Stand: 05.08.2020 12:45 Uhr

Fans im Stadion: Politik zeigt sich skeptisch

Die 36 Fußball-Bundesligaclubs haben das Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) zur möglichen Rückkehr einiger Fans in die Stadien abgenickt - nun ist die Politik gefragt. Sie entscheidet, ob tatsächlich bald wieder vor Publikum in den Arenen gespielt werden kann, womöglich schon im DFB-Pokal ab dem 11. September oder zum geplanten Bundesliga-Start am 18. September. Die Gesundheitsminister der Länder wollen das Thema auf einer Konferenz am kommenden Montag besprechen.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ist zwar optimistisch, dass zum Auftakt der Zweitliga-Saison auch bei HSV-Spielen im Volkspark und bei den Partien des FC St. Pauli am Millerntor wieder Zuschauer dabei sein können, warnte in der Sendung "DAS!" aber auch: "Vieles hängt davon ab, wie insgesamt die Infektionslage in Deutschland bleibt. Wenn das alles wieder schlimmer wird, dann wird man auch solche Lockerungen nicht machen."

Infektionsschutz im Mittelpunkt

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Blick ins Millerntor-Stadion des FC St. Pauli © imago images/Steffen Kuttner

Clubs für DFL-Konzept zur Rückkehr von Zuschauern

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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kündigte eine genaue Überprüfung des Konzepts an: "Auf dem Papier lässt sich vieles darstellen. Ob das dann auch in der Praxis so durchzuhalten ist, das wird erst noch sehr genau zu prüfen sein, auch wenn ich mir es als Fußballfan wünschen würde." Es müsse der Infektionsschutz im Mittelpunkt stehen "und nicht etwa die möglichen Einnahmen für die Bundesligaclubs".

Mäurer hat Bedenken

Auch die Bremer Politik blickt kritisch auf die DFL-Pläne. "Ich stehe dem Vorschlag der DFL, Bundesliga-Begegnungen wieder vor Zuschauern zu veranstalten, sehr skeptisch gegenüber", sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) dem "Weser-Kurier": "Niemand kann im Augenblick absehen, wo wir im September stehen werden und mit welchen Herausforderungen wir umzugehen haben werden." Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald hofft indes auf rund 15.000 Anhänger zum Start: "Wenn wir überzeugende Konzepte vorlegen, bin ich sicher, dass auch Ulrich Mäurer seine Bedenken zurückstellen wird."

Weil: Keine Auslastung von 50 Prozent

Zentrale Maßnahmen des DFL-Konzepts sind der Verzicht auf Gästefans, Alkohol im Stadion und Stehplätze sowie die Einführung personalisierter Tickets. Einheitlich geregelt werden der Umgang mit den Eintrittskarten sowie das Alkoholverbot.

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Spielszene einer Partie aus der zweiten Fußball-Bundesliga im Stadion des FC St. Pauli in Hamburg. © dpa picture alliance Foto: Stuart Franklin

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Für die weitere genaue Ausgestaltung müssen die Clubs bis zum Saisonbeginn in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden individuelle Konzepte ausarbeiten. Auch die genauen Zuschauerzahlen sind davon abhängig. "Ich kann mir vorstellen, wenn wir uns ein Stadion mit Platz für 50.000 Menschen vorstellen, dass man durchaus eine gewisse Anzahl an Zuschauern dann auch unterbringt", sagte Tschentscher mit Blick auf das Volksparkstadion.

Der HSV plant Medienberichten zufolge mit 20.000 bis 25.000 Zuschauern, wegen der hohen Anzahl von Stehplätzen käme man beim FC St. Pauli auf 9.000 und bei Ligakonkurrent Holstein Kiel auf 1.900 Fans. Das Konzept von Bundesligist VfL Wolfsburg wird frühestens Mitte August stehen und Aufschluss darüber geben, wie viele der insgesamt 30.000 Plätze in der VW-Area besetzt werden können. Nicht vorstellbar ist für Weil, dass die Stadien bei der Rückkehr der Fans zu 50 Prozent ausgelastet sind. "Auf das Bier im Stadion könnte ich gerne verzichten, aber mir fällt die Vorstellung schwer, wie es unter Corona-Bedingungen eine Fankultur mit Torjubel und Stadionatmosphäre geben soll", so der Regierungschef.

Bundesregierung befürwortet Konzept grundsätzlich

Bei der Bundesregierung stößt die DFL-Vereinbarung unterdessen grundsätzlich auf Unterstützung. Ein Sprecher des Innen- und Sportministeriums bezeichnete sie am Mittwoch in Berlin als einen "begrüßenswerten Schritt". Auch ein Sprecher des Gesundheitsministeriums begrüßte das Konzept ausdrücklich. Jetzt komme es allerdings auf die konkrete Umsetzung mit den Behörden und Vereinen vor Ort an. Hierbei müsse auch das jeweilige, regionale Infektionsgeschehen berücksichtigt werden.

Prof. Dr. Helmut Fickenscher, Leiter Institut für Infektionsmedizin an der Uni Kiel blickt in die Kamera. © NDR Foto: Pavel Stoyan

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 04.08.2020 | 15:25 Uhr

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