen der Zweiten Liga die Puste auszugehen. Die 1:2-Niederlage gegen Darmstadt am Freitagabend zeigte die Schwachstellen der "Rothosen" deutlich auf.

von Martin Schneider

Das zweite sieglose Spiel in Serie verleitete den Trainer der Hamburger, Daniel Thioune, direkt nach dem Abpfiff bereits zu Pathos: "Es gibt zwei Möglichkeiten: Wir nehmen das jetzt so und wehren uns gegen alle Widerstände, die da sind, arbeiten fleißig weiter, sind beharrlich, kommen in unsere Abläufe rein und gewinnen wieder Fußballspiele - oder wir ergeben uns. Und wer als Fußballer die Wahl hat, wird sicherlich Ersteres wählen." Das Problem der Norddeutschen in den vergangenen Jahren war im Saisonendspurt nur leider, dass solch markigen Worten, derer sich auch Thiounes Vorgänger bemühten, nur selten Taten folgten.

Wiederholt sich die Geschichte im Volkspark?

Im Frühjahr 2019 verloren die Hamburger schon einmal gegen die "Lilien", damals hieß es am 25. Spieltag 2:3 vor heimscher Kulisse. Es war der Beginn einer verhängnisvollen Serie: Die "Rothosen" gewannen bis zum 34. Spieltag keine Partie mehr und verspielten die direkte Rückkehr in die Bundesliga.

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Ein Jahr später hätte am letzten Spieltag ein Remis gegen den SV Sandhausen für Relegationsplatz drei gereicht - der HSV ging stattdessen im eigenen Stadion mit 1:5 unter. Wie hoch ist die Gefahr, dass sich das Drama zum dritten Mal wiederholt?

Schwache Defensive und stotternde Offensive

Gegen Darmstadt wurden die Schwachstellen des Tabellenzweiten deutlich. Statistisch waren die Hamburger das bessere Team: Sie schossen öfter aufs Tor, hatten mehr Ballbesitz und Ecken, eine erfolgreichere Pass- und Zweikampfquote - und verließen den Platz trotzdem als Verlierer. Denn immer, wenn die Gäste schnell spielten, geriet die Abwehr des HSV in Verlegenheit. 35 Gegentore haben die Männer mit der Raute auf der Brust mittlerweile kassiert, ligaweit nur der achtbeste Wert. Und deutlich mehr als die Konkurrenz im Aufstiegsrennen.

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Dem entgegenhalten ließe sich die bisherige Offensivleistung, mit 57 Treffern ist der HSV Ligaspitze. Doch wenn Simon Terodde und Co. aus dem Tritt geraten, stolpert die ganze Mannschaft. "Chancen waren ausreichend da", sagte Thioune am Freitag. "Wir haben einen guten Torwart auf der anderen Seite gesehen, der sehr viel rausgeholt hat. Wir hatten auch einige Momente, wo wir nicht gut abgeschlossen haben." Und Torjäger Terodde ärgerte sich über den Schiedsrichter, der ihm in der 72. Minute keinen Elfmeter zusprechen wollte: "Das nervt mich total", sagte der Stürmer, dem am Spieltag zuvor in Hannover ein Tor wegen Abseits aberkannt worden war.

Längere Pause steht bevor

Noch ärgerlicher für den HSV ist jedoch, dass der Club nun unfreiwillig für zwei Wochen zum Zuschauen verdammt sein könnte. Das Spiel gegen Sandhausen ist bereits verschoben worden, das gleiche könnte mit dem Heimspiel am 20. April gegen den Karlsruher SC geschehen. Der KSC befindet sich genauso wie der SVS in Quarantäne.

In diesem Fall würde das nächste Ligaspiel erst am 24. April beim SSV Jahn Regensburg stattfinden. "Es ist unglücklich, dass wir in den nächsten Wochen nicht spielen. Wir würden das Spiel von heute gerne schnell vergessen machen", sagte Thioune nach der Darmstadt-Niederlage.

Die weiteren Gegner bis zum Saisonabschluss heißen danach 1. FC Nürnberg, VfL Osnabrück (auswärts) und Eintracht Braunschweig. Alles keine Schwergewichte, aber Teams, die wohl bis zum Schluss um die Existenz in der Liga kämpfen werden. Es werden Spiele, bei denen auch der Kopf entscheidet, wer als Sieger den Platz verlässt. Ob das Nervenkostüm des HSV dafür stark genug ist, werden die kommenden Wochen zeigen.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 11.04.2021 | 22:50 Uhr

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