Stand: 24.04.2019 22:42 Uhr

Dramatik in Bremen: Bayern kickt Werder aus dem Pokal

von Sebastian Ragoß, NDR.de
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Voller Einsatz: Werder Bremens Maximilian Eggestein (l.) im Duell mit Bayern Münchens Thiago.

Werder Bremen hat ein dramatisches Pokal-Halbfinale gegen Bayern München mit 2:3 (0:1) verloren. Die Hanseaten holten am Mittwochabend zunächst einen 0:2-Rückstand auf und verloren letztlich aufgrund eines umstrittenen Elfmeters. Die Bayern treffen im Endspiel am 25. Mai in Berlin auf RB Leipzig, das am Dienstag den HSV besiegt hatte. "Ein tolles Spiel", fand Bayerns Coach Niko Kovac. Sein Bremer Pendant Florian Kohfeldt äußerte sich ähnlich: "Es war ein geiles Spiel. Ich kann mich nur bei meiner Mannschaft bedanken für den Mut, den sie gezeigt hat." Sehr enttäuscht war hingegen Werder Geschäftsführer Frank Baumann. "Es ist brutal: So zurückzukommen und dann diese Entscheidung gegen sich zu haben", so Baumann im NDR Interview.

Da die Final-Kontrahenten Bayern und Leipzig die Bundesliga-Saison mindestens auf Platz sechs beenden werden, reicht in diesem Jahr Rang sieben, um sich für die Europa League zu qualifizieren. Werder bleibt also noch die Chance, die erhoffte Europacup-Qualifikation zu schaffen.

Erste Werder-Heimniederlage im DFB-Pokal seit 1988

5.Spieltag, 24.04.2019 20:45 Uhr

Werder Bremen

2

Bay. München

3

Tore:

  • 0:1 Lewandowski (36.)
  • 0:2 Müller (63.)
  • 1:2 Osako (74.)
  • 2:2 Rashica (75.)
  • 2:3 Lewandowski (80., Foulelfmeter)

Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson (81. Harnik) - M. Eggestein - Möhwald (65. Pizarro), Klaassen (89. J. Eggestein) - M. Kruse - Osako, Rashica
Bay. München: Ulreich - Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba - Javi Martinez, Thiago (76. James Rodríguez) - Gnabry (58. Goretzka), Müller (89. Rafinha), Coman - Lewandowski
Zuschauer: 42100 (ausverkauft)

Weitere Daten zum Spiel

Bremen, Flutlicht, Pokal: eine ganz besondere Kombination. Seit 1988 hatte Werder im DFB-Pokal zu Hause 37 Partien in Folge nicht verloren. Mannschaft und Fans taten alles dafür, diese imposante Serie auszubauen. Südländisch euphorisch feuerten die Werder-Anhänger ihr Team an, das mit großem läuferischem Aufwand und Einsatz beeindruckte. Doch die Bayern haben eine Menge großer Fußball-Schlachten geschlagen und ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Thomas Müller hätte früh für die Führung des Favoriten sorgen können: Zunächst mit einem Müller-typischen Hackentrick (10.), dann mit einem Schuss aus gut acht Metern, den Niklas Moisander in höchster Not blockte (16.).

Auf Bremer Seite stand trotz des hohen Aufwands und dem Mitwirken des zuletzt angeschlagenen Kapitäns Max Kruse nur eine Großchance: Davy Klaassen setzte eine Direktabnahme am Ziel vorbei (23.). Als die Partie ein wenig Tempo verloren hatte, fiel das 1:0 für die Bayern. Einen Flankenball von Jerome Boateng köpfte Müller aus eigentlich unmöglichem Winkel per Bogenlampe an den Pfosten und der bis dahin fast unsichtbare Mittelstürmer Robert Lewandowski drückte die Kugel über die Linie (36.).

Müller mit dem 2:0 - die Entscheidung?

Die Kontrahenten tanken in der Pause Kraft, um dann direkt wieder mit Tempo-Fußball weiterzumachen. Kingsley Coman vergab eine sehr gute Gelegenheit (48.) für die Gäste, Kevin Möhwald im Gegenzug eine etwas schlechtere (49.). Werder betrieb weiterhin hohen Aufwand, konnte die Bayern-Defensive aber nicht knacken. Der Meister wirkte bei seinen Angriffen gefährlicher. Coman wuselte über den linken Flügel, Müller tauchte überall auf und gab auch den nächsten gefährlichen Schuss ab (59.). Es bahnte sich der zweite Treffer an und wer außer Müller sollte ihn erzielen? Einen verunglückten Schuss von Leon Goretzka nahm der Ex-Nationalspieler mit links an und schoss ihn mit rechts in die Maschen (63.).

Noch lange nicht...

Die Entscheidung? Es sah so aus und doch wurde die Begegnung zu einem dramatischen Pokalkampf, der für die Bremer letztlich bitter endete. Klaassen (63.) und Müller mit einem Lattentreffer (68.) sorgten für Aufreger. Dann folgten knapp 70 Sekunden, in denen Werder zum Ausgleich zum Ausgleich kam. Yuya Osako markierte den Anschlusstreffer und sorgte für neue Hoffnung (74.). Direkt nach Wiederanpfiff schnappte sich Milot Rashica den Ball, ließ Mats Hummels wie einen Anfänger stehen und schob zum 2:2 ein (75.). Das Weser-Stadion bebte. Wer hätte damit gerechnet?

Elfmeter sorgt für Diskussionen

Doch wenig später konterten die Bayern. Coman ging nach einem leichten Rempler von Theodor Gebre Selassie zu Boden und bekam den erhofften Elfmeter. Die Bremer bedrängten Schiedsrichter Daniel Siebert. Dieser blieb aber bei seiner Entscheidung, die auch vom Video-Assistenten nicht korrigiert wurde. "Klarer Elfmeter", fand Müller. Kruse beurteilte die Entscheidung als "lächerlich". Lewandowski blieb ruhig und verwandelte sicher (80.). Noch einmal kam Werder nicht zurück. Lewandowski traf in der Nachspielzeit aus drei Metern noch den Pfosten. Er konnte es verschmerzen.

Geschäftsführer Sport Frank Baumann von Werder Bremen © imago/Nordphoto

Baumann: "Hab' keine Elfmeter-Szene gesehen"

NDR 2 -

Werders Geschäftsführer war Frank Baumann nach dem Aus gegen Bayern deprimiert. Vor allem die umstrittene Elfmeter-Entscheidung vor dem Gegentor zum 2:3 sorgte für Ärger.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 24.04.2019 | 20:00 Uhr