Frust bei den HSV-Fußballern Khaled Narey, Stephan Ambrosius und Aaron Hunt (v.l.). © Witters

Der HSV und die Angst vor dem Triple-Trauma

Stand: 05.04.2021 12:30 Uhr

Nur ein 3:3-Unentschieden nach einer 3:0-Führung im Nordduell bei Hannover 96: Beim Hamburger SV geht die Angst vor dem "Triple" um. Wird der Aufstieg zum dritten Mal in Folge verspielt?

von Johannes Freytag

Von Thomas Brdaric ist der Satz überliefert, dass ihm ein 4:4 mit vier eigenen Treffern lieber sei als ein Sieg seiner Mannschaft. Ein Stürmer habe einfach "diese Geilheit" auf Tore. Ganz anders als der frühere Profi (u.a. Hannover 96 und VfL Wolfsburg) gab sich Aaron Hunt nach seinem Dreierpack am Sonntag in Hannover. "Ich freue mich natürlich, dass ich drei Tore geschossen habe. Das kommt auch nicht immer vor. Aber letztendlich sind wir alle unzufrieden."

Hunt: "Ein 3:0 muss man souveräner runterspielen"

"Wir müssen dieses Spiel einfach gewinnen", stellte Hunt fest, der zuletzt vor 14 Jahren im Trikot von Werder Bremen drei Tore in einem Spiel erzielt hatte. So sah es auch HSV-Coach Daniel Thioune, der Hunt lobte ("Er hat heute sehr, sehr viel richtig gemacht"), aber auch einräumte: "Es fühlt sich natürlich nicht gut an. Es ist auch ein bisschen selbstverschuldet."

Selbstkritisch analysierte Hunt die Fehler seiner Mannschaft: "Wir haben zu leicht die Bälle verloren und die Angriffe nicht mehr konsequent zu Ende gespielt. Bis auf die drei Gegentore haben wir zwar auch nichts zugelassen, aber in der Summe sind drei Gegentore natürlich auch zu viel. Gerade, wenn man 3:0 führt , muss man das souveräner runterspielen. Das haben wir nicht geschafft." In der Tat sollten für einen Aufstiegsanwärter drei Auswärtstore zum Sieg reichen.

Nur vier Tore Vorsprung auf den Relegationsrang

Und so geht nach diesen liegen gelassenen zwei Punkten an der Elbe die Angst um, erneut die Rückkehr in die Bundesliga zu verspielen. Zum dritten Mal in Folge. Zum dritten Mal in der Schlussphase der Saison. Zumal die Hamburger nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit einen Vorsprung hergaben: Beim 1. FC Heidenheim verlor man nach einer 2:0-Führung in der Schlussminute noch mit 2:3, bei Erzgebirge Aue (3:3) reichte ein 3:1-Vorsprung nicht zum Sieg.

In der Tabelle haben die Hanseaten bereits vier Zähler Rückstand auf Spitzenreiter VfL Bochum. Greuther Fürth auf dem Relegationsrang ist punktgleich mit dem HSV und hat eine nur um vier Treffer schlechtere Tordifferenz. Dahinter lauert Holstein Kiel, das noch zwei Nachholspiele in petto hat und mit zwei Siegen die Hamburger vom zweiten Platz verdrängen könnte.

Restprogramm machbar, aber mit Tücken

"Wir werden es analysieren und es definitiv in fünf Tagen besser machen", sagte Thioune mit Blick auf das Heimspiel am Freitagabend (18.30 Uhr) gegen Darmstadt 98. Das Restprogramm ist für den HSV in den ausstehenden sieben Spielen machbar. In der Hinrunde holten die Hamburger gegen diese Gegner sechs Siege und ein Remis, das Saisonfinale birgt dennoch auch Tücken: Von den kommenden Gegnern kämpfen einige gegen den Abstieg und haben daher viel zu verlieren.

Hunt und Terodde: Die Schlüsselfiguren des HSV

Dabei, dass der HSV nicht schon wieder Vierter wird und im dritten Anlauf endlich die ersehnte Rückkehr ins Fußball-Oberhaus schafft, kann auch Führungsspieler Hunt entscheidend helfen. Der frühere Nationalspieler ist zwar nicht mehr Kapitän, doch auf und neben dem Platz hat sein Wort im Team immer noch Gewicht. Wie er sportlich vorangehen kann, zeigte Hunt in Hannover eindrucksvoll.

Auf ihn und auch auf Simon Terodde, der am Sonntag nach seiner Corona-Quarantäne nur eingewechselt wurde, wird es in der finalen Saisonphase ankommen. Der Top-Torjäger (20 Treffer) spielt ebenfalls sehr mannschaftsdienlich und unterscheidet sich auch deshalb erheblich vom eingangs erwähnten Brdaric, der übrigens nach seinem "4:4-Spruch" in der Saison 2005/2006 in sieben Partien für Hannover 96 keinen Treffer mehr erzielte...

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 04.04.2021 | 23:05 Uhr

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