Stand: 24.07.2019 15:37 Uhr

FC St. Pauli: Sorgen, Stillstand und Skepsis

von Sebastian Ragoß, NDR.de

Von Vorfreude auf die kommende Saison in der zweiten Fußball-Bundesliga ist beim FC St. Pauli wenig zu spüren. Es gibt bereits jetzt wieder viele Verletzte. Auf dem Transfermarkt herrscht weitgehend Stillstand, sodass selbst Trainer Jos Luhukay am eigenen Team zweifelt. Der Teamcheck.

So lief die vergangene Saison

St. Pauli spielte selten schönen, lange Zeit aber erfolgreichen Fußball. Nach dem 3:2 gegen Union Berlin am 20. Spieltag waren die Hamburger Anfang Februar Tabellenzweiter. Es wurde vom Bundesliga-Aufstieg geträumt, der aber Stück für Stück in weitere Ferne rückte. Sechs Wochen vor Saisonende wurden Sportchef Uwe Stöver und Trainer Markus Kauczinski beurlaubt. Ein Befreiungsschlag war dies jedoch nicht. Unter dem neuen Coach Jos Luhukay beendete St. Pauli die Spielzeit auf Rang neun, der letztlich auch dem Potenzial der Mannschaft entsprach.

Wer kommt, wer geht

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Neu beim FC St. Pauli: der Norweger Leo Östigard.

Gut eine Woche vor dem Auftakt in Bielefeld (29. Juli) ist der Kader noch immer eine Baustelle. Lediglich drei Neue hat St. Pauli bislang verpflichtet. Der norwegische Verteidiger Leo Östigard wurde vor einer Woche vom englischen Club Brighton & Hove Albion ausgeliehen. Rico Benatelli und Boris Tashchy fallen indes verletzt noch einige Zeit aus. Ohnehin ist die Verletztenliste schon wieder lang. Zudem haben in Alexander Meier, Jeremy Dudziak (HSV), Sami Allagui (Muscron), Richard Neudecker (Venlo) und Justin Hoogma (war von 1899 Hoffenheim ausgeliehen) einige Profis St. Pauli verlassen, die zumindest zum erweiterten Stamm gehörten.

Dringender Handlungsbedarf besteht also: "Wir werden noch Spieler holen", betonte Präsident Oke Göttlich zuletzt erneut. Doch weitgehend herrscht Stillstand. "Wir sind mit der personellen Situation nicht so glücklich", gab Coach Luhukay zu. Möglicherweise ist das Team erst am Ende der Transferfrist Anfang September komplett.

Der Trainer: Luhukay vor schwieriger Aufgabe

Dreimal hat der Niederländer bereits Mannschaften aus der Zweiten Liga zum Aufstieg geführt. Dass ihm dies auch mit dem FC St. Pauli in dieser Saison gelingt, scheint beinahe ausgeschlossen. Luhukay versuchte am Ende des Trainingslagers in Österreich erst gar nicht, die Situation schönzureden, sondern sprach seine Zweifel offen aus: "Mehr als die Hälfte des Kaders ist nicht in der Lage, 17 Spiele über 90 Minuten zu machen. Man kann Träume haben und über Ziele sprechen. Aber ich traue mich heute gar nicht, über Ziele zu sprechen."

Ausblick auf die Saison

Seit Jahren fehlen dem FC St. Pauli ein klares sportliches Konzept und Kontinuität auf der sportlichen Führungsebene. Dies könnte den Club in dieser Saison teuer zu stehen kommen. Zu viele Spieler im Kader sind verletzungsanfällig, in allen Mannschaftsteilen besteht dringend Handlungsbedarf. So steht Luhukay beispielsweise derzeit nur ein Stürmer (Dimitrios Diamantakos) zur Verfügung.

"Fußball, der Freude macht", wollte Sportchef Andreas Bornemann den zahlreichen St.-Pauli-Fans bieten. Nach derzeitigem Stand dürfte es jedoch in dieser Spielzeit wenig Freude am Millerntor geben. Sollte der FC St. Pauli schlecht in die Saison starten, könnte er sogar zu einem Abstiegskandidaten werden.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 20.07.2019 | 19:30 Uhr