Stand: 11.12.2017 10:00 Uhr

Europa statt Köln: Heldt hat neue Ziele mit 96

von Andreas Bellinger, NDR.de

Das Fahrrad steht noch immer im Keller. Horst Heldt, der Manager von Hannover 96, braucht es nicht, die Tour nach Köln ist abgesagt. Das Wetter wäre sowieso viel zu schlecht für eine solche radsportliche Herausforderung, wie der sonntägliche Schneeballkick der "Roten" gegen die TSG 1899 Hoffenheim (2:0) gezeigt hat. Nach acht erfolgreichen Monaten wollte Heldt weg von der Leine, aber Club-Boss Martin Kind ließ ihn nicht ziehen. Statt zu seinen Wurzeln zurückzukehren ("In Köln habe ich meine Karriere begonnen."), ließ sich Heldt mit der Aussicht auf eine Beförderung und höhere sportliche Zielen locken. "Es ist gar nicht so lange her, dass Hannover international gespielt hat", sagt Heldt im Sportclub des NDR. "Da wollen wir perspektivisch wieder hin."

Kehrtwende statt Radtour

Heldt hat seine persönliche Kehrtwende vollzogen, plant seine Zukunft weiter am Maschsee und betont, "in vielen Punkten mit Kind einer Meinung" zu sein. Business as usual, nennt man das wohl. Denn noch vor ein paar Tagen hatte Kölns Club-Chef Werner Spinner kolportiert, dass der 48-Jährige eigenen Aussagen zufolge  "tausendprozentig" aus seinem Vertrag in Hannover rauskäme. Geschäftsführer Alexander Wehrle wusste gar zu  berichten, dass der als Nachfolger von Jörg Schmadtke Umworbene so gern nach Köln zurück wolle, dass er sogar mit dem Fahrrad zum Geißbockheim radeln würde. Heldt sagt nur: "Das gehört der Vergangenheit an", kann sich einer Klarstellung in eigener Sache dann aber doch nicht entziehen: "Ich habe nie in der Öffentlichkeit gesagt, dass ich Hannover verlassen will. Im Gegenteil: Es macht mir hier unheimlich viel Spaß."

Ende einer "Herzensangelegenheit"

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Vielleicht war es tatsächlich nur ein unbedachter Augenblick im (Fußball-)Leben des Horst H. Vielleicht haben ihm aber auch nostalgische Gedanken ("Der FC ist eine Herzensangelegenheit") an seine sportlichen Anfänge den Blick für das Machbare vernebelt. Als Jugendlicher kam der Mittelfeldspieler aus Königswinter nach Köln, spielte von 1990 bis 1995 insgesamt 130 Mal für die Profimannschaft und erzielte 13 Tore. Zwei Länderspiele machte er 1999 unter Erich Ribbeck. Im Januar 2006 wechselte er nahtlos vom grünen Rasen als Sportdirektor ins Management des VfB Stuttgart. Begleitet von Pauken und Trompeten, denn bald schon entließ er Giovanni Trapattoni, der gerade noch sein Trainer gewesen war. Im Jahr darauf holte er die deutsche Meisterschaft ins Schwabenland - mit Coach Armin Veh, der nun "seinen" Posten beim FC Köln einnimmt.

Heldt bald Geschäftsführer?

Nach einer Zwischenstation bei Schalke 04 (2010 - 2016) kam Heldt am 5. März 2017 zu Hannover 96, wo er Martin Bader als Manager ablöste. Mit viel Geschick verstärkte er den Aufsteiger im Zusammenspiel mit Trainer André Breitenreiter, obwohl dem Duo aus bewegten Schalker Zeiten eine gewisse gegenseitige Abneigung nachgesagt wurde. Der nach einer Durststrecke geschaffte Aufstieg und aktuell Platz zehn mit 22 Punkten aus 15 Bundesliga-Spielrunden sprechen für das Erfolgsgespann. Und lassen Kind unnachgiebig bleiben. "Horst Heldt macht gute Arbeit mit seinem Team", sagte der mächtige 96-Chef angesichts des Wechsel-Theaters und köderte Heldt mit der Perspektive, Geschäftsführer Sport bei den "Roten" zu werden. "Entschieden ist noch nichts", sagt der nach mehr Macht strebende Manager, "über dieses Thema sprechen wir im neuen Jahr."

"Spaßige" Kontroverse mit Kind

Es klingt im Sportclub-Gespräch fast so, als habe er nie etwas anderes gewollt. "Es gibt noch viel zu tun - und deshalb freue ich mich, in Hannover zu bleiben", sagt Heldt. In der Winterpause muss der Kader weiter verstärkt werden, mit Augenmaß und finanziell solide. Die Talentförderung sei ein weiteres großes Thema (Heldt: "Mit dem Nachwuchs-Leistungszentrum haben wir einen Grundstein gelegt"), die Aussöhnung mit den streikenden Fans ebenso. Auch die Platzbedingungen sind eine Baustelle, die mit dem vorübergehenden Umzug vom Trainingsterrain ins Stadion nur unzureichend gelöst werden konnte. "Wir müssen an vielen Schrauben drehen", sagt Heldt, ohne sich dabei in die Karten schauen zu lassen. Nur soviel verrät er: "Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, mit Martin Kind kontrovers zu diskutieren."

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Dieses Thema im Programm:

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