Stand: 23.03.2020 13:28 Uhr

HSV: Führungsstreit inmitten der Krise

HSV-Aufsichtsrat Max-Arnold Köttgen (l.) muss den Streit zwischen AG-Boss Bernd Hoffmann (M.) und Sportchef Jonas Boldt (r.) lösen.

Angesichts der Corona-Pandemie hat der Hamburger SV ohnehin schon genügend Sorgen, doch mitten in diesen schwierigen Zeiten muss der Fußball-Zweitligist nun auch noch heftige Grabenkämpfe in der Vereinsführung bewältigen. Seit Wochen schwelt ein Konflikt zwischen Bernd Hoffmann, dem Chef der HSV Fußball-AG, auf der einen sowie Sportchef Jonas Boldt und Finanzvorstand Frank Wettstein auf der anderen Seite. Die verhärteten Fronten behindern die Arbeit, an eine vernünftige Planung ist wohl nicht zu denken.

Kontrolleure treffen sich erneut

Entstanden sein sollen die atmosphärischen Störungen unter anderem durch Eingriffe von Hoffmann in Boldts Kompetenzbereich - wie bei der Abwicklung des Wechsels von Douglas Santos zu Zenit St. Petersburg. Hoffmann soll seine Kollegen bei wichtigen Themen auch immer wieder außen vor gelassen haben. Über ein Gespräch mit Investor Klaus-Michael Kühne bezüglich einer Verlängerung der Namensrechte am Stadion soll Boldt beispielsweise aus den Medien erfahren haben. 

Bei der turnusmäßigen Sitzung des Aufsichtsrats am vergangenen Donnerstag wurde nach Informationen von NDR 90,3 lediglich eine Art Waffenruhe vereinbart. Doch reicht das? Chefkontrolleur Max-Arnold Köttgen will Medienberichten zufolge in zeitnahen Einzelgesprächen mit Hoffmann, Boldt und Wettstein klären, ob eine Zusammenarbeit des Trios noch möglich ist.

Danach könnte es schnell zu Entscheidungen des Gremiums kommen. Bislang wusste Hoffmann eine 4:3-Mehrheit hinter sich. Allerdings soll Vereinspräsident und Aufsichtsratsmitglied Marcell Jansen mittlerweile ein schwieriges Verhältnis zu Hoffmann haben und opponieren - er soll selbst am gut dotierten Chefposten der Profiabteilung interessiert sein.

Kündigungsklausel im Hoffmann-Vertrag

Um im Vorstand eine Personalentscheidung zu treffen, reicht eine einfache Mehrheit. Im vergangenen Jahr wechselten die Kontrolleure nach dem verpassten Aufstieg den Sportchef aus - für Ralf Becker kam Boldt. Hoffmann, dessen Vertrag noch bis 2021 gilt, durfte bleiben. Das könnte diesmal anders laufen, zumal das Arbeitspapier des 57-Jährigen eine Kündigungsklausel beinhaltet, die bei einer erneut verpassten Bundesliga-Rückkehr greifen würde.

Was wird aus Boldt und Wettstein?

Der Clubboss präsentiert sich trotz aller Differenzen äußerlich bislang gelassen: "Wir sind auf einem ordentlichen Weg. Ich bin zufrieden mit der Konstellation", erklärte er der "Sport Bild". Er könne sich auch nicht vorstellen, "dass irgendjemand, dem der HSV etwas bedeutet, in Hinterzimmern destabilisierend wirkt". Bleibt Hoffmann jedoch im Amt, dürfte das gleichzeitig das Aus von Boldt und Wettstein bedeuten. Kaum vorstellbar, dass ein dauerhafter Burgfrieden möglich ist. Vor allem ein Rauswurf Wettsteins hätte aber besondere Auswirkungen, denn der 46-Jährige gilt als enger Vertrauter von HSV-Gönner Kühne. Erst im vergangenen November wurde Wettsteins Vertrag bis 2022 verlängert.

Wie man es dreht und wendet - der HSV wird wohl Schlüsselpositionen in seiner Führung neu besetzen müssen. Ein Problem, das den Zweitligisten in der Coronakrise zusätzlich belastet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 23.03.2020 | 23:03 Uhr