Stand: 18.04.2020 19:35 Uhr

Debatte um Geisterspiele: Ausweg oder Irrweg?

Geisterspiele - was in normalen Zeiten ein Schreckgespenst für alle Beteiligten ist, könnte sich in der Corona-Krise als Ausweg aus einer vertrackten Lage erweisen. Die insgesamt 36 Clubs der Fußball-Bundesliga und der Zweiten Liga hoffen darauf, dass die zurzeit unterbrochene Saison von Anfang Mai an durch Partien ohne Publikum zu Ende gespielt werden kann. Längst ist jedoch eine Debatte darüber entbrannt, wie sinnvoll solche Geisterspiele wären.

Ein engagierter Teil der Anhängerschaft lehnt diese kategorisch ab. "Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne", heißt es in einer über einige Ultra-Gruppen der Vereine verbreiteten Erklärung des bundesweiten Zusammenschlusses "Fanszenen Deutschland".

Teile der Fanszene: Fortsetzung wäre "blanker Hohn"

Michael Meeske, Geschäftsführer des Bundesligisten VfL Wolfsburg, hat eine andere Sicht der Dinge.

Der 48-Jährige liegt ganz auf der Linie von Martin Kind. Der Geschäftsführer des Zweitligisten Hannover 96 hatte unlängst den hohen Wert der Saisonfortsetzung für die Gesellschaft betont. Meeske ging nun im "Sportbuzzer" auf die deutlich formulierte Erklärung der Fanszene ein, die auch von den "Ultras Wolfsburg" verbreitet worden war. In dieser heißt es unter anderem, dass eine Weiterführung der Spielrunde "nicht vertretbar" sei - "schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung. Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft."

Das "UltrA-Team Bremen" vom Bundesligisten Werder Bremen wies nun in einem eigenen Schreiben noch auf die Bedeutung der Fans hin: "Die Bundesligasaison 2019/2020 durch Geisterspiele zu beenden, würde unserer Meinung nach ein fatales Signal senden. Daher fordern wir die Verantwortlichen auf, derartigen Plänen eine klare Absage zu erteilen. Denn Fußball ohne Fans ist nichts."

Meeske: Es sind "nicht nur hoch bezahlte Profis"

Michael Meeske © picture alliance / Norbert Schmidt
VfL-Geschäftsführer Michael Meeske betonte den gesellschaftlichen Wert des Fußballs.

Meeske betonte, dass er "grundsätzlich jede differenzierte Auseinandersetzung um den Fußball begrüßt". Das könne "allerdings nicht zwangsläufig heißen, dass Fußballvereine und -verbände in diesen Tagen nicht mehr über Fortsetzungsmöglichkeiten der Saison diskutieren dürfen". Eine Fortsetzung müsse ja "nicht bedeuten, dass man sich wider gesellschaftlichen Interessen verhält". Der Fußball sei "eben nicht nur Arbeitsplatz für hoch bezahlte Profis, sondern auch für tausende von größtenteils durchschnittlich verdienenden Menschen".

Zudem, so Meeske, dürfe auch die Frage gestellt werden, ob sich "die Menschen gerade in Tagen größerer Monotonie über Fußball, und sei es als Fernsehinhalt, freuen würden".

Fällt die DFL am Donnerstag eine Entscheidung?

Die Entscheidung, ob und wie die Spielzeit zu Ende gebracht werden kann, könnte bei der auf kommenden Donnerstag verschobenen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) gefällt werden - abhängig davon, was die Politik gestattet. Ein strittiger Punkt sind die Tests auf das Coronavirus. Zuletzt hatte der Berufsverband "Akkreditierte Labore in der Medizin" erklärt, dass er bei Geisterspielen keinerlei Probleme mit den Kapazitäten sehe.

Weitere Informationen
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DFL vertagt Entscheidung über Bundesliga-Fortsetzung

Die Entscheidung über eine Fortsetzung der Fußball-Bundesliga fällt erst am 23. April. Die DFL vertagte ihre Mitgliederversammlung, um ausführlich über Maßgaben der Politik beraten zu können. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 18.04.2020 | 23:03 Uhr

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