Stand: 11.10.2017 12:57 Uhr

Fluch der Karibik: Woods WM-Traum geplatzt

Bobby Wood musste das WM-Qualifikationsspiel mit den USA in Trinidad und Tobago unter widrigen Umständen bestreiten.

Die USA haben erstmals seit 1986 den Sprung zur Fußball-WM verpasst. In ihrem abschließenden Qualifikationsspiel wurde unter anderem HSV-Stürmer Bobby Wood zum tragischen Helden.

Bobby Wood und seine Nationalmannschaftskameraden von den USA staunten nicht schlecht, als sie am Montagmittag (Ortszeit) das Ato-Boldon-Stadion zu Couva betraten, um dort das Abschlusstraining zur WM-Qualifikationspartie gegen Gastgeber Trinidad und Tobago zu bestreiten. Die Leichtathletik-Bahn, die den Fußballplatz der Arena umschließt, stand komplett unter Wasser. Vom Stürmer des Hamburger SV und seinen Mitspielern war also Kreativität gefragt, um ohne nasse Füße auf den Rasen zu gelangen. Während Wood dünne Plastiktüten über seine Schuhe wickelte, ließen sich andere Kicker von Betreuern aufs Feld tragen.

Die US-Boys nahmen die gewöhnungsbedürftigen Umstände zunächst noch mit Humor. "Ich habe einfach gekichert", sagte Dortmunds Christian Pulisic. Amerikas Torwart-Legende Tim Howard (Colorado Rapids) fands "komischer als alles andere". Zu diesem Zeitpunkt schienen sich Wood und Co. noch nicht ausmalen zu können, dass sie am Tag darauf auf dem von starken Regenfällen aufgeweichten Rasen im übertragenen Sinne baden gehen würden.

HSV-Angreifer vergibt kurz vor Ultimo Ausgleich

Ein einziger Punkt hätte den USA gegen Trinidad und Tobago, dem Schlusslicht der Qualifikationsgruppe von Nord- und Mittelamerika, gereicht, um das Ticket für die WM 2018 nach Russland zu lösen. Das schien möglich zu sein, ja, selbstverständlich. Zumal beim bereits gescheiterten Gastgeber primär Akteure aus der international bedeutungslosen heimischen Liga im Aufgebot standen. Was dann aber folgte, war eine der schwärzesten Stunden in der Geschichte der United States Soccer Federation (USSF).

Und sie war eng verbunden mit dem Namen Bobby Wood. Es lief die 88. Minute, als der Stürmer nach einer maßgeschneiderten Flanke von Pulisic im Fünfmeterraum freistehend zum Kopfball kam, aber nicht präzise genug abschloss und an Keeper Adrian Foncette scheiterte. Dass der 24-Jährige bei seinem Versuch vom eigenen Mitspieler Benny Feilhaber (von 2005 bis 2007 beim HSV unter Vertrag) gestört wurde, war irgendwie sinnbildlich für den glücklosen Auftritt der USA an diesem Abend. Vergeben war die letzte Chance zum 2:2 und der WM-Traum von "Stars und Stripes" geplatzt. HSV-Sportchef Jens Todt litt im fernen Hamburg mit: "Das ist wahnsinnig bitter für Bobby", erklärte er im NDR Hörfunk.

Niederlage stürzt USA ins Tal der Tränen

"Wir haben heute eine ganze Nation hängen gelassen", erklärte Mexiko-Legionär Omar Gonzalez (CF Pachuca) nach dem peinlichen 1:2 auf dem karibischen Inselstaat. Der Verteidiger hatte die Pleite mit einem Eigentor eingeleitet (17.). Alvin Jones konnte später für die Gastgeber erhöhen (37.), bevor Pulisic kurz nach der Halbzeit der Anschlusstreffer gelang (47.). Hernach rannten Wood (Zehn Tore in 35 Länderspielen) und Co. verzweifelt an, konnten die Schmach aber nicht mehr abwenden. Erstmals seit 1986 findet eine Fußball-WM ohne die USA statt. Stattdessen qualifizierte sich der krasse Außenseiter Panama mit dem früheren St.-Pauli-Profi Armando Cooper durch einen 2:1-Sieg gegen Costa Rica erstmals für eine Weltmeisterschaft.

Frustabbau am Sonnabend in Mainz?

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Im Nationaltrikot blieb Bobby Wood (l.) glücklos, klappt es in der Liga besser?

Wood, der 2013 für die A-Nationalmannschaft seines Heimatlandes debütierte, wird also mindestens bis 2022 auf seine erstmalige WM-Teilnahme warten müssen. Ein Jahr zuvor läuft sein Vertrag beim HSV aus, mit dem der 24-Jährige derzeit ebenfalls schwere Zeiten durchmacht. Mit breiter Brust dürfte der aus Hawaii stammende Profifußballer den 14 Flugstunden langen Weg in seine Wahlheimat nach dem sportlichen Albtraum in der Karibik kaum angetreten sein. Immerhin bietet sich Wood, der am Freitag in Hamburg zurückerwartet wird, bereits am Sonnabend die Chance zum Frustabbau. Dann steht für ihn und seinen Brötchengeber die Auswärtspartie beim 1. FSV Mainz 05 auf dem Programm (15.30 Uhr, im Live-Ticker bei NDR.de). So ungewiss der Ausgang der Partie auch ist, zumindest eines darf sich der Angreifer ziemlich sicher sein: Plastiktüten wird er sich im Mainzer Stadion nicht über die Schuhe ziehen müssen, um mit trockenen Füßen aufs Feld zu kommen...

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 11.10.2017 | 22:40 Uhr

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