Stand: 19.07.2019 12:00 Uhr

HSV: Der leise Abschied des Gotoku Sakai

Ex-Kapitän Gotoku Sakai kann die Pfiffe der HSV-Fans nicht vergessen.

Gotoku Sakai will nur noch weg. Anders sind die jüngsten Meldungen zum ehemaligen Kapitän des HSV nicht zu verstehen. Sein Berater soll den 28-jährigen Deutsch-Japaner erst bei Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn und zuletzt auch beim SV Werder Bremen, der öffentlich erklärt hatte, noch einen neuen Außenverteidiger zu suchen, angeboten haben. Doch sowohl die Ostwestfalen als auch die Bremer winkten laut "kicker" ab. Womöglich nimmt Sakai nun die letzte Ausfahrt und kehrt nach Japan zurück. Wie konnte es soweit kommen?

"Ist der Abstieg allein meine Schuld?"

Markus Gisdol machte Sakai im Herbst 2016 zum ersten japanischen Kapitän in der Bundesliga. Auch unter Bernd Hollerbach und Christian Titz trug der 42-malige japanische Nationalspieler die Binde. Nach dem Abstieg des HSV im Sommer 2018 vergoss der variable Defensivspieler bittere Tränen und kündigte als erster Spieler noch im Stadion an, dabei mithelfen zu wollen, den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Zusammen mit den erfahrenen Lewis Holtby, Pierre-Michel Lasogga und Aaron Hunt, der ihn als Spielführer beerbte, bildete Sakai ein erfahrenes Quartett.

Doch das große Ziel wurde bekanntlich verfehlt - und ausgerechnet der vereinstreue Sakai bekam den ganzen Frust der Fans ab. "Ich kann nicht behaupten, dass ich keine Pfiffe verdient hätte", kommentierte Sakai das Pfeifkonzert in seine Richtung, stellte allerdings auch die sicher nicht unberechtigte Frage: "Ist es jetzt allein meine Schuld, dass wir nicht aufgestiegen sind?"

Das Tuch scheint zerschnitten

Die Pfiffe sind zwar längst verhallt, vergessen kann sie der 1,76-Meter-Mann offenbar nicht. "Man merkt Gotoku an, dass er an der Sache immer noch zu knabbern hat", meinte Jonas Boldt. Der HSV-Manager und Trainer Dieter Hecking baten Sakai im Trainingslager zum Gespräch. Das Ergebnis: Der Spieler kann sich einen Neuanfang in Hamburg, den Boldt und Hecking gerade vorantreiben, kaum vorstellen. Das Tuch zwischen Sakai und den Fans scheint zerschnitten.

Führt die Spur zu Fink nach Kobe?

Überblick

Zu- und Abgänge der Zweitliga-Nordclubs

Alle Zu- und Abgänge der fünf norddeutschen Fußball-Zweitligisten Hannover 96, Hamburger SV, Holstein Kiel, FC St. Pauli und VfL Osnabrück zur Saison 2019/2020 im Überblick mehr

Mit dem Wechselwunsch ist es nun so eine Sache. Sakai ist zwar sicher nicht der Hauptschuldige an der Misere der vergangenen Jahre an der Elbe, er ist aber Teil und sogar ein Gesicht der Krise. Dass es mit einem persönlichen "Aufstieg" in die Bundesliga wohl nicht klappt, überrascht nicht. Hinzu kommt, dass er in der Vorbereitung beim HSV allenfalls eine Nebenrolle gespielt hat.

Schon Anfang Juni gab es Gerüchte, dass der ehemalige HSV-Coach Thorsten Fink, der mittlerweile bei Vissel Kobe in Japan arbeitet, Sakai verpflichten wolle. Allerdings zählt das Team aus der 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt nach der Hinrunde zu den Abstiegskandidaten in der J-League - und vom Kampf um den Klassenerhalt dürfte Sakai vorerst die Nase voll haben.

Der Kader des HSV für die Saison 2019/2020

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 18.07.2019 | 18:25 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/sport/fussball/Gotoku-Sakai-HSV-Leiser-Abschied,hsv22720.html