Stand: 28.08.2020 12:57 Uhr

Maximilian Ahlschwedes verrücktes Dassendorf-Debüt

von Hanno Bode, NDR.de

Maximilian Ahlschwede hat sich nach dem Ende seiner Profikarriere dem Hamburger Fußball-Oberligisten TuS Dassendorf angeschlossen. Das Debüt des langjährigen Verteidigers vom FC Hansa Rostock für den Dorfclub verlief äußerst kurios.

Rege Betriebsamkeit herrscht am Donnerstagabend hinter dem Eingang des Trainingsplatzes der TuS Dassendorf. Eigentlich sollte hier das Testspiel des Hamburger Fußball-Oberligisten gegen die U23 von Holstein Kiel längst angepfiffen worden sein. Nun aber stehen diverse Funktionäre und Kicker der Gastgeber vor einem Kreidewagen und hantieren hektisch an ihm herum. Auch Maximilian Ahlschwede versucht sich einen Überblick zu verschaffen, warum der Anpfiff auf sich warten lässt. Der frühere Kapitän des Drittligisten FC Hansa Rostock, der seine Profi-Laufbahn im vergangenen Monat überraschend beendet hat, will an diesem Abend für den in Schleswig-Holstein beheimateten Dorfclub debütieren.

Doch weil sich der Platzwart die Kniescheibe gebrochen hat, sind die Strafräume und Außenlinien nach Gusto von Referee Devin Wengorz (TuS Hamburg) unzureichend markiert. Ahlschwedes Einstand für den Fünftligisten steht auf der Kippe.

VIDEO: Ahlschwede: "Ein paar Mal die Woche Spaß haben" (1 Min)

"Das ist Amateurfußball"

Der defekte Kreidewagen wird nicht die einzige Kuriosität sein beim Debüt des 30-Jährigen, der seinen Vertrag bei Hansa auflöste, um in das elterliche Unternehmen - einen Umweltschutz-Betrieb - einzusteigen. "Das ist Amateurfußball", scherzt TuS-Ligamanager Alexander Knull in Richtung Ahlschwede, während immer noch versucht wird, das widerspenstige Gerät in Gang zu bekommen.

Ende der Profikarriere nach 233 Drittliga-Spielen

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Sportchef Jan Schönteich vom Hamburger Fußball-Meister TuS Dassendorf © Hanno Bode
1 Min

Wie Dassendorf Maximilian Ahlschwede verpflichtete

Fußball-Oberligist TuS Dassendorf hat sich die Dienste des langjährigen Drittliga-Profis Maximilian Ahlschwede gesichert. Sportchef Jan Schönteich erklärt, wie die Verpflichtung zustande kam. 1 Min

Nach rund 20 Minuten geben die Dassendorfer auf. Flugs wird ein anderer Kreidewagen aus dem Geräteraum geholt. Es ist ein älteres Modell, funktioniert aber immerhin. Die Partie kann mit rund halbstündiger Verspätung beginnen. Ahlschwede steht nicht in der Anfangsformation. Der aus dem schleswig-holsteinischen Bad Oldesloe stammende Fußballer hat zwar schon ein paar Mal mit seinen neuen Teamkameraden mittrainiert, muss sich aber erst einmal hinten anstellen. Dass der 30-Jährige, der 233 Drittliga-Einsätze für Rostock, Arminia Bielefeld, den SV Wehen Wiesbaden, die Würzburger Kickers und die Kickers Offenbach in seiner Vita stehen hat, beim Oberligisten gelandet ist, hat Marcel Lenz eingefädelt.

Der Verteidiger kennt Ahlschwede noch aus gemeinsamen Profi-Zeiten in Offenbach (2012). Nachdem der 33-Jährige erfahren hatte, dass "Ahli", wie der frühere Hansa-Spieler gerufen wird, sich beruflich anders orientieren möchte, machte er ihm ein Engagement bei der TuS schmackhaft.

Fünftligist mit prominenten Kader

Der Kontakt zu Ahlschwede habe schon etwas länger bestanden, erklärt Dassendorfs Sportchef Jan Schönteich. "Dass wir das jetzt finalisieren konnten, finden wir schon toll", sagt der frühere Meistertrainer des Vereins. Erneut ist es dem Oberligisten gelungen, einen prominenten Namen für sich zu gewinnen. Im Kader der TuS stehen in Lenz, Rinik Carolus, Gambias früherem Nationalspieler Amando Aust und Mattia Maggio (vier Bundesliga-Einsätze für den HSV) weitere Ex-Profis. "Die Jungs können richtig gut kicken", lobt Ahlschwede seine neuen Teamkameraden nach dem Abpfiff.

Plötzlich geht die Sprinkleranlage an

Während des Testspiels zwischen der TuS Dassendorf und Holstein Kiel II geht die Sprinkleranlage an © Hanno Bode
Mitte der zweiten Hälfte des Spiels zwischen Dassendorf und Kiel II ging die Sprinkleranlage an.

Hinter ihm liegt zu diesem Zeitpunkt ein 30-minütiger Einsatz. Ein paar Sprints, Zweikämpfe und ein toller Pass in die Tiefe auf Sven Möller stehen in seinem ersten Dassendorfer Arbeitszeugnis. Ganz unfallfrei lief der Kurzeinsatz nicht ab. Kurz nach Ahlschwedes Einwechslung ging urplötzlich die Sprinkleranlage in der Kieler Hälfte an. "Lächerlich", schimpfte daraufhin Lenz erbost. "Was ist hier alles los?", fragte sich Holstein-Keeper Julius Schmid. "Was die 100 Zuschauer hier geboten bekommen, ist Wahnsinn. Gleich kommt noch ein Flitzer", scherzt TuS-Mäzen Michael Funk.

Ahlschwede nimmt die Pannen bei seinem Einsatz gelassen hin. "ich war auch schon mal vor Ort, da gab es gefühlt einen Schneesturm, dann sind wir wieder nach Hause gefahren. Wenn der 'Schiri' sagt, dass es ohne Linien nicht geht, dann muss man improvisieren", erklärt der 30-Jährige.

Fußball hat für Ahlschwede nicht mehr erste Prioriät

Der "total lockere Typ" (Liga-Manager Alexander Knull) hat sich rasch mit den neuen Gegebenheiten arrangiert. Auch, weil der Fußball "nicht mehr erste Priorität hat", wie Ahlschwede erklärt: "Ich freue mich, hier ein paar Mal die Woche Spaß zu haben", sagt der langjährige Hansa-Verteidiger nach der 2:3-Niederlage seiner Mannschaft. Sprach's und verschwand mit einem Lächeln von dem Platz, auf dem sich so viel Seltsames abgespielt hatte.

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 28.08.2020 | 19:30 Uhr

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