Stand: 21.09.2020 10:51 Uhr

Fan-Rückkehr: "Gänsehaut" und "richtiger Fußball"

von Florian Neuhauss, NDR.de

Die Erfolgsmeldung des Wochenendes setzte Werder Bremen schon vor Spielbeginn über Twitter ab. Die 8.500 für das Heimspiel gegen Hertha BSC zugelassenen Zuschauer seien rechtzeitig im Stadion angekommen. Nach knapp sieben Monaten spielten die Bremer erstmals wieder im heimischen Weserstadion vor ihren Fans. Und die konnten nach einem Losverfahren, strengen Einlasskontrollen und Hygienevorschriften ihr Team ob der mauen Vorstellung beim 1:4 endlich mal wieder gehörig auspfeifen. Für Cheftrainer Florian Kohfeldt fühlte sich die Rückkehr der Fans ins Stadion jedenfalls wieder "wie richtiger Fußball" an.

Losglück - Festtagsstimmung auf den Tribünen

Heimspiele im Norden hatten auch der Hamburger SV, Hannover 96, der VfB Lübeck, Hansa Rostock, der SV Meppen, Holstein Kiel und der VfL Wolfsburg. Fast überall herrschte vor den Partien Festtagsstimmung. "Es ist so geil, heute hier zu sein", sagte ein HSV-Fan, ein anderer betonte: "Überhaupt wieder hier zu sein, live Fußball gucken zu können - das ist doch das, was zählt und was ich wirklich vermisst habe."

"Super, endlich! Mit Zuschauern ist es natürlich klasse. Auch für den Verein ist es toll, für die Spieler ist es toll - und für uns natürlich auch", freute sich ein Lübecker Anhänger. Die Freude bei den Fans, im Losverfahren eines der wenigen Tickets ergattert zu haben, war riesig. Von 500 Zuschauern in Niedersachsen bis hin zu den Spitzen in Bremen und Rostock (7.125) war in allen Stadien wieder Leben auf den Tribünen.

Zoff zwischen Fans und Club bei Hannover 96

Alt-Kanzler Gerhard Schröder und seine Frau (l.) unter den wachsamen Augen von 96-Boss Martin Kind (r.) © imago images/localpic Foto: Florian Petrow
Unter den 500 handverlesenen Fans in Hannover waren auch Altkanzler Gerhard Schröder und seine Frau (l.).

Protest gab es lediglich vor der Arena in Hannover. Während der Club im Stadion auf Bannern "unseren Fans und Partnern" dankte, prangerten die organisierten Fans an, dass die Verantwortlichen diese Reihenfolge umgekehrt hatten. Im deutschen Profifußball einmalig hatte die Clubführung darauf verzichtet, Tickets unter den Anhängern zu verlosen. Stattdessen waren die 500 Karten einzig an die Logenbesitzer und ihre Gäste ausgegeben worden. "Roter Teppich für Sponsoren, Rote Karte für uns" und "Geld ist die Sprache des Herzens" war auf Spruchbändern zu lesen. Den geladenen Zuschauern wurde von den Ultras vor dem Stadion dann auch wirklich der rote Teppich ausgerollt, ankommende Fahrzeuge waren mit Spielgeldscheinen beworfen worden.

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Während die 96-Profis nach der Partie Richtung Haupttribüne klatschend schnell in den Katakomben verschwanden, feierten die Spieler andernorts schon wieder selig mit ihren Fans. "Es ist gefühlt einfach ein ganz anderer Sport. Wir haben unsere Fans unheimlich vermisst", sagte Kiels Stürmer Fabian Reese. "Gemeinsam feiern nach den Toren mit den Fans, selbst wenn es nur 2.000 sind, ist einfach ein ganz anderes Gefühl im Stadion. Das gibt uns einen riesigen Push und dafür sind wir sehr dankbar." HSV-Coach Daniel Thioune sprach von "einem besonderen Moment und Gänsehaut", seinem Lübecker Pendant Rolf Landerl ging "das Herz auf".

Glasner: "Geteilte Freude ist doppelt schön"

Auch Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner war voll des Lobes über die Zuschauer beim Heimspiel gegen Leverkusen (0:0): "Wir hatten Mitte der zweiten Halbzeit eine schwierige Phase. Da haben uns die Fans unterstützt und plötzlich hat man gemerkt, bei den Jungs geht's wieder aufwärts, es geht weiter nach vorne. Und am Ende war es toll, auch wenn es nur 500 sind, zu ihnen zu gehen und sich mit ihnen zu freuen. Geteilte Freude ist einfach doppelt schön. Ich hoffe, dass es jetzt wirklich nach und nach mehr werden."

Einsichtige Fans und große Hoffnung auf mehr

Bis zum kommenden Wochenende sollen in Niedersachsen die Hygienekonzepte überprüft sein, dann dürfen Eintracht Braunschweig und der VfL Osnabrück bei ihren ersten Heimspielen 20 Prozent der Stadionkapazität nutzen. Auch der FC St. Pauli darf noch hoffen, dass anders als beim HSV (gegen Düsseldorf waren nur 1.000 da) beim Saisonspiel im Millerntorstadion am kommenden Sonntag die 20 Prozent ausgeschöpft werden können.

Anders als am Pokal-Wochenende zuvor, in Rostock war anschließend aufgrund der immer wieder gebrochenen Abstandregeln auf der Südtribüne Maskenpflicht ausgerufen worden, blieben dieses Mal im Norden die großen Negativmeldungen aus. Gerade die Hansa-Anhänger hatten offenbar aus ihrem Fehlverhalten gelernt. Doch schon im Vorfeld war deutlich geworden, wie schmal der Grat auch gerade für die Fans ist. Weil im Landkreis Cloppenburg der Wert der neuen Corona-Infektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage auf 61,5 pro 100 000 Einwohner angestiegen war (der Schwellenwert liegt bei 50), lud der Verein rund 40 Fans wieder aus.

Nach dem Werder-Heimspiel meldete die Bremer Polizei "vereinzelte Verstöße bei der Einhaltung der Corona-Verordnung". Die angesprochenen Fans hätten sich jedoch "einsichtig und kooperativ verhalten". Ein Werder-Anhänger sagte dem Sportclub: "Wir haben jetzt die Chance zu zeigen, dass es auch mit Leuten im Stadion geht. Ich sehe unsere Vorbildfunktion, damit es irgendwann wieder bergauf geht."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 21.09.2020 | 22:50 Uhr

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