Stand: 23.03.2019 10:10 Uhr

Hansa-Coach Härtel: "Nicht zu schnell zu groß zu denken"

Vertrag bis 2020: Führt Trainer Jens Härtel Hansa Rostock zurück in die Zweite Liga?

Eigentlich hatte Hansa Rostock für diese Saison die Zweitliga-Rückkehr fest ins Visier genommen. Doch über die Zielsetzung stolperten Manager Markus Thiele und Coach Pavel Dotchev. Ihre Nachfolger Martin Pieckenhagen und Jens Härtel sollen die "Kogge" wieder flott machen. Die Bilanz unter Trainer Härtel ist positiv, doch alles klappt noch lange nicht. Beim Karlsruher SC spielen die Mecklenburger heute Sonnabend (14 Uhr/live im NDR Fernsehen und bei NDR.de) um die wohl letzte Chance, noch einmal oben heranzurücken. Vorab sprach der 49-jährige Härtel über seinen Umgang mit Misserfolgen, den "allergrößten Club" und rauschende Aufstiegsfeiern.

Herr Härtel, wie gehen Sie mit Misserfolg um?

Jens Härtel: Ich versuche immer, Niederlagen möglichst schnell abzuhaken, wenn die neue Trainingswoche beginnt. Wir analysieren, was die Knackpunkte waren und arbeiten sie auf. Dafür spielen wir auch einige Situationen noch mal auf dem Platz durch. Es hilft aber nicht, permanent das Negative herauszustellen. Wir müssen Rezepte finden, damit unsere Schwächen nicht so in den Vordergrund treten. Ich habe nach Niederlagen oft ein, zwei schlaflose Nächte. Einige Fehler nagen aber auch noch länger an mir.

Hat sich das verändert, seit Sie nicht mehr als Spieler selbst auf dem Rasen stehen?

Härtel: Nein, das ist schon ähnlich. Ich konnte auch früher nach Niederlagen schwerer einschlafen. So bin ich eben als Typ. Mir gehen dann die ganzen Szenen noch mal durch den Kopf.

Als Spieler hatten Sie bis zur letzten Sekunde direkten Einfluss. Fühlen Sie sich als Trainer manchmal ohnmächtig?

Härtel: Die Situation ist auf jeden Fall anders. Die Energie ist auch da, aber man kann sie nicht so einfach abbauen. Es gibt kein Patentrezept, wie man sich da als Trainer richtig verhält. Dafür sind die Situationen in den Stadien zu unterschiedlich. Manchmal bin ich an der Seitenlinie total aktiv und versuche eben doch, möglichst viel Einfluss zu nehmen. Und ein anderes Mal fresse ich die Emotionen lieber in mich hinein. Die Mannschaft bekommt ja mit, was der Trainer draußen macht. Ich habe mit den Jahren gelernt, mich auch mal zurückzunehmen. Aber da gibt es natürlich nach wie vor Optimierungsbedarf (lacht).

Sie waren über vier Jahre beim 1. FC Magdeburg und haben den Club von der Regionalliga bis in die Zweite Liga geführt. Dort angekommen, mussten Sie nach nur 13 Spielen gehen. Wie bewerten Sie die Situation rückblickend?

Härtel: Im Profisport zählen am Ende nur die Ergebnisse. Durch das 2:3 in Regensburg sind wir auf einen Abstiegsplatz abgerutscht. Dabei waren wir nah dran am Sieg, haben bis in die Schlussphase 2:1 geführt. Mit einem Dreier hätten wir das Ruder vielleicht rumreißen können. So war das Vertrauen nicht mehr da. Ich war lange in Magdeburg und wir haben ein paar Situationen gemeistert. Aber man reibt sich auch aneinander und nutzt sich ab. Das Aus war dann sehr schwierig, zumal es für mich das erste Mal war. Da haben nicht ein, zwei Nächte gereicht - ich habe ein paar Wochen gebraucht, um das zu verarbeiten.

Bild vergrößern
Jens Härtel holte mit Hansa in bisher neun Spielen 14 Punkte.

Trotzdem wurden Sie nach nicht mal 60 Tagen neuer Hansa-Trainer.

Härtel: Sicher hätten mir ein paar Wochen freie Zeit mehr gut getan. Aber im Fußball gehen plötzlich Türen auf - und schließen sich auch wieder. Hansa Rostock ist ein großer Verein, nach der Wende im Osten sogar der allergrößte. Mittlerweile wurde der Club von ein paar anderen überholt, aber in der Historie stehen immer noch elf Jahre Bundesliga. Da überlegt man sich zweimal, ob man ein Angebot ablehnt. Ich habe mich bereit gefühlt, eine neue Herausforderung anzunehmen und bin durch diese Tür gegangen.

Sie haben bei Ihrer Vorstellung gesagt, dass die Aufgabe in Rostock schwierig, aber auch reizvoll sei. Klären Sie uns auf: Was finden schwierig und was reizvoll?

Härtel: Die Infrastruktur und besonders die Trainingsbedigungen sind für die Dritte Liga außerordentlich gut. Außerdem hat Hansa eine wahnsinnige Fanbase. Der Verein lebt, viele Menschen leben den Verein. Das ist reizvoll, aber auch schwierig zugleich. Die Menschen haben eine große Erwartungshaltung - größer als ich es in Magdeburg erlebt habe. Dabei haben wir finanziell keine besseren Möglichkeiten als viele andere Clubs in der Liga. Hansa wirbt um die gleichen Spieler und kämpft um die gleichen Punkte.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 23.03.2019 | 14:00 Uhr

Mehr Sport

01:23
Niedersachsen 18.00