Stand: 13.05.2019 17:10 Uhr

"Der HSV und 96 haben es genau so verdient"

Für die Fußball-Fans von Hannover 96 und dem Hamburger SV ist es ein bitteres Wochenende gewesen. Nach dem vorletzten Spieltag steht schon fest: Der Bundesligist aus Niedersachsen steigt in die 2. Liga ab. Und der Zweitligist HSV muss seinen Traum vom sofortigen Wiederaufstieg begraben. Was ist los mit den beiden norddeutschen Clubs?

Ein Kommentar von Mats Nickelsen, NDR Info Sportredaktion

Bild vergrößern
Frustrierte HSV-Spieler: Der Traum vom sofortigen Wiederaufstieg ist geplatzt.

Fußballvereine sind sensible Gebilde mit großer Eigendynamik. Verantwortliche können die Gründe für Erfolg oder Misserfolg selbst mit dem Abstand von Jahren oft nicht genau erklären. Für die Profifußball-Standorte Hannover und Hamburg gilt eines aber ganz gewiss: Beide sind für ihren Niedergang selbst verantwortlich und beide haben es genau so verdient.

Die entscheidende Gemeinsamkeit: Die Clubs haben es nie geschafft, sich ein stabiles Umfeld zu bauen. Fast nie vertrauten sie ihren Sportdirektoren und Trainern - und gestärkt haben sie sie erst recht nicht. Zwei Beispiele aus dieser Saison: 96-Boss Martin Kind bezeichnete seine Mannschaft schon Anfang März als "schlecht zusammengestellt, kaputt und gescheitert". Da hatte er recht. Trotzdem: Rechnerisch war der Klassenerhalt da noch drin.

HSV-Investor Kühne erklärte am Tag nach dem Nichtaufstieg, er hätte den Hamburger Bossen ja schon Ende Februar empfohlen, Trainer Hannes Wolf rauszuwerfen.

Trainer und Bosse unter Dauerdruck

Bild vergrößern
Bei Hannover 96 steht schon vor dem Saison-Ende der Abstieg in die 2. Liga fest.

Sowohl in Hannover als auch in Hamburg entstand ein Arbeitsumfeld, in dem Bosse und Trainer unter Dauerdruck stehen und Spieler, die es auf dem Platz verbocken, nie wirklich Verantwortung übernehmen müssen. Selbst HSV-Kapitän Aaron Hunt sagte, er und seine Kollegen hätten sich - Zitat - "verpisst", als es drauf ankam. Ein bisschen Selbstkritik gab es schon bei den 96-Profis nach ihren desolaten Auftritten. Aber die öffentliche Kritik bezog sich vor allem auf Trainer Thomas Doll. Die Profis können sich letztendlich immer auf die unruhige Gesamtlage des Clubs berufen.

Ein launischer Edelfan beim HSV

Und dafür sind die Vereine selbst verantwortlich. 96 und der HSV schufen sich emotionale Dauerbaustellen. 96-Boss Kind überwarf sich mit den eigenen Fans, er wollte die sogenannte 50+1-Regel kippen und die Mehrheit im Verein übernehmen. Ein praktisch unlösbarer Konflikt.

In Hamburg will Investor Kühne die 50+1-Regel zwar nicht kippen. Er hatte nie ein Amt im HSV, möchte auch keins übernehmen. Trotzdem löst der launische Edelfan mit seinen Statements ein Medienbeben nach dem anderen aus. Kühne kritisierte sogar öffentlich Spieler, sprach ihnen die Erstliga-Reife ab. Kein Wunder, dass die so Kritisierten keine Führungsspieler werden können.

Anspruch und Wirklichkeit passen nicht zusammen

Hannover und Hamburg sind Standorte mit langer Bundesliga-Tradition. Genau das ist aber eben auch ein Problem. Debatten sind emotionaler, mehr Menschen reden mit. Anspruch und Wirklichkeit passen nicht zusammen. Kein Verein dieser Fußballwelt ist frei von Fehlentscheidungen. Aber es ist schon erstaunlich, dass Hannover und der Hamburger SV sogar dieselben Spieler überschätzen. Ein Blick in den Abstiegskader der 96er: die Profis Walace, Wood und Müller sind schon mit den Hamburgern aus der 1. Liga abgestiegen. Ein Jahr später wiederholten sie das nun mit 96.

Ganz normale Zweitligisten

Hannover und Hamburg stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Aktuell spricht nichts dafür, dass die beiden Nordclubs in der kommenden Saison zu den Topfavoriten der zweiten Liga gehören. 96 und der HSV sind Stand jetzt sportlich ganz normale Zweitligisten. Und dafür sind sie selbst verantwortlich.

Weitere Kommentare

Hannover 96: Ein gemeinsamer Weg ist alternativlos

Hannover 96 ist abgestiegen und muss viele Personalfragen beantworten. Entscheidend für die Zukunft wird sein, ob Martin Kind und seine Kritiker einen gemeinsamen Weg finden. Ein Kommentar. mehr

Der HSV muss sich neu erfinden

Die Abwärtsspirale dreht sich weiter beim HSV. Nach dem verpassten Bundesliga-Aufstieg muss der Club Grundsätzliches ändern. Sonst droht ihm die sportliche Bedeutungslosigkeit. mehr

Weitere Informationen

HSV-Investor Kühne wollte Trainer Wolf feuern lassen

13.05.2019 15:25 Uhr

Investor Klaus-Michael Kühne hat sich zum Nicht-Aufstieg des HSV geäußert - und diesen eigenen Angaben zufolge kommen sehen. Bereits im Februar habe er empfohlen, sich vorzeitig vom Coach zu trennen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 13.05.2019 | 17:08 Uhr