Stand: 15.04.2020 09:15 Uhr

(Fast) vergessene Vereine: VfV Hildesheim

Der VfV Hildesheim war einst eine respektierte Größe im norddeutschen Fußball: Anfang der 1960er-Jahre qualifizierte sich der Club aus Niedersachsen sogar für einen Europapokal-Wettbewerb. Doch die erfolgreichen Zeiten sind lange vorbei. Teil eins unser Serie "(Fast) vergessene Vereine".

Einen derartigen Ansturm hat es in Hildesheim bei einem Fußballspiel noch nie gegeben: 18.000 Zuschauer fasst das Stadion des VfV, dem Verein für Volkssport - am 5. November 1961 drängen sich jedoch schätzungsweise 26.000 Fans im Stadion auf der Johanneswiese. Sie erleben einen denkwürdigen Tag. Die Hildesheimer schlagen den großen HSV um Uwe Seeler mit 3:0. Oder, mit den Worten von Außenläufer Wolfgang "Röhre" Träger: "Wir haben die Hamburger auseinandergerupft."

Der Sieg gegen den bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer der Oberliga Nord - damals die höchste deutsche Spielklasse - ist auch fast 60 Jahre später in Hildesheim unvergessen. Der VfV selbst ist hingegen mittlerweile Geschichte: Er fusionierte 2003 mit Borussia Hildesheim zum VfV 06 Hildesheim.

Nach dem Aufstieg "ein paar weggezwiebelt"

Eingeleitet wird die Glanzzeit des Vereins für Volkssport mit dem Oberliga-Aufstieg 1958. Entscheidend daran beteiligt ist Herbert Helfenbein. Der Mittelstürmer stand 1954 im Meister-Kader von Hannover 96 und schießt nun regelmäßig seine Tore auf der Johanneswiese. Beim entscheidenden Sieg gegen Union Altona bereitet "Röhre" Träger zwei Tore vor und trifft einmal selbst. "Die Zuschauer haben Kopf gestanden. Anschießend sind wir ins Vereinsheim und haben erst mal ein paar weggezwiebelt", so der Außenläufer.

Profi-Fußball gibt es Deutschland damals noch nicht, trotzdem erhalten die Kicker einige Hundert Mark Aufwandsentschädigung. Eine durchaus ordentliche Summe und "mehr als nur ein Taschengeld", betont Torwart Werner Gerstle.

Dritter der Oberliga Nord 1962

Szene aus dem Spiel der Oberliga Nord VfV Hildesheim - Hamburger SV (0:1) am 07.09.1958 in Hildesheim: v.l. Hildesheims Verteidiger Warmboldt, Klaus Stürmer (HSV) und Kuschenberg (ebenfalls Hildesheim). © picture alliance Foto: picture alliance
Hildesheim war 1961/1962 die beste Heimmannschaft der Oberliga Nord.

1961/1962 ist die beste Saison der Vereinsgeschichte, nicht nur wegen des 3:0-Erfolgs gegen den HSV. Die Niedersachsen werden hinter dem Hamburger Sportverein und Werder Bremen Tabellendritter und sind die beste Heimmannschaft der Oberliga Nord. Star der Mannschaft ist Offensivspieler Leo Zimmermann, der während seiner Laufbahn mehr als 1.000 Partien für den VfV bestreitet und sich gegen die Hamburger doppelt in die Torschützenliste einträgt.

Denkwürdige Reise nach Mostar

Zimmermann und Co. erreichen dank ihres dritten Platzes sogar einen Europapokal-Wettbewerb: den heute ebenfalls fast vergessenen Intertoto Cup. In der Gruppenphase ist zwar nach nur einem Sieg und fünf Niederlagen direkt wieder Schluss. Unvergessen bleibt aber die Fahrt ins jugoslawische Mostar: "Der Mittelstürmer hat ohne Schuhe gespielt - und uns trotzdem drei Stück reingelegt", erinnert sich Träger. Mit 1:9 holen sich die Hildesheimer eine ordentliche Packung ab.

Nach der Bundesliga-Gründung geht's bergab

Die Erfolgsjahre beim VfV Hildesheim finden 1963 ein Ende: Nach Gründung der Bundesliga sind die Niedersachsen nur noch zweitklassig. 1967 folgt der Abstieg in die Drittklassigkeit. Fußball-Feste wie beim 3:0 gegen den Hamburger SV gibt es nicht mehr. Zurzeit spielt der Nachfolgeverein VfV 06 in der Oberliga Niedersachsen. Doch die Erinnerung an die großen Fußball-Tage lebt noch immer in Hildesheim.

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Der Dortmunder Stürmer Timo Konietzka (r.) wird am ersten Bundesliga-Spieltag 1963 vom Bremer Verteidiger Max Lorenz angegriffen. © picture alliance / dpa

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 01.03.2020 | 23:35 Uhr

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