Die Volkswagen Arena leuchtet in Regenbogen-Farben © VfL Wolfsburg

Erst EM, dann Olympia: Regenbogen-Debatte längst nicht vorbei

Stand: 24.06.2021 13:30 Uhr

Deutschland steht nach einem Kraftakt gegen Ungarn in der K.o.-Runde der Fußball-EM. Und die Regenbogen-Diskussion? Ist für die Sportverbände längst nicht ausgestanden. Vor allem das IOC wird schon in Kürze bei Olympia gefordert sein.

Beflaggte Rathäuser in Hannover und Osnabrück, eine bunt leuchtende Elbphilharmonie in Hamburg und illuminierte Stadien von Nordclubs wie Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg: Auch der Norden setzte ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz, nachdem die Europäische Fußball-Union (UEFA) untersagt hatte, die Arena in München beim letzten Gruppenspiel des DFB-Teams am Mittwoch gegen Ungarn (2:2) in Regenbogenfarben erstrahlen zu lassen.

Was passiert bei den Olympischen Spielen?

Längst richtet sich der Fokus der deutschen Nationalmannschaft auf den kommenden Achtelfinal-Gegner England. Doch die weltweite Debatte um die politische Rolle des Sports ist noch lange nicht vorüber; und wird vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC) fordern. Schließlich drohen bei den Spielen von Tokio in einem Monat weit mehr Diskussionen auf einer noch viel größeren Bühne.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich prominente und politisch aktive Sportler wie die US-Fußballerin Megan Rapinoe von den angedrohten Strafen des IOC nicht abschrecken lassen werden. Debatten um Themen wie Rassismus und Diskriminierung sind programmiert - das zeigte die zurückliegende Auseinandersetzung um die "Regel 50" der Olympischen Charta. In ihr ist festgelegt, dass jegliche "politische, religiöse oder rassistische Demonstration oder Propaganda" bei Olympia nicht gestattet ist.

Mehr Möglichkeiten zu Meinungsäußerungen für Sportler

Zwar will die Athleten-Kommission des IOC am Protest-Verbot auf dem Siegerpodium festhalten, gleichzeitig soll es aber für die Sportler mehr Möglichkeiten zu Meinungsäußerungen geben. So soll es den Athleten gestattet werden, Ausrüstung und Kleidung mit Slogans zu tragen. Zudem wurde die Schaffung eines Bereichs im Olympischen Dorf vorgeschlagen, wo für Werte demonstriert werden kann, die im Einklang mit der Olympischen Charta stehen.

Dagmar Freitag kritisiert Protest-Verbot auf dem Podium

Allein, dabei wird es sicher nicht bleiben. Da die Athleten-Kommission von vielen Kritikern nur als verlängerter Arm der IOC-Chefetage wahrgenommen wird, dürften politische Gesten genau wie kritische Statements via TV live in der ganzen Welt zu sehen sein. Dagmar Freitag würde das begrüßen. "Diese Haltung ist alles andere als zeitgemäß", sagte die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag zum Protest-Verbot auf dem Podium: "Umso wichtiger ist es, dass sich die Anzahl von Athletenvertretungen, die völlig unabhängig von ihren Dachorganisationen agieren, weltweit erhöht."

Hitzlsperger: Sport und Politik nicht mehr zu trennen

Mit Blick auf den Fußball glaubt auch Thomas Hitzlsperger, dass der unpolitische Sport der Vergangenheit angehört. "Es gibt ja immer wieder die Diskussion, ob man Sport und Politik trennen soll. Ich würde behaupten, dass man die Diskussion nicht mehr zu führen braucht", sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundesligisten VfB Stuttgart, der seine Homosexualität bereits vor Jahren öffentlich gemacht hatte, in der ARD.

Flitzer mit Regenbogenflagge in München © Imago Images
Flitzer mit Regenbogenflagge vor dem Anpfiff in München.

Verbände und Clubs müssten sich klar positionieren und die "Entwicklung in der Gesellschaft mitgehen und auch vorangehen." Die UEFA habe das unterschätzt: "Sie hat jetzt viel Arbeit vor sich." Das Verhalten des Dachverbandes könne allerdings dennoch etwas Positives bewirken, so Hitzlsperger: "Es ist wahrscheinlich ein großer Glücksfall, dass sie Fehler begangen haben. Das hat es erst möglich gemacht, dass man tagelang über das Regenbogensymbol gesprochen hat, wofür es steht - und was auf der Welt überhaupt passiert."

Weitere Informationen
Sportjournalist Ronald Reng © imago

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 24.06.2021 | 08:25 Uhr

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