Stand: 13.03.2018 14:33 Uhr

Der innovativste Trainerwechsel des HSV

Christian Titz ist der dritte Trainer des HSV in dieser Saison und soll den erstmaligen Abstieg in die Zweite Liga verhindern. Er hat seine erste Trainingseinheit hinter sich gebracht. Die Spieler waren aufmerksam, die Fans gespannt und die Journalisten neugierig. Eigentlich alles wie immer beim HSV. Und deshalb der falsche Ansatz.

Eine Glosse von Michael Augustin, NDR Hörfunk Sportredaktion

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Beherrscht das kleine Einmaleins der Fußball-Lehre: Christian Titz.

Ich stelle mir gerade eine Szene in einer Fernsehquizshow vor: "Michael Oenning. Joe Zinnbauer. Peter Knäbel. Bringen Sie diese HSV-Trainer zeitlich in die richtige Reihenfolge." So lautet der Auftrag für den gestressten Kandidaten. Die Kamera zoomt immer dichter an sein Gesicht ran. Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn. Der Moderator guckt mit einem überheblichen Lächeln auf seinen Quiz-Partner herab. Und sagt: "Jetzt müssen Sie sich aber bald mal entscheiden!" Noch zehn Sekunden. Der Kandidat nestelt hektisch an seinem Hemdkragen. "Oenning. Knäbel. Zinnbauer", platzt es aus ihm heraus. Ein Piepton. Falsch! Zinnbauer war vor Knäbel. Ist ja auch wirklich schwierig, bei all den HSV-Trainern, die kommen und gehen, den Überblick zu behalten.

Bei Amazon größerer Star als im Fußball

15 Chef- und Übergangstrainer in den vergangenen zehn Jahren. Einige nur für ein paar Tage. Oder Wochen. Oder Monate. Und jetzt kommt Nummer 16: Christian Titz. Der ist bis jetzt bei Amazon ein größerer Star als in der Fußball-Branche. Mehr als 50 eBooks hat er geschrieben über diesen eigentlich doch gar nicht so komplizierten Sport. Hier einige Titel im Überblick: "Passen und Ballkontrolle", "Perfekte Schusstechnik", "Dribbeln und Finten", "Zweikampfschulung". Mit anderen Worten: Titz beherrscht das kleine Einmaleins der Fußball-Lehre.

Christian Titz, der neue Trainer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, gibt Anweisungen auf dem Trainingsplatz. © dpa bildfunk Fotograf: Daniel Reinhardt

Nächster HSV-Trainer für nächsten Drama-Akt

NDR Info - Auf ein Wort -

Beim Hamburger SV geht das Trainer-Theater in die nächste Runde. Christian Titz ist der dritte Trainer des Vereins in dieser Saison. Michael Augustin bittet auf ein Wort.

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Kennenlernen mal anders

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Das hat er seinen Spielern voraus. Die lernen ihren neuen Chef in den kommenden Tagen erst kennen. Wenn ich er wäre, würde ich das Kennenlernen etwas anders gestalten als viele seine Vorgänger. Die haben nämlich erst eine Ansprache an die ständig wechselnde, aber stets verunsicherte Mannschaft gehalten. Dann haben sie in Pressekonferenzen ständig wiederholt, wie reizvoll die Aufgabe beim HSV sei, was ein toller Verein der Club sei und dass dieser natürlich in die Erste Liga gehöre und man 24 Stunden am Tag und siebenmal die Woche alles dafür tun werde, dass dies auch so bleibt.

Ich würde die Sache so angehen: "Hallo Leute, mein Name ist Christian Titz. Ich bin euer neuer Trainer. Alles, was ihr über Fußball wissen müsst, steht in Büchern, die ich geschrieben habe. Jeder von euch bekommt ein Exemplar. Am Sonnabend um 15.30 Uhr spielen wir gegen Hertha BSC. Wir treffen uns zwei Stunden vor dem Anpfiff. Bis dahin habt ihr bitte alle Bücher durchgearbeitet. Vielen Dank. Wir sehen uns."

Zur Strafe ein Aufsatz

Ja, warum denn nicht? Damit die Tage bis zum Spiel nicht zu eintönig werden, würde ich vielleicht noch auf meinen Youtube-Channel verweisen, denn auch den hat Christian Titz. "Coaching Zone - Portal für Trainingslehre und Spielkultur" heißt sein Kanal. Dort wird der Inhalt seiner Bücher verbraucherfreundlich in bis zu fünf Minuten langen Videoclips aufbereitet. "Abonniert mich, bewertet mich und schreibt gerne einen Kommentar", würde ich den verdutzten HSV-Profis sagen. "Und denkt dran: Samstag, 13.30 Uhr. Wer zu spät kommt, muss einen Aufsatz über 'Passen und Ballkontrolle' schreiben." Einen Versuch wäre es wert.

Und wenn's schief geht, wird in irgendeiner Quizshow irgendein Moderator immerhin nach Christian Titz fragen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 13.03.2018 | 18:25 Uhr

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