Allianz Arena in München © picture alliance/dpa | Matthias Balk

EM-Viertelfinale in München auf Rasen aus Mecklenburg-Vorpommern

Stand: 30.06.2021 14:00 Uhr

Er trotzt Starkregen und Stollen, muss immer eine Top-Performance abliefern: der Stadionrasen. Nicht selten kommt das Grün aus Mecklenburg-Vorpommern. So auch im Fall der EM-Spiele im Münchener Stadion.

Arnd Peiffer, Namensvetter des Olympiasiegers und Weltmeisters im Biathlon, hat bei Fußball-Begegnungen den etwas anderen Blick. Fouls, Elfmeter, Jubelstürme: Seine Aufmerksamkeit gilt dabei nicht so sehr den Protagonisten, sondern dem Untergrund, auf dem sich die Fußball-Profis tummeln. Dem Viertelfinale am Freitag zwischen Belgien und Italien (21 Uhr) in der Münchener Arena blickt der Chef der Firma Gebrüder Peiffer Rollrasen gelassen entgegen. Schließlich hatte sich das Grün, das in Alt Zachun im Landkreis Ludwigslust-Parchim gezogen wurde, schon im Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn (2:2) bewährt.

Moderne Fußballstadien für Pflanzen lebensfeindlich

Jährlich liefert sein Unternehmen neuen Rollrasen nach München. "Früher konnte Stadionrasen gut und gerne zehn Jahre alt werden", berichtet er. Um die Jahrtausendwende seien dann viele Stadien umgebaut worden: Die Zuschauerränge wurden rundum überdacht und auf eine Laufbahn wurde verzichtet, um die Besucher näher an das Geschehen auf dem Platz zu bringen. "Dadurch bekommt der Stadionrasen mehr Schatten und weniger Regen. Moderne Fußballstadien sind ein lebensfeindlicher Raum für Pflanzen."

Neuer Rasen in München nach der EM

Manche Clubs, wie der VfL Bochum, müssten den Rasen nur alle zwei bis drei Jahre tauschen: "Das Stadion dort ist kleiner, da kommt mehr Licht rein", so Peiffer. In München halte eine Rasenlieferung normalerweise eine ganze Saison. Dieses Jahr wird das Grün aber nach der Europameisterschaft mit drei Vorrundenspielen und einem Viertelfinale noch einmal ausgewechselt.

Führende europäische Fußballclubs von Lissabon bis Stockholm kaufen ihren Rollrasen bei ihm. Über die Hälfte der Bundesligavereine stehen auf seiner Kundenliste. Die Kosten für einmal Rasen im Stadion belaufen sich in Deutschland auf etwa 100.000 Euro. "Wenn es weiter weg geht, kommen noch die Transportkosten hinzu", so Peiffer.

Frisches Grün für die Hobbykicker

Im Prinzip kicken auch die Hobbyfußballer in Zarrentin in Mecklenburg auf der gleichen Grundlage wie die Stars von Bayern München. Der Rasen hat dann nur etwas weniger Erde unter dem Gras und ist nicht sofort belastbar.

Arnd Peiffer (r) und ein Mitarbeiter prüfen den zukünftigen Rollrasen für Fußballstadien auf einer Anbaufläche. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner
Qualitätscheck: Arnd Peiffer (r.) prüft den Rasen auf einer Anbaufläche.

"Das ist schon ein tolles Gefühl", sagt Andreas Lutz, Geschäftsführer des TSV Empor Zarrentin. Dort wird der Sportplatz gerade zum ersten Mal nach 70 Jahren grunderneuert und bekommt im Zuge dessen neuen Rasen aus Alt Zachun. Die nächsten 20 Jahre soll er halten. So zumindest die Hoffnung. Auch aus finanziellen Gründen. Die erste Herrenmannschaft des TSV spielt in der Landesklasse Mecklenburg-Vorpommern.

Seit fast 50 Jahren baut die Firma Peiffer Rollrasen an. Ihren Hauptsitz hat die Firma in Willich nahe Düsseldorf, Alt Zachun kam vor sechs Jahren hinzu. Insgesamt produziert der Betrieb auf 300 Hektar Rollrasen. Knapp ein Drittel der Fläche befindet sich in Nordwestmecklenburg. Denn: "Die Bodenqualität ist hier sehr gut für Sportrasen", unterstreicht Peiffer.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 30.06.2021 | 08:25 Uhr

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