Frust bei Mirko Boland und Yannick Deichmann (v.l.) vom VfB Lübeck © IMAGO / Hübner

Große Verluste: VfB Lübeck nach Drittliga-Abstieg mit Mini-Etat

Stand: 27.05.2021 12:16 Uhr

Die Corona-Pandemie und der Drittliga-Abstieg haben dem VfB Lübeck schwer zugesetzt. Vorstand und Aufsichtsrat teilten in einem offenen Brief mit, dass der Regionalliga-Etat nur halb so hoch wie in der Aufstiegssaison sein werde.

"Gegenüber den (defensiv kalkulierten) Planzahlen fehlen uns am Ende durch fehlende Zuschauereinnahmen und zusätzliche Hygienemaßnahmen rund 1,3 Millionen Euro in der Kasse", heißt es in dem Schreiben. Weil dem VfB als vormaligem Regionalligisten vergleichbare Zahlen aus dem Vorjahr fehlten, ging der Aufsteiger bei den Corona-Hilfen des Bundes leer aus. Aus Sicht der Lübecker nach wie vor "schwer nachvollziehbar". Deshalb mussten sich die Schleswig-Holsteiner "mit Darlehen behelfen".

Nicht zuletzt, weil der Club auch noch "unerwartete Mehrkosten bei den geplanten infrastrukturellen Maßnahmen" zu schultern habe, "muss sich der Verein wirtschaftlich konsolidieren". Und wem das mit Blick auf die kommende Saison zu theoretisch ist, sei gesagt: "Zur Verfügung steht ein Etat, der in etwa die Hälfte der investierten Mittel in der Aufstiegssaison 2019/2020 betragen wird."

"Zeiten wirtschaftlicher Unvernunft hinter sich gelassen"

Die Verantwortlichen wehrten sich vehement gegen den Vorwurf aus der Fanszene, der Verein hätte für den Klassenerhalt mehr ins Risiko gehen müssen: "Weiterer finanzieller Spielraum stand uns nicht zur Verfügung. Zeiten wirtschaftlicher Unvernunft, in denen am Ende die Existenz unseres Vereins auf dem Spiel stand, hat der VfB Lübeck hinter sich gelassen."

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Schon in der Saison 2022/2023 will der Club mit Hilfe seiner "treuen Partner" aber wieder bessere wirtschaftliche Rahmenbedigungen schaffen - und tut gut daran. Nach zwei Jahren, in denen der Meister der Regionalliga Nord noch in Entscheidungsspiele gegen einen Vertreter aus Bayern oder dem Nordosten muss, ist 2023 Rang eins wieder gleichbedeutend mit dem direkten Aufstieg in die Dritte Liga. Dann wollen die Lübecker wieder oben mit dabei sein.

Kritik an Landerl-Ablösung zurückgewiesen

Dass der VfB darauf verzichtet, den Neuaufbau mit Aufstiegs- (und Abstiegs-) Trainer Rolf Landerl anzugehen, obwohl dieser gern weitergemacht hätte, war zuletzt im Fanlager ebenfalls stark kritisiert worden. Aufsichtsrat und Präsidium zeigten sich im offenen Brief verwundert darüber, dass die Kritik ausgerechnet von vielen Menschen gekommen sei, die vor Kurzem noch Landerls Beurlaubung gefordert hätten. Der Verein hielt aber am Coach fest. Trotz der Verbundenheit mit dem Österreicher setzen die Verantwortlichen nun allerdings darauf, "dass frischer Wind und neue Ideen auch belebend wirken können".

Den "Lübecker Nachrichten" sagte Vorstandssprecher Thomas Schikorra: "Wir werden in Kürze mitteilen, wie es auf der Trainerposition weitergeht." Schikorras Vertrag läuft genauso wie bei seinen Vorstandskollegen Andreas Popien und Florian Möller am 30. Juni aus.

Infrastrukturell ist Lübeck drittligatauglich

Doch der Aufstieg hatte auch positive Seiten - besonders aus infrastruktureller Sicht. Insgesamt wurden nicht zuletzt dank öffentlicher Gelder 2,5 Millionen Euro in die vereinseigene Anlage an der Lohmühle gesteckt. "Trotz dieser Fördermittel hat der Verein rund eine Million Euro als Eigenanteil aufwenden müssen - Geld, das andere Vereine in Personal stecken konnten", schrieben Aufsichtsrat sowie Präsidium und kündigten an: "Uns allerdings werden die Investitionen in Steine im Moment des Wiederaufstiegs erheblich helfen, denn wir werden in diesem Fall nicht nur mehr Finanzmittel, sondern auch noch mehr Energie in den sportlichen Fortschritt investieren können."

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