Die Fankurve von Hannover 96 © imago images / Joachim Sielski

Die Rückkehr der Fans - eine Geduldsprobe

Stand: 07.07.2021 17:24 Uhr

Die Zeit der Geisterspiele ist vorbei. Zur neuen Saison dürfen pro Spiel wieder maximal 25.000 Zuschauer in die Bundesliga-Stadien. Während BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Deckelung kritisiert, zeigt 96-Boss Martin Kind Verständnis.

von Alexander Kobs

Sie liegen sich in den Armen, stehen dicht gedrängt auf den Tribünen und singen enthusiastisch ihre Nationalhymnen mit - ohne Maske, ohne Abstand. Die Fans bei der Fußball-Europameisterschaft erzeugen aktuell ein Bild, als sei die Pandemie vorbei. Bilder wie diese könnten auch in Deutschland bald wieder Realität werden. Ab der kommenden Saison sind in den deutschen Bundesliga-Stadien wieder Zuschauer zugelassen. Diesen Beschluss fassten am Dienstag die Chefinnen und Chefs der Staats- und Senatskanzleien. Die Arenen dürfen demnach zu maximal 50 Prozent ausgelastet werden, wobei die Gesamtzahl der Fans vorerst auf 25.000 gedeckelt ist.

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Fans des FC Hansa Rostock während des Heimspiels am 20. März gegen den Halleschen FC © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild pool Foto: Bernd Wüstneck

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Kind: "Fans müssen die Spielregeln einhalten"

"Für uns ist der Beschluss sehr erfreulich, da wir schon bei der Lizenzierung vor der Saison mit 25.000 Zuschauern gerechnet haben. Daher kann ich mit einer Auslastung von 50 Prozent sehr gut leben", sagte Martin Kind, Mehrheitsgesellschafter von Zweitligist Hannover 96, dem NDR. Die 96-Arena am Maschsee bietet Platz für 49.000 Besucher. Für das erste Heimspiel am zweiten Spieltag gegen Hansa Rostock planen die "Roten" nun mit 24.500 Zuschauern. Ein entsprechender Antrag liegt beim Gesundheitsamt, das noch endgültig zustimmen muss. 

"Wenn es ein Wunschkonzert wäre, würde ich mich natürlich über eine höhere Auslastung freuen. Das setzt aber auch voraus, dass die Fans die Spielregeln einhalten. Und wenn ich mir momentan die EM angucke, glaube ich nicht, dass sich alle Zuschauer an diese Spielregeln halten würden."  Martin Kind

Seine Sorgen scheinen nicht unbegründet. Die Zahl der Coronafälle in Verbindung mit der Fußball-EM ist nach Daten der EU-Gesundheitsagentur stark angestiegen. Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC hat im Zusammenhang mit der Euro bislang mehr als 2.500 Corona-Infektionen gezählt. In der dritten Turnierwoche sei ein erheblicher Anstieg im Vergleich zur Vorwoche zu verzeichnen gewesen, bestätigte die EU-Agentur.

"Entwicklung der Pandemie abwarten"

"Ich finde schon, dass wir die Entwicklung der Pandemie mit der Deltavariante abwarten müssen. Mehr Zuschauer in der Bundesliga zuzulassen, wäre eine Risikoentscheidung. Daher würde ich lieber die ganze Saison vor 25.000 Zuschauern spielen, als dann nach einem Vierteljahr wieder ganz ohne", erläuterte Kind. Anders sieht es BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Die Deckelung auf 25.000 sei "sehr willkürlich", sagte er der "Bild"-Zeitung. Auf Dauer sei er nicht bereit, das mitzutragen. Das Stadion von Borussia Dortmund bietet rund 81.000 Zuschauern Platz.

Wolfsburgs Meeske: "Ein gutes Einstiegsszenario"

Vier Spieltage lang hat die Bundesliga Zeit, sich zu bewähren und für weitere Öffnungsschritte zu bewerben; es also besser zu machen, als die EM-Organisatoren. Das sieht auch Wolfsburgs Geschäftsführer Michael Meeske so: "Wir begrüßen die Entscheidung und halten sie in Anbetracht der aktuellen Situation für ein gutes Einstiegsszenario, auf das wir dann bei gutem Verlauf entsprechend aufbauen können."

Die Regelungen, die immer von den lokalen Behörden genehmigt werden müssen, sollen vorerst bis zum 11. September gelten und hängen erneut an der Corona-Inzidenz. In Bremen beispielsweise gibt es noch keine endgültige Entscheidung, wie viele Fans zum Saisonauftakt am 24. Juli zugelassen werden, wenn Werder zum Zweitliga-Start Hannover 96 empfängt. Am 14. Juli findet eine Mitgliederversammlung der DFL mit allen Profi-Vereinen statt, bei der die Konzepte noch einmal besprochen werden sollen. Erst danach will die Bremer Innenbehörde festlegen, wie viele Zuschauer ins Weserstadion dürfen.

Zum ausverkauften Stadion ist der Weg so oder so noch lang. Auch 96-Boss Kind glaubt, dass die Clubs frühestens zur Rückrunde wieder vor vollen Rängen spielen dürfen.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 07.07.2021 | 17:25 Uhr

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