Stand: 10.04.2019 16:50 Uhr

FC St. Pauli: Im Mittelmaß eingerichtet

von Martin Schneider und Sebastian Ragoß, NDR.de

Der FC St. Pauli hat mit der Entlassung von Trainer Markus Kauczinski und Sportchef Uwe Stöver für einen Paukenschlag gesorgt. Kurzfristig soll der neue Coach Jos Luhukay die Mannschaft voranbringen. Doch die Probleme beim Zweitligisten sind tiefgehend. Es fehlen Mut, Weitsicht und eine klare sportliche Philosophie.

Das Präsidium des FC St. Pauli hat am Mittwoch zum sportlichen Kahlschlag angesetzt und sowohl Trainer Markus Kauczinski als auch Sportchef Uwe Stöver beurlaubt. Aufgrund der ambitionslosen Auftritte des Fußball-Zweitligisten in den vergangenen Wochen ein überfälliger Schritt. Nur vier Punkte trennen die Kiezkicker aktuell von Relegationsplatz drei. Die Chance, in der kommenden Saison erstklassig zu spielen, besteht theoretisch noch, vor allem wegen der schwächelnden Konkurrenz im Aufstiegsrennen. Doch ob Neu-Trainer und Aufstiegsexperte Jos Luhukay die Saison "sportlich erfolgreich beenden" kann, wie Präsident Oke Göttlich es formulierte, bleibt abzuwarten.

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Der große Wurf ist der 55 Jahre alte Niederländer auf den ersten Blick nicht. Seine jüngsten Engagements beim VfB Stuttgart und in der zweiten englischen Liga bei Sheffield Wednesday waren nicht von Erfolg gekrönt. Kein junger Trainer, keine Experimente - St. Pauli entscheidet sich für einen gestandenen Übungsleiter. Luhukay, auch unter dem Spitznamen "General" bekannt, legt Wert auf Disziplin und die richtige Einstellung seiner Profis. Dort gab es bei St. Pauli zuletzt offensichtliche Defizite. Manchmal schien es so, als habe die Mannschaft gar nicht realisiert, welch' große Chance sie in dieser Spielzeit hat.

Es fehlt ein klares sportliches Konzept

Doch wohin will der FC St. Pauli eigentlich? Diese Frage steht nach dem großen Stühlerücken bei den Braun-weißen am Mittwoch mehr denn je im Raum. Eine klare sportliche Philosophie ist seit Jahren nicht zu erkennen. Es fehlen Mut und Weitsicht. Wann gab es zuletzt eine gewagte Entscheidung bei der Trainersuche? Wo sind die Talente aus dem eigenen Nachwuchs, die sich langfristig zu Leistungsträgern entwickeln? Der Verein hat sich kommod im Zweitliga-Mittelmaß eingerichtet. Doch selbst die sehr nachsichtigen Zuschauer am Millerntor geben sich langsam, aber sicher damit nicht mehr zufrieden. Deshalb ist trotz Tabellenplatz sechs die Stimmung so schlecht wie lange nicht mehr. Denn strukturell hätten die Hamburger durchaus alle Voraussetzungen, wieder in der Bundesliga zu spielen.

Eher Chance als Problem

Der Club muss nun seine gesamte Führungsriege neu besetzen. Geschäftsführer Andreas Rettig scheidet aus, ein neuer Sportchef muss geholt und nach der Saison vielleicht auch noch einmal über die Besetzung des Trainerpostens nachgedacht werden. Dies ist aber eher eine Chance denn ein Problem für den FC St. Pauli.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 10.04.2019 | 19:30 Uhr

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