Stand: 10.02.2021 08:38 Uhr

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Machtkampf beim HSV

HSV-Präsident Marcell Jansen (v.l.) mit den Vizepräsidenten Moritz Schaefer und Thomas Schulz © Witters Foto: Valeria Witters
HSV-Präsident Marcell Jansen mit den Vizepräsidenten Moritz Schaefer und Thomas Schulz (v.l.).

Personaldebatten, Machtkämpfe und Streit um die Ausrichtung des Vereins hat es in den vergangenen Jahren oft gegeben beim Hamburger SV. Derzeit rumort es kräftig in der Führung des eingetragenen Vereins. Worum geht es? Wer liegt im Clinch? Was heißt das für die Zukunft des Fußball-Zweitligisten?

Wer streitet mit wem?

Der Zwist betrifft das Präsidium des e.V.: Präsident Marcell Jansen hat sich mit seinen beiden Vizes Thomas Schulz und Moritz Schaefer überworfen. Die Stellvertreter waren 2018 an der Seite von Bernd Hoffmann gewählt worden. Nach Hoffmanns Wechsel an die Spitze der HSV Fußball AG wählten die HSV-Mitglieder im Januar 2019 Jansen zum Präsidenten.

Die Gräben zwischen Jansen und Schulz/Schaefer sind inzwischen sehr tief. Jansen beklagt seit Wochen öffentlich die angebliche Illoyalität Schulz‘. Dieser hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Mehrere Gremien des Vereins haben einen Antrag gestellt, Schulz auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung abzuwählen. Ob und wie diese in Corona-Zeiten stattfinden kann, ist allerdings unklar.

Worum geht es in dem Streit?

Vordergründig um die Besetzung von zwei Posten im Aufsichtsrat der HSV Fußball AG. Doch der Streit hat viel tiefergehende Gründe: Vereinfacht gesagt geht es um die Frage: Wie sieht die Zukunft des HSV aus? Soll sich der Zweitligist in noch stärkerem Maße für Investoren öffnen und weitere AG-Anteile verkaufen oder sogar seine Rechtsform ändern? Konkreter: Erhält Klaus-Michael Kühne die Chance, seinen Einfluss weiter zu vergrößern?

Jansen wird ein gutes Verhältnis zu Kühne nachgesagt. Kategorisch ausgeschlossen hat er weitere Anteilsverkäufe nicht. Schulz und Schaefer stehen für einen Kurs, der den HSV nicht noch enger an den Milliardär binden und ihm weiteren Einfluss verwehren soll.

Wer steht zur Wahl für den Aufsichtsrat?

Banker Hans-Walter Peters und Adidas-Aufsichtsrätin Kathrin Menges. An der Person Peters entzündet sich der Streit. Dem Jansen-Kandidaten wird eine Nähe zu Kühne nachgesagt. Sollte Peters in den Aufsichtsrat einziehen, hätten die Kühne-nahen Mitglieder eine Mehrheit im Kontrollgremium.

Doch Peters wird in der jetzigen Konstellation keine Mehrheit im dreiköpfigen e.V.-Präsidium erhalten, da Schulz und Schaefer ihn nicht wählen werden.

Warum nominieren Schulz und Schaefer keine eigenen Kandidaten?

Das letzte Wort bei der Nominierung von Kandidaten hat der Beirat. Das fünfköpfige Gremium ist nicht unumstritten, da es seine Entscheidung nicht begründen muss und kein klar definierter Kriterien-Katalog existiert, anhand dessen eine Auswahl getroffen wird.

Schulz und Schaefer hatten im Dezember mehrere Kandidaten vorgeschlagen, die vom Beirat nicht zugelassen wurden. Inzwischen sollen sie weitere Vorschläge unterbreitet haben. Es ist aber nahezu ausgeschlossen, dass der Beirat dieses Mal grünes Licht für eine Nominierung gibt.

Die Vorgeschichte: Das Hoffmann-Aus im März 2020

Vor gut einem Jahr war es zum Zerwürfnis innerhalb der Führung der HSV Fußball AG gekommen. Die Vorstände Frank Wettstein (Finanzen) und Jonas Boldt (Sport) hatten sich mit dem Vorsitzenden Bernd Hoffmann überworfen.

Der Aufsichtsrat entzog Hoffmann das Vertrauen, Boldt und Wettstein blieben im Amt. Aus Protest gegen diese Entscheidung trat Schulz ebenso von seinem Posten als Aufsichtsrat zurück wie der Vorsitzende Max-Arnold Köttgen. Deswegen müssen diese beiden Posten nun nachbesetzt werden. Jansen positionierte sich damals gegen Hoffmann und rückte schließlich an die Spitze des Kontrollgremiums.

Auch Kühne war indirekt involviert. Er hatte kurz zuvor erklärt, er hoffe auf einen Führungswechsel und dass Jansen eine gewichtigere Rolle einnehmen werde.

Wer setzt sich im Machtkampf durch?

Das ist schwer zu sagen. Offensichtlich ist, dass es tiefe Risse innerhalb des Clubs gibt. Die relevanten Vereinsgremien haben sich pro Jansen positioniert. Viele organisierte Fans haben hingegen zuletzt dessen Rolle kritisch hinterfragt und sich gegen einen weiteren Verkauf von Anteilen ausgesprochen. Dies kann nur mit Zustimmung der Mitglieder erfolgen.

Auf der anderen Seite wird von Jansen-Unterstützern die Vermutung geäußert, Schulz und Schaefer bereiteten eine erneute Rückkehr Hoffmanns vor, um die HSV Fußball AG komplett umzukrempeln.

Viel wird spekuliert, viel scheint möglich: nur nicht, dass der HSV schnell zur Ruhe kommt.

Weitere Informationen
Fahnen mit dem Logo des Hamburger SV © Witters Foto: Valeria Witters

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 14.02.2021 | 22:50 Uhr

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